Oliver Zeters Goldschatz und übers Mixen mit Süßwein

Liese Leserinnen und Leser,

wir melden uns mit Freude aus der Sommerpause zurück! Wir haben die (zumindest in Norddeutschland wettertechnisch eher wenig sommerlichen) Wochen gut genutzt, sodass wir heute mit Süßwein starten können!

Die Trockenbeerenauslese (TBA) ist neben dem Eiswein der legendäre deutsche Süßwein. Extrem hohe Süße, oft mit einer feinen Säure dazu – und in der Regel einigermaßen unerschwinglich. Solch ein Elixir zum Mixen zu nutzen scheint vollkommen abwegig, aber von allen Regeln gibt es erfreulicherweise Ausnahmen. Wir haben uns auf die Suche nach einem Süßwein zum Mixen gemacht und sind fündig geworden. Oliver Zeter hat  mit seinem Goldschatz einen Weg abseits drei- bis vierstelliger Preise gewählt. Es handelt sich hierbei um eine TBA-Cuvée aus verschiedenen Trauben (Sauvignon Blanc, Ortega, Rieslander, Huxelrebe), Jahrgängen und auch von verschiedenen Winzern mit einer soliden Restsüße von knapp 200 gr. / Liter. Was potentiell Resteverwertung sein könnte, ist hingegen eine herrlich trinkbare TBA zu einem Preis, der seinesgleichen sucht (20 € / 0,375 ).

Oliver Zeter Goldschatz

Oliver Zeter Goldschatz

Nase:
Maracuja, Honig, weißer Nougat, Karamell, Honigmelone – Maracujasplit! Ausgesprochen einladend und delikat.
Gaumen:
Volles Rohr: Sahnekaramell, ganz viel Frucht und mit einer feinen Säure versehen, die den Goldschatz seiner hohen Süße zum Trotz lebendig hält. Exotische Früchte pur, die Maracuja ist wieder dabei, außerdem Mango. Insgesamt sehr cremig, Aromen wie aus der Konditorei.

Das Trinken des Goldschatzes war wirklich einfach – das Mixen gestaltete sich schon etwas schwieriger. Wir haben länger herumprobiert, denn da der Wein selbst bereits über eine Menge an Aromen verfügt, die wir nicht zerstören wollten, haben wir leichte und schlanke Drinks sowie Versionen darauf ausprobiert. Dennoch hat vieles nicht funktioniert, zu dominant waren die Gegenüber oder die geringe Temperatur betäubte die Aromen schlicht zu stark.

Was jedoch funktioniert hat, war eine (am Ende doch ziemlich weit vom Original entfernte) Version des Bomboo Cocktails:

Bamboo gone wild
3 cl Goldschatz
2 cl Noilly Prat
2 cl Fino Sherry
1 cl Revolte Rum
1/2 Pipette Ferdinand’s Vineyard Peach & Hops Bitters

stir – straight

Die drei verschiedenen Weinkomponenten funktionieren zusammen erstaunlich gut und bieten eine gelungene Mischung auf Reichhaltigkeit, Würzigkeit und Trockenheit. Der Revolte Rum und der Bitters akzentuieren und geben ein wenig Feuer. Ein Apero für den, der schon vieles kennt!

Unser zweiter Drink gefiel uns noch etwas besser. Purer und der Idee folgend, das Spiel aus Süße und Säure zu vertiefen.

Atztekenschatz
5 cl Goldschatz
1,5 cl Anejo Tequila (unbedingt mild, in unserem Fall Sauza Tres Generaciones)
1 cl Zitrone
2 Dashes Eiweiß

shake – dry shake – straight im Weinglas

Ein süffiger Drink par excellence landet hier im Glas. Durch die leichte Erhöhung des Alkoholgehalts mit dem samtigen Tres Generaciones und das Eiweiß sowie die Erhöhung der Säure wird der Charakter des Süßweins in eine Cocktailform transformiert.

Weinhaltige Komponenten sind für mich oft die spannendsten Zutaten für einen Drink. Ihr alkoholisches Fenster ist optimal, sie sind in der Lage, Leichtigkeit und spielerische Aromen in einen Drink zu geben. Die Aromatik eines Süßweins ist dabei besonders interessant. Empfehlung!

Aztekenschatz

Aztekenschatz

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

2 Kommentare

  1. Ich bin bezüglich TBA völlig unbeleckt – wie sieht es mit der Haltbarkeit aus? Ist das wie bei Wein, dass man die Flasche praktisch nach öffnen direkt aufbrauchen muss? Oder hält sich der wie Wermut, Sherry oder Port etwas länger?

  2. Torben Bornhöft

    Bei uns war die Flasche nach zwei Tagen leer. Daher kann ich es dir nicht mit Gewissheit sagen. Ich glaube aber, gerade, wenn man den Wein als Mixzutat nutzt, dass er einige Zeit im Kühlschrank halten sollte.

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