Yet another Gin: Prütt Kaffee Gin

Gefühlt jeder zweite Gastronom scheint in den letzten Tagen oder Wochen herauszuposaunen, es bräuchte keine neuen Gins. Die Konsumenten scheinen das (noch?) anders zu sehen, aber das ist ein anderes Thema. Nun kommt aus Münster ein neuer Gin namens Prütt. Braucht es den? Und ich sage, den Gastronomen zum Trotz: Ja! Denn mir ist kein anderer Gin, in dem Kaffee verarbeitet wird, bekannt. Okay, aber braucht man den? Das ist doch die Frage! Und ich sage noch einmal: Ja!

Zu umfangreich sind die Verwendungsmöglichkeiten, die mit einen anderen Gin vielleicht ein ähnlich gutes, aber eben vollständig anderes Ergebnis hervorbringen. Und zu gelungen ist das Produkt. Aber ich greife vor.

Wo kommt überhaupt dieser eigentümliche Name her? Prütt ist im Westfälischen der Ausdruck für Kaffeesatz. Der Name ist hier also schon Programm. Anfang Mai diesen Jahres war ich in Münster. Der Prütt Gin war zu diesem Zeitpunkt noch in der Entwicklungsphase, aber schon soweit fortgeschritten, dass ich das finale Destillat probieren und -fast wichtiger- eine der Keimzellen des Prütt Gins besuchen konnte. Damit meine ich nicht, wie eigentlich üblich, die Brennerei, sondern hier die Kaffeerösterei Herr Hase. Sven Hasenclever röstet seit Anfang 2015 in einem Vorort von Münster, idyllisch gelegen in einem ehemaligen Pferdestall, seine Kaffees. Und das macht er richtig gut. Mit Herzblut und Akribie. Und er verwendet nur beste Kaffees. Davon konnte ich mich im Mai überzeugen. Selten habe ich so einen guten Filterkaffee getrunken. Für den Prütt verwendet Sven die Sorten Sigri aus Papua Neu Guinea und Yirgacheffe Aramo aus Äthiopien.

Die Destillation erfolgt in der Feinbrennerei Sasse in Schöppingen, etwa 35 Kilometer nordwestlich von Münster. Dort wird auch der Weizenfeinbrand aus Bio-Weizen hergestellt, der die Basis für den Prütt Gin anstelle des sonst üblicher Weise zugekauften, industriell hergestellten Neutralalkohols bildet. So international die Kaffees, so regional also die Destillation und der dafür verwendete Bio-Alkohol. Es werden zwölf Botanicals für den Prütt verwandt. Neben den beiden Kaffees und natürlich Wacholder sind dies Botanicals Orange, Zitrone, Rosmarin, Minze und weitere, die nicht näher benannt werden.

Kommen wir zurück zu den Verwendungsmöglichkeiten. Wenn Espresso Tonic geht, dann geht natürlich auch ein Prütt Tonic. Man kann dieses ohnehin schmackhafte Getränk noch veredeln: Zum Hase’s Highball: Gleiche Teile (Herr Hasenclever schägt 2,5cl vor), vom Prütt Gin und von einem guten Kaffeelikör. Nicht ohne Grund wird hier der 1766 Münsterländer Kaffeelikör empfohlen, denn die Kaffeebohnen für dieses Produkt stammen ebenfalls aus der Kaffeerösterei Herr Hase.

Hases Highball

Der Negroni kommt einem schon fast zwangsläufig in den Sinn – und tatsächlich funktioniert das ganz wunderbar. Ein weiterer Drink, in dem der Prütt eine gute Figur macht, ist der Pegu Club Cocktail in der Version von Audrey Saunders aus der gleichnamigen New Yorker Bar: 4cl Gin, 1,5cl frischer Limettensaft, 1.5cl Orange Curacao, je ein Drop Orange Bitters und Angostura. Im direkten Vergleich mit einem Standard-Gin bringt der Prütt hier eine weitere, sehr passende  Geschmacksebene in den Drink, die der Standard-Variante fehlt und diese eindimensional erscheinen läßt. Orange und Kaffee bringen Schokoladennoten hervor, zusammen mit den Limetten erinnert das an die alten Sprengel Erfrischungsstäbchen, nur viel eleganter. Es lohnt sich auf jeden Fall mit dem Prütt klassische Rezepte wie z.B. Satan’s Whisker oder den Income Tax C

ocktail auszuprobieren. Und daher lautet mein Fazit: Ja, man braucht den Prütt Gin!

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

Pòtoprens
Butterbird Weißling

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