Das große Sloe Gin Tasting – Was macht einen guten Sloe Gin aus?

Wir haben es wieder einmal getan. Initiiert vom Ginthusiasten Oli haben wir das ultimative Sloe Gin Tasting auf die Beine gestellt. 15 Sloe Gins wurden in drei Flights blind verkostet. Nach jedem Flight wurde aufgelöst. Die Tester kannten das Gesamtportfolio, sodass sie zumindest wussten, welche Produkte im dritten Flight zu testen waren – natürlich aber ohne zu wissen, welches Produkt sich in welchem Glas verbirgt. Getestet wurde in der wunderbaren klassischen Hamburger Cocktailbar Savvy – die perfekte Bühne für diese klassische Zutat. Aber zunächst ein wenig Basiswissen über Sloe Gin.

Sloe Gin vor dem Gesetz

Zunächst gilt es mit einigen Irrtümern aufzuräumen:

Irrtum Nr. 1: Sloe Gin ist ein Gin!

Nach der Spirituosenverordnung ist Sloe Gin ein Likör! Daher muss Sloe Gin auch mindestens 100g Zucker pro Liter und nur mindestens 25% Alkohol aufweisen. Unsere Destillate pendeln zwischen 25% und 35%, wobei jedoch die meisten zwischen 26% und 29% besitzen. Die alkoholische Basis muss daher auch kein Gin sein und keinen Wacholder enthalten.

Irrtum Nr. 2: Im Sloe Gin wird durch Mazeration von Schlehen gewonnen!

Sloe Gin ist ein Likör, der unter „Mazeration von Schlehen“ gewonnen wird. Das stimmt. Wieviele Schlehen beinhaltet sind, wird nicht festgelegt. Vom Wortlaut reichen auch zwei Beeren. Erlaubt ist weiter der „Zusatz von Schlehensaft“, was auch den Großteil des Geschmacks ausmachen darf.

Irrtum Nr. 3: Im Sloe Gin sind nur Schlehen!

Wieder falsch. natürliche Aromastoffe und Aromaextrakte dürfen hinzugefügt werden. Daher wird etwa auf der Zutatenliste von Bols unter anderem angegeben: Johannisbeersaft, Himbeersaft, Holunderbeersaft. Natürlich extrem klein gedruckt auf dem Label….lesen quasi unmöglich.

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Können Sie das lesen?

Sloe Gin unter der Lupe

Zu unserer großen Freude standen auch zwei Gin-Hersteller unseren Fragen Rede und Antwort über ihren eigenen Sloe Gin. Robin von Elephant Gin und Paul Brusdeillins von Gin Sul konnten uns einige Details nennen, was die Besonderheiten bei der Herstellung von Sloe Gin sind. Wesentlich ist zum einen die Menge und Art des Zuckers. Der Unterschied zwischen 100g und 150g ist gigantisch. Auch die Art der Süßung ist entscheidend. Man habe zwar auch an Honig gedacht, aber der Eigengeschmack eines vernünftigen Wildhonig überdeckt das feine Schlehenaroma.

Bei der Verarbeitung der Schlehen komme es auf Qualität der Beeren, Standzeit und Pressung an. Sofern man mit tiefgefrorenen Schlehen oder Saft arbeitet, erreicht man zwar Konstanz, verliert aber an Qualität. Allerdings saugen die Beeren eine Menge Gin auf, erzählt Robin, der auf diese Weise etwa ein Drittel des Gins zunächst verloren hat. Diese lassen sich zwar auspressen und der Verlust reduziert sich auf ein Viertel – ein zu starkes Pressen entlässt aber die Blausäure im Kern – das typische Kirsch-Marzipan-Aroma entsteht. Auch die Standzeit muss bedacht werden. Eine zu lange Mazeration der Beeren führt zu einem „muffigen“ Geschmack und einer „pelzigen Zunge“, so Paul. 8 Wochen sei bei angepressten, aber nicht zerpressten Schlehen optimal.

Das wirkliche Problem an den Schlehen sei die Menge. So benötigt Paul für seine 12 Liter auch 12 kg selbstgepflückte Schlehen. Bei dem dornigen Busch sei dies kein Spaß, versichert er und verweist auf seine zerkratzten Hände. Von den beiden steht daher nur der Elephant Sloe Gin zum Kauf bereit. Er ist unfiltriert und er wurde nach der Mazeration noch 4 Monate  gelagert. Hier existieren gerade 2 mal 999 Flaschen, hälftig für den deutschen und englischen Markt.

Die Einzelergebnisse des Tastings mit Verkostungsnotizen und Favoriten folgen im zweiten Teil!

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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