Pòtoprens

Spiced Rum braucht kein Mensch. Boukman Botanical Rhum schon…

Spiced Rum.

Diese Kategorie verspricht in der Regel gähnende Langeweile. Stark gesüßte, mit Vanille- und Zimtaromen überladene Spirit Drinks, die ihrer Bestimmung harren, in einem großen Glas mit warmer Cola zu landen.
Es gibt auch seriösere Vertreter wie zum Beispiel Kraken, keine Frage. Dennoch konnte mich diese Kategorie nie begeistern – am Ende des Tages sind die Produkte nicht interessant und vor allem zum Mixen oft ungeeignet, weil sie bereits ein Potpourri an Aromen in sich tragen.

Auftritt Boukman Botanical Rhum.

Hier sieht es anders aus und schon am Namen wird dies klar. Bewusst verzichtet man auf das bekannte Etikett Spiced Rum, denn dieses würde dem Boukman nicht gerecht. Man bezieht sich auf die alte Tradition auf Haiti, in kleinen Anlagen Rum zu brennen (siehe Clairin) und diesen mit regionalen Rinden, Gewürzen und Zitrusschalen zu versetzen. Somit landen im Rhum Agricole von Haiti, der die Basis liefert, fünf verschiedene Rinden, Bitterorangenschalen, Piment, Nelke, Vanille, Bittermandel und Zimt. Die letzten Zutaten könnte man auch im klassischen Spiced Rum erwarten, aber sie spielen eine eher untergeordnete Rolle. Dieses Produkt ist ausgesprochen eigenständig.

Boukman Botanical Rhum
45 % Vol.; Column Stills
Nase:

Tabak, Klebstoff, sehr trocken, Gewürze und eine ganze Portion Holz. Eine tiefe Nase aus dem Humidor, Leder und Zeder.
Gaumen:
Eine ungewöhnliche Kombination von Schlankheit und Kraft fällt zuerst auf. Das Geschmacksprofil ist sehr stark in eine Richtung ausgeformt: viel Power, aber nicht breit.
Ein Hauch Orangenschale ist auszumachen, dazu die typische Agricole-Kraft an der Grenze zur Bösartigkeit. Aber über allem schweben die Aromen der unbekannten und ungewohnten Rinden, von Holz, Trockenheit und Würze. Hier spielen Wohlfühl-Gewürze wie Vanille und Zimt nicht die erste Geige, sie akzentuieren nur unmerklich.

Dieser Rhum will vermixt werden. Pur ist er fordernd und definitiv weit weg vom Vanille-Süße-Gewürz-Einerlei der Massenmarktes. Dementsprechend spielt er seine Stärken im Cocktailbereich aus. Hierfür muss man die heftigen Aromen in Bahnen lenken. Etwas geringer alkoholische Zutaten können dabei helfen, genauso aber auch eine gewisse Süße. Wir haben beides probiert.

Pòtoprens
6 cl Boukman Botanical Rhum
2,5 Antica Formula
2,5 East India Solera Sherry
1 Tropfen Mozart Chocolate Bitters

Gerührt, straight.

Dieser Drink folgt am Ende des Tages einer Manhattan-Idee, ergänzt um etwas Sherry, der weitere Süße mitbringt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, es ist konzentriert, klar auf der Rhum-Seite und dennoch ist keine Arbeit zu leisten, um das Glas zu leeren. Die komplexen und trockenen Noten des Rhum werden von den weinigen Aromen eingefangen und harmonisiert.

Pòtoprens

Pòtoprens

Embarkment
3 cl Boukman Botanical Rhum
3 cl Cardenal Mendoza Brandy
1,5 cl trockener Oloroso Sherry
0,5 cl Holunderblütensirup

Gerührt, straight

Die Kombination mit Sherry hat so gut funktioniert, dass wir in diese Richtung weiterdenken. Der würzig-trockene Boukman bekommt mit Cardenal Mendoza einen Wohlfühlbrandy par excellence an die Seite gestellt (Kombination von Basisspirituosen – hier liegt die Zukunft!), der Oloroso steuert Nuss und Salz bei. Ein Hauch Holunderblütensirup (hausgemacht oder Darbo; hohe Qualität ist wichtig) rundet den Drink ab: Er gibt das letzte Quäntchen benötigte Süße und vor allem eine minimale Floralität, die man zwar nicht herausschmeckt, die aber das Gesamtbild ergänzt.

Embarkment

Embarkment

Vorab gesagt: Aktuell ist der Rhum nur in den USA zu bekommen – hoffentlich ändert sich das bald. Aber für alle, die sich gern an einer Spirituose abarbeiten und Freude daran haben, wenn nicht alles sofort glasklar scheint, ist der Boukman eine klare Kaufempfehlung. Insbesondere da er die Kategorie „Spiced Rum“ erweitert und vom Standard wegführt.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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