Glengoyne – Torf? Is‘ nich!

Zugegeben, unser Bericht ist nicht ganz objektiv. Als wir Glengoyne besuchten, hatten wir bereits 8 Tage Schottland in den Knochen. 135 km West Highland Way lagen hinter uns, 4000 Höhenmeter und wir haben uns nach Entspannung gesehnt – und einem Dram Whisky.

 

Ganz am Anfang (oder aus unserer Sicht: am Ende) dieses Weges befindet sich Glengoyne. Nördlich von Glasgow, etwas abseits des Weges, erblickt man Burnfoot Farm, eine kleine Anhöhe mit eigenem Wasserfall, auf der George Connell bereits seit 1820 illegal destillierte. 1833 erhielt er das offizielle Brennrecht – und wenig später die Wassernutzungsrechte für die örtliche Quelle, die auch den Wasserfall speist – für 8 Pfund, begrenzt auf 99 Jahre. Damals war der offizielle Name des Unternehmens noch „Glen Guin“ – das Tal der Wildgänse. Ein Tippfehler eines Mitarbeiters führte dazu, dass dieser falsche Name das Unternehmen bis ca. 1900 begleitete und erst dann zu Glengoyne geändert wurde.

Glengoyne liegt an der Nahtstelle zwischen den Lowlands und den Highlands. Destilliert wird in den Highlands, gelagert in den Lowlands. Offiziell bleibt es daher ein Highland Whisky, aber man ist stolz auf diese nicht ganz eindeutige Zuordnung. Die Grenze zwischen beiden Gebieten – die Highland Line – verläuft unter der A81. Früher wurden die Fässer über die Straße gerollt, heute führt eine Pipeline unter der Straße hindurch. In Fässer abgefüllt wird also erst in den Lowlands.

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Und auch sonst zeigt man sich hier eigenwillig mit seinem Produkt. Von Anfang an verzichtete man auf das Ankaufen von Torf – und trocknete das Getreide mit warmer Luft. „Der Torf versteckt andere Aromen – auch die ungewollten. Das wollen wir hier nicht.“ erklärte uns der Mitarbeiter von Glengoyne. Daher werden andere Faktoren wichtig. Zum Beispiel die drei großen Kupfer-Potstills. „Wir haben hier die langsamste Destillationsgeschwindigkeit aller schottischen Destillen.“ Etwa 4-5 Liter Feinbrand pro Stunde werde erzielt. Die Industrie erziele im Schnitt etwa dreimal soviel. Und dies sorge dafür, dass weniger flüchtige und schwerere Aromen nicht über den „Nacken“ der Brennblase  hinauskommen und nicht im fertigen Destillat landen. Der lange Kontakt mit dem Kupfer sorge außerdem dafür, dass Schwefelaromen aus dem Destillat verschwinden. Das Ergebnis sind Apfel- und Birnenaromen sowie ein feines Aroma von Orangenschale in der Nase und eine geringere Süße in den Destillaten – abhängig natürlich von der Fasslagerung.

Erneut aufgrund des fehlenden Torfs kommt der Fasslagerung besondere Bedeutung zu – bietet aber auch ein Spielfeld für die Aromensteuerung. Glengoyne ist breit aufgestellt. Ex Bourbon Fässer und First Fill European Oak, Sherryfässer aus US- und europäischer Eiche lassen eine Vielzahl von Spielarten zu. Ursprünglich arbeitete man nur mit Ex-Oloroso-Sherry Fässern. Sie waren einfach billiger – aus heutiger Sicht eher unverständlich. Der Einsatz anderer Fässer ist daher auch eine Kostenfrage. Dass keine nachträgliche Färbung hinzukommt ist konsequent. Die Whiskys aus den einzelnen Fässer weisen dann auch eine erstaunliche Bandbreite an Aromen auf – von fragileren Fruchtaromen bis zur fetten Süße von Erdbeerkompott aus First Fill Sherryfässern.

Für mich war der Besuch horizonterweiternd. Wer torfige Whiskys über hat, hat hier eine wohlschmeckende und sympathische Alternative.

tikiwise

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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