Yet another Gin – Ki No Bi Kyoto Dry Gin

Auf der Website des Ki No Bi Kyoto Dry Gin wird dieser japanische Gin als der erste in Kyoto destillierte Gin angekündigt. Ehrlich? Mich hätte es auch nicht verwundert, wenn dies der erste in Japan destillierte Gin wäre. Doch das täuscht natürlich. In Japan wird schon lange Gin destilliert – warum sollte das auch anders sein? Nur weil japanischer Gin aus europäischer Sicht so exotisch wirkt? Das relativiert sich ganz schnell, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die Philippinen der größte Gin-Markt der Welt sind.

Tatsächlich destilliert z.B. Suntory schon recht lange Gin, den Suntory Dry Gin schon seit den 1960er. Der Suntory Ice Gin dürfte noch nicht ganz so betagt und eher eine neuere Entwicklung sein, hat aber nur 37vol%. Damit dürfte er sich in Europa nicht Gin nennen, da er den in der europäischen Spirituosenverordnung geforderten Mindestalkoholgehalt von 37,5vol% knapp verfehlt. Preislich sind diese beiden Suntory-Gins eher zu den Low-Class-Produkten als zu den Premium Gins zu zählen. Doch auch in Japan ist ein Gin-Hype ausgebrochen. Nach Destillen wie der Mars Shinshu Distillery, die 2015 eine kleine Menge ihres Ko-on, einem Gin auf der Basis von Shōchū, produzierte, springen nun auch die Großen der Branche auf den Zug auf und bringen Premium-Gins auf den Markt. So soll von Asahi noch in diesem Monat ein Nikka Coffey Gin kommen. Und auch Suntory setzt mit seinem Roku Gin, der etwas später als der Nikka Coffey Gin Ende Juli erscheinen soll, bereits optisch auf das Premium-Segment.

Doch zurück zum Ki No Bi, der zuweilen, wie aber oben belegt, fälschlicherweise als Japans erster Gin angekündigt wurde. Die Köpfe hinter der Kyoto Distillery sind die Engländer David Croll und Marcin Miller, die 2006 die Firma Number One Drinks Co. Japan gegründet hatten. Number One Drinks hatte sich auf Whiskys kleinerer japanischer Destillerien wie Chichibu, Hanyu und Karuizawa spezialisiert. Nachdem aber Karuizawa 2011 geschlossen wurde und auch bald alle Restbestände abverkauft waren, entschlossen sich Croll und Miller 2014 selbst in die Produktion zu gehen. Doch nicht Whisky sollte es werden, sondern Gin. Nachdem der japanische Gin-Markt über Jahrzehnte von großen ausländischen Marken dominiert wurde, setzten Croll und Miller im allgemeinen Aufwind, den der Gin auch in Japan erfuhr, auf ein möglicherweise steigendes Interesse der Japaner an inländischen Marken. Diesem wollten sie mit einem Gin, der die Traditionen und die Kultur Japans widerspiegelt, begegnen.

In der neu errichteten Destille steht ein 450-Liter-Destillierapparat zur Herstellung von Neutralalkohol aus Reis, der aus der Kyoto Region stammt. Der kleinere, 140 Liter fassende Apparat dient zur Herstellung von Destillaten der im Ki No Bi enthaltenen elf Botanicals. Diese wurden in sechs Gruppen unterteilt, so dass also sechs Destillate hergestellt werden, die dann später mit dem Neutralalkohol und Wasser geblendet werden. Diese Gruppen sind:

Basis(礎) Wacholderbeeren, Iriswurzel, Hinoki (eine Zypressenart)
Zitrus(柑) Yuzu, Zitrone
Tee(茶) Grüner Tee (Gyokuro)
Würzig(辛) Ingwer
Fruchtig&Floral(芳) Rote Shiso Blätter, Bambusblätter
Pfeffrig(凛) Sansho Pfeffer, Kinome (Japanischer Pfeffer)

In der Nase ist der Ki No Bi erstaunlich klar und rein. Eine Menge exotischer Zitrusaromen, die aber kaum andere Aromen zulassen. Am Gaumen bleibt er immer noch sehr klar und sauber, sehr geradeaus. Die 45,7 Volumenprozent merkt man ihm wirklich nicht an. Eine gewisse Süsse überrascht, denn die eigentlich erwartete Zitrusnote bleibt am Gaumen völlig aus. Ebenso vermisse ich den Wacholder. Doch das alles soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass mir der Ki No Bi Dry Gin sehr gut gefallen hat. Der macht sicher einen großartigen Gin&Tonic! Und so war es auch. Überraschenderweise gebe ich hier dem Fentimans gegenüber meinem sonst so häufig präferierten Fever Tree (hier zu süß) den Vortritt.

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Dom Ruinart 2006

1 Kommentar

  1. Joachim

    Nicht schon wieder einen Gin!

Einen Kommentar schreiben