Teagroni

The Earl Spirit – Gib mir Tee!

Die Idee, mit Tee-Aromen in Cocktails zu arbeiten, ist nicht neu. Infusionen, Kapsel-Tees oder Gin Tonics mit Teemischungen sind durchaus gesehene Gäste auf den Barkarten der Nation. Und dennoch haben sie nie eine Rolle ganz vorn auf der Bühne ergattern können.

Dabei können Tee-Aromen einem Drink eine neue, zusätzliche Dimension geben, die man auf anderem Weg nicht in einen Cocktail bekommt. Diesem Vorteil steht jedoch die schnelle Dominanz von Tee-Aromen gegenüber anderen Bestandteilen eines Drinks entgegen. Geht man mit Tee nicht vorsichtig um, hat man schnell einen stark alkoholischen Eistee mit wenig Trinkvergnügen.

Dieses Problemfeld lässt sich umgehen, indem man mit Produkten arbeitet, die die Tee-Aromen bereits in sich tragen. Bei Faradai ist dies der Fall, ebenso bei The Earl Spirit, um den es heute gehen soll.
Fabian Fuchs und Devran Sömnez produzieren eine Spirituose, die ein Stück weit einer Earl Grey-Idee folgt. Schwarzteemazerat im Weizenbrand eines Berliner Familienunternehmens, akzentuiert mit Bergamotte sowie – hier verlassen wir vertraute Tee-Pfade – Zitronengras und Ingwer. Eine angenehm übersichtliche Menge von Aromen. Zucker wird keiner hinzugefügt, der Earl landet mit 38 % Vol. in der Flasche.

The Earl Spirit
Nase:
Ein einladendes, dunkles Tee-Aroma, akzentuiert mit einem Hauch Zitrusfrische.

Gaumen:
Der Gaumen ist komplexer, zuerst macht sich die Trockenheit des Tees bemerkbar, angenehm herb gleitet das Aroma über den Gaumen. Der Alkohol ist präsent, dazu die Zitrustöne. Der Earl hält, was er verspricht.

Pur bietet der Earl ein spannendes Geschmacksbild, das zum Mixen einlädt. Und wir können sagen: Das macht richtig Spaß! Spannende Aromen und eine Neuartigkeit, die nicht aufdringlich ist. Der erste unserer drei Favoriten war ein Earl Tonic. Als Signature Longdrink wird der Earl mit Bitter Lemon empfohlen, aber uns war bei Tonic doch etwas wohler zumute.

Earl Tonic

Earl Tonic

Der Tee ist angenehm präsent, eine Zitronenzeste unterstützt die schöne Zitrusaromatik, insgesamt eine sehr schöne Erfrischung mit hohem Trinkfluss.

Danach haben wir gerührt. Aufgrund der dunklen Aromatik drängte sich ein Negroni-Konzept auf, sodass wir bei unserem Teagroni der Vermouth durch den Earl ersetzt haben. Klingt ziemlich kräftig – ist es auch – aber dennoch ausgesprochen schmackhaft!

Teagroni

Teagroni

Teagroni
4,5 cl Gin
3 cl The Earl
3 cl Campari

Rühren – Tumbler – Orangen- und Zitronenzeste

Der Drink ist dominiert von der Würze, der Campari wird tatsächlich in die Statistenrolle gedrängt. Ziemlich kräftig, aber die Zesten tun dem Drink gut und geben Frische. Dunkel, würzig, komplex. Mit Biss. Kein Drink für Anfänger. Oben am Gaumen bleibt die wacholderne Frische, an den Zungenseiten jedoch die Kraft des Tees.

Zum Abschluss noch ein Sour. Sour geht immer. Bei duftigen Spirituosen tut ein Eiweiß oft gut, um feine Aromen hervorzubringen. Gesagt, getan.

Earl Silver Sour

Earl Silver Sour

Earl Silver Sour
6 cl The Earl
3 cl Zitrone (Bergamotte, wer hat!)
2 cl Zuckersirup
1 Eiweiß

Shake – Dry Shake – Zitronenzeste

Am Gaumen hat man hier ganz pur den Earl mit süß-saurer Basis, transportiert von einem cremigen Schaum. Ein schönes, frisches Tee-Aroma dominiert das Geschmacksbild.

Der Earl überzeugt – und er kommt zur rechten Zeit. Der explodierte Ginmarkt hat eine neue Sensibilität nach sich gezogen, der Zeitgeist sucht authentische Produkte. Die Gin-Trinker kann der Earl abholen, insbesondere, da Earl Tonic ein schmackhafter und spannender Longdrink ist, der zwischen zwei Gin Tonics eine willkommene Abwechslung sein kann, da die Aromenwelten andere sind, aber der erfrischende Grundcharakter der gleiche bleibt. Darüber hinaus ergeben sich spannende neue Dimensionen für Drinks. Und angenehmerweise wird die Preisschraube nicht überdreht, für ca. 25 € ist der Earl (0,5 Liter) zu haben. Zugreifen!

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen!
Trinklaune.de hat für die Verkostung Produktproben erhalten. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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