Canadian Whisky – Mythos und Moderne Teil 3 – Lot No. 40 Rye Whisky

American Rye Whiskey 2016. Der Markt ist gesättigt, die Großen haben sich positioniert. Die Kleinen sind weitestgehend unbedeutend geblieben, dafür sorgt noch die Lagerzeit. Alte Whiskeys sind nicht zu bekommen. Michter’s Whiskey hat die Preise mit der 2016er Abfüllung im Bereich der 10jährigen Produkte verdoppelt. Angeblich, weil man 2015 mit der Qualität nicht zufrieden war und nicht abgefüllt hat. Aber warum sollte man 170€ für eine Flasche 10 Jahre alten Rye bezahlen?

Der Habenwollen-Effekt ist weg. Rye ist nicht mehr sexy!

Und nun?

Vor einem Jahr haben wir gefragt, was Canadian Whisky kann. Und eine Menge ungenutztes Potential ausgemacht. Seitdem ist einiges passiert. So wurde Crown Royal Northern Harvest Rye Jim Murray’s World Whiskey of the Year 2016. Und auch die Kanadier haben festgestellt, dass sie wieder Premium werden können. Wenn sie sich neu erfinden.

Bereits 2012 brachte Hiram Walker einmalig  Lot No. 40 Canadian Rye Whisky auf den Markt. 100% Roggen, davon 10% gemälzt. In neuen Eichenfässern gelagert. Doppelt destilliert. Zunächst durch eine Column Still, danach durch eine Potstill. Die Potstill ermöglicht es, die leichten grasigen und die schweren seifigen Noten des Whisky abzutrennen. Übrig bleiben fruchtige, florale und Getreidenoten. Kopieren die Kanadier hier also den Erfolg des US-Rye? Auch US Whiskey ist doppelt destilliert, die zweite Destillation erfolgt meist durch einen Thumper oder Doubler genannte Pot-Still. Auch US-Whiskey wird nur in neuen Holzfässern gelagert. Die Antwort lautet: Ja!

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Das Ergebnis ist ein würziger, knackig trockener Rye Whiskey. Kaum Fruchtnoten, weder Apfel noch Kirsche. Dazu eine Kombination aus Holz und leichter aber sich nicht aufdrängender Vanille. Eventuell etwas Banane und Orangenschale. Und dazu Roggen, Roggen, Roggen. Eine gewisse Säure im Abgang.

Lot No. 40 ist eine Eintrittskarte. Er holt den American Whiskey Trinker mit einem beeindruckenden Produkt ab, das in jedem Tasting Panel für American Rye Whiskey mit Bravour bestehen würde. Aber dort, wo beim US-Whiskey Schluss ist, verspricht Don Livermore, Master Blender von Hiram Walker den Kunden unentdecktes Land: Canadian Whisky sei nicht auf die Art des Fasses, die Destillation, die Mashbill festgelegt. Er sei flexibler als der Bruder aus den USA. Noch vieles liege vor dem Genuss-Suchenden.

Warum ist da Canadian Whisky in meinem Manhattan? Zu Recht! Wenn es Lot No. 40 ist.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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