Yet another Gin – Isle of Harris Gin

Das Schicksal eines Whiskyproduzenten ist es, mehrere Jahre der Reifung seines Destillates abwarten zu müssen, bevor all die Mühe und nicht zu Letzt das Investment sich in klingender Münze auszahlen. Nicht anders ergeht es der im September 2015 eröffneten Isle of Harris Distillery, der ersten legalen Brennerei im gleichnamigen Südteil der Lewis and Harris Insel in den äußeren Hebriden.

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Bevor man hier den ersten Whisky, der den Namen ‚The Hearach‘ tragen soll, abfüllen kann, soll mit anderen Produkten Geld in die Kasse kommen . Anderswo versuchte man das mit New make Spirits oder Spirit Drinks, in der Isle of Harris Distillery ist Gin das Mittel der Wahl.

Neben 17 privaten Investoren ist an dem Projekt auch die öffentliche Hand beteiligt, denn man geht davon aus, dass 20 Vollzeit-Arbeitsplätze geschaffen werden können. Die Leitung des Projekts hat der Distillery-Director Simon Erlanger. Der Mann bringt eine Menge Sachkenntnisse mit. Vor knapp 30 Jahren begann er seine Laufbahn bei United Distillers, aus denen später Diageo hervorgehen sollte. 1993 wechselte er zu Glenmorangie und wurde dort einer von vier Geschäftsführern. Ab 2000 war er Mitglied des Verwaltungsrates der Glenmorangie plc und mitverantwortlich für die Integration der Firma in den LVMH Konzern. Seit 2008 ist er selbstständiger Berater und seit April 2015 Geschäftsführer der Isle of Harris Distillery.

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Neben Wacholder werden Koriander, Angelikawurzel, Veilchenwurzel, Kubebenpfeffer, Bitterorangenschale, Süßholz und Zimtkassie für die Herstellung des Isle of Harris Gin verwendet. Das Besondere ist Zuckertang, eine Braunalgenart, die von einem Taucher in den Gewässern der Äußeren Hebriden von Hand geerntet wird. Zuckertang ist essbar und enthält Zuckerstoffe, die ihn leicht süßlich schmecken lassen.

Ist die Flasche erst einmal vom Korken befreit, verströmt der Gin blitzschnell einen frischen, kräftigen, wacholdrigen Geruch und fast eine Anmutung von frischer, salziger Seeluft. Das ist schon ganz schön erstaunlich. Und wunderbar!

Auf der Zunge hat der Gin ein wenig alkoholische Schärfe, die mich anfänglich etwas stört, doch dann kommt mir wieder in den Sinn, dass dieser Gin von den äußeren Hebriden kommt. Und auf einmal passt dieses kleine Quäntchen Rauheit ganz gut.

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Tatsächlich verfliegt die alkoholische Schärfe sehr schnell und es bleiben Pfeffer, Wacholder und Zitrus auf der Zunge zurück. Dazu gesellt sich ein Hauch Süsse vom Zuckertang. Daran kann man sich gewöhnen und letztlich stelle ich mir vor, genau diesen Gin pur angeboten zu bekommen, wenn ich triefnass und durchgefroren Zuflucht in einem warmen, gemütlichen Cottage Unterschlupf suche und die Vorstellung gefällt mir.

Doch natürlich ist es viel entscheidender, wie sich der Gin im Drink macht. Als Gin & Tonic ist er mit Fever Tree Indian Tonic und Schweppes Dry Tonic sehr, sehr schmackhaft, mit dem Fever Tree allerdings noch eine Spur runder. Besonders gespannt war ich, wie sich dieser Zuckertang-infusionierte Gin im Negroni machen würde…

Verwendet man Carpanos Antica Formula, so wird der Negroni mit dem Isle of Harris Gin extrem mild. Ein Negroni für Menschen, die keinen Negroni mögen. Sehr rund und aromatisch, aber die Ecken und Kanten, die ich am Negroni so schätze, sind nicht mehr da. Daher habe ich es nochmal mit Punt e Mes, dem etwas raueren Wermut aus dem gleichen Haus, versucht und das Ergebnis gefiel mir persönlich deutlich besser.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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