HEILAND Doppelbockliqueur – Ein Ortsbesuch

Nandlstadt, Oberbayern. 5120 Einwohner.

Von H.Helmlechner - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37846781

Nandlstadt © H.Helmlechner

Der Ort im Herzen der Hallertau wirkt noch ein wenig verschlafen, als wir an einem Sonntagmorgen im Dezember über den örtlichen Marktplatz schlendern. Dies sei den Einwohner von Nandlstadt – welches als ältester Hopfenanbauort der Welt gilt – allerdings verziehen, denn die ertragreiche Hopfenernte 2016 liegt erst seit kurzem hinter ihnen und die Wintermonate sind in diesem traditionsreichen Gewerbe eher ruhig.

Nur in einem Gebäudeteil in der Marktstraße 1 rührt sich schon früh etwas. Es ist die Produktionsstätte des HEILAND Doppelbockliqueur, in welcher uns der Gründer Stefan Hofstetter zu einer Führung erwartet. Stefan, 25 Jahre alt, moderne Brille, rotes Hemd passt nicht in das Klischee der bayrischen Dorfjugend. An seiner extrovertierten, überlegten und freundlichen Art merkt man, dass er ein Kreativer, ein Macher ist. Umso gespannter sind wir daher zu erfahren, wie er es zusammen mit seinem Bruder Max und dem gemeinsamen Freund Kay Thieme geschafft hat aus dem kleinen Örtchen Nandlstadt heraus einen Likör zu kreeieren der mittlerweile in einigen der besten Bars und Kaufhäuser der Republik anzutreffen ist.

Blick in die Produktionsräume von Heiland

Blick auf die Handabfüllung und Etikettierung

Nachdem Stefan uns die Pforten zu den heiländischen Hallen geöffnet hat, merkt man schnell dass die Gründer diese mit hohem finanziellen und zeitlichen Aufwand hergerichtet haben. Stefan erklärt uns, dass sie die Räumlichkeiten einer ehemaligen Schlecker-Filiale nutzen und zahlreiche bauliche Veränderungen wie etwa die Installation einer Abluftanlage nötig waren um den HEILAND Doppelbockliqueur nach ihren Vorstellungen produzieren zu können. Die Produktion, Lagerung und Verwaltung des Doppelbockliqueurs findet dabei in vier Räumen statt, wobei wir unsere Führung in der Produktion beginnen.

Dampfbeheizter Behälter zur zur Herstellung der Bierreduktion

Dampfbeheizter Behälter zur zur Herstellung der Bierreduktion

Im ersten Produktionsschritt wird „eine große Menge Bockbier aus einer Münchner Brauerei“ mittels eines dampfbeheizten Kessels einreduziert. Das Bier wird dabei unter der Zugabe von feinem Kristallzucker schonend gekocht und die Reduktion daraufhin in einen der gut 600 L fassenden Edelstahllagertanks umgefüllt.

Anschließend wird die zweite für den HEILAND essentielle Komponente hergestellt: Das Rum-Mazerat. Dazu wird dunkler Rum in mehreren 60 L Glasballons erwärmt und verschiedene Gewürze über einen „längeren Zeitraum“ im Warmmazerat eingelegt. Nachdem die Gewürze entfernt wurden, wird das Rum-Mazerat zur Bier-Reduktion in den Edelstahltank gegeben und die Mischung reift anschließend für gut sechs Wochen im Tank, wobei sich die Aromen harmonisieren und Bitterstoffe abgebaut werden.

Glasballon zur Herstellung des Rum-Mazerats

Glasballon zur Herstellung des Rum-Mazerats

Nach Abschluss der Reifezeit wird der Bierlikör vorsichtig filtriert und in formschöne Apothekerflaschen gefüllt. Abschließend wird jede Flasche noch gut 10 x in die Hand genommen und Etikett, Korken und Schrumpfkappe per Hand aufgebracht, bevor die Flaschen im Lagerraum verschwinden. Dort warten sie auf der Versand, welcher von dem Gründer-Trio ebenfalls von Nandlstadt aus abgewickelt wird.

Stefan Hofstetter beim Etikettieren der HEILAND Flaschen

Stefan Hofstetter beim Etikettieren der HEILAND Flaschen

Nach der spannenden Führung durch die HEILAND Manufaktur wollten wir von Stefan natürlich mehr über das Produkt und den Werdegang der Firma erfahren, weshalb wir ihn zum Interview gebeten haben:

TL: Zuerst einmal vielen Dank für die interessante Führung durch eure Produktionsstätte. Man sieht, dass viel Arbeit und Geld in die Umsetzung eures Traums geflossen ist. Erzähl uns doch bitte wie euer Weg von der ersten Idee bis zur Gründung verlaufen ist.

Stefan: Nachdem ich die Idee hatte einen eigenen Bierliqueur für den Eigengebrauch zu kreieren, hatte ich meinem Zwillingsbruder Max und seinem damaligen Mitbewohner Kay den ersten Probe-Sud mitgebracht. Den beiden hat es richtig gut geschmeckt und so kam es, dass wir beschlossen haben, die Rezeptur weiterzuentwickeln. So etwas gab es auch noch in keiner Bar, weshalb wir damals schon das Potential gesehen haben. 7 Monate lang haben wir dann das Rezept weiterentwickelt. Dabei waren wir auch immer in hochklassigen Bars, um mit deren Expertise über unser Produkt zu sprechen. Im Juli 2014 war es dann soweit. Wir hatten den für uns perfekten Bierliqueur, komplex, außergewöhnlich und harmonisch. Als wir merkten, dass wir einem sehr guten Ergebnis immer näher kamen, haben wir auch schon begonnen die Fäden für eine Firmengründung zu spinnen. Damals noch im kleinen Rahmen, weil wir alle drei Vollzeit beschäftigt waren mit Studium oder Arbeit. Heute sieht das anders aus. Wir haben letztes Jahr wie ihr gesehen habt einen alten Schleckermarkt im Ort umgebaut und haben dort unsere eigene Manufaktur. Kay und ich sind mittlerweile auch Vollzeit mit dem HEILAND unterwegs.

TL: Du hast ein ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert und auch Kay und Max haben vorher nicht in der produzierenden Spirituosenbranche gearbeitet. Wie habt ihr euch das nötige Wissen angeeignet und wie organisiert ihr euch innerhalb der Firma?

Stefan: Zwei Schlüsselfaktoren waren dafür wichtig: Viel lesen und gute Kontakte. Wir haben beispielsweise einen sehr guten Kontakt zur Fachhochschule Weihenstephan, die uns mit Rat und Tat zur Seite steht. Insbesondere in technologischen Angelegenheiten war und ist das ein extrem guter Partner für uns. Mit deren Hilfe konnten wir unsere Manufaktur reibungslos aufbauen und den Produktionsprozess vergrößern.
Innerhalb der Firma haben wir uns so aufgeteilt, dass Max Fragen bezüglich Design und Marketing betreut, Kay den Vertrieb und Kundenkontakt steuert und ich mich um die Geschäftsführung und Produktion kümmere.

TL: Ihr habt über ein halbes Jahr an der Rezeptur für HEILAND gearbeitet. Wo lagen die Herausforderungen bei der Umsetzung und was hebt HEILAND von anderen Bierlikören ab?

Stefan: Die beiden größten Herausforderungen bei der Rezeptur lagen in der Ausgewogenheit, sowie dem Nachhall. Beides sind Faktoren, die wir für sehr wichtig erachtet haben und hier ging es vor allem um die Feinabstimmung der jeweiligen Komponenten. Wir haben allerdings auch verschiedene Varianten der Herstellungsverfahren ausprobiert, um auch hier das beste Ergebnis zu erzielen. Letztlich ist es ein sehr schmaler Grat und wir wollten, dass der Liqueur auf den Punkt ist. Der HEILAND hebt sich unserer Meinung nach unabhängig vom Design klar durch seine Ausgewogenheit und Aromenvielfalt von anderen Bierliqueuren ab.

TL: Eure genaue Rezeptur ist ein Geheimnis, man schmeckt jedoch, dass neben der Bierbasis auch hochwertige Gewürze wie Vanille verwendet wurden. Bedingt durch schlechte Ernten hat sich der Vanillepreis seit Ende 2014 verdreifacht. Wie reagiert ihr auf solche Entwicklungen auf dem Rohstoffmarkt?

Stefan: Das Beispiel Vanille ist sehr treffend. Ehrlicherweise haben wir darauf nicht reagiert. Vanille ist ein teures Gewürz, aber geschmacklich außergewöhnlich und wichtig für uns. Deshalb gibt es hier für uns keine Alternative.

TL: Seit euer Gründung im Jahr 2014 habt ihr bereits viel erreicht und euch einen Namen in der Branche gemacht. Wie soll es nun weitergehen? Was sind die Zukunftspläne der beer liqueur foundation?

Stefan: Wir möchten weiterhin unserer Strukturen aufbauen und uns voll auf unsere Kernkompetenz konzentrieren. Dennoch ist das langfristige Ziel schon mit einem weiteren Produkt an den Start zu gehen. Dazu gibt es bereits konkrete Ideen.

TL: Könntest du unseren Lesern zum Abschluss noch einen winterlichen Drink mit Heiland empfehlen?

Stefan: Mein aktueller Favorit ist der Innamorata von Oliver von Carnap. Ein kräftiger, sehr ausgewogener Drink welcher durch Heiland perfekt abgerundet wird.

– 35 ml Smokecraft Vodka
– 10 ml Heiland Doppelbockliqueur
– 10 ml Mandarin Napoleon
– 40 ml Vintage Port
Garnitur: Orangenzeste

HEILAND Doppelbockliqueur

HEILAND Doppelbockliqueur

Der Innamorata hat auch uns überzeugt. Die feinen Zitrusnoten des Mandarin Napoleon harmonieren perfekt mit der Süße, Fruchtigkeit und Komplexität des Ports und HEILANDs. Die feine Raucharomatik im Nachklang rundet den Drink ab.

Unser Favorit ist jedoch ein sehr einfacher Drink. HEILAND on the Rocks mit Orangenzeste. Auf diese Weise kann der Doppelbockliqueur seine feine Malzsüße, Würzigkeit und Vielschichtigkeit am besten entfalten.

Fazit: Der HEILAND Doppelbockliqueur ist eine willkommene Abwechslung in der Tristesse der Bierliköre im Souvenirladen und hebt sich sowohl geschmacklich aus auch durch das sympatische Gründerteam von vergleichbaren Produkten ab. Empfehlung!

Robin Stein

Robin Stein, Jahrgang 1987, ist studierter Lebensmitteltechnologe und der Jüngste im Team. Sein Weg führte ihm nach dem Abitur 2006 über ein viermonatiges Praktikum in Pusser's New York Bar in München nach Bergisch-Gladbach, wo er eine Ausbildung als Hotelfachmann im Schlosshotel Lerbach absolvierte. Seine persönlichen Honigfallen sind Champagner, Obstbrände, Wein und Whisk(e)y.

Einen Kommentar schreiben