Die Kunst japanischen Whiskys – Foodpairing mit Nikka

Mizuwari (jap.) – zu gleichen Teilen mit kaltem Wasser verdünnter japanischer Whisky auf Eiswürfeln

Masataka und Rita Taketsuru

Die japanische Kultur umweht seit jeher der legendäre Ruf von Klarheit und Reduzierung auf das Wesentliche,  aber auch eine für europäische Beobachter fremde Liebe für, ja gar Versessenheit auf Perfektion und kleinste Details. Wir haben uns daher für euch mit der Geschichte und den Whiskys von Nikka vertraut gemacht und die wichtigsten Vertreter – mit begleitenden Gängen aus dem wunderbaren Restaurant NIL –  verkostet.

Brennblasen in Yoichi

Der Startschuss für Nikka fiel 1934 mit dem Bau der Yoichi Destille auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido. Für den Gründer, Masataka Taketsuru war dieser Moment bereits das Ende einer langen Reise. Kurz nach dem ersten Weltkrieg, 1918, reiste der junge Chemiker nach Schottland, um dort die Destillation von Whisky zu erlernen. In den folgenden zwei Jahren besuchte er die Universität Glasgow sowie verschiedene renommierte Häuser wie Longmorn und Campbeltown. Danach reiste er samt der in Tagebuchform gesammelten Erkenntnisse und frisch mit der Schottin Jessie Roberta Cowan verheiratet nach Japan zurück und trat dort in die Dienste von Kotobukiya (heute Suntory), für die er den Bau der Yamazaki Destillerie überwachte. Dort war er maßgeblich an den ersten japanischen Whiskys beteiligt. Es war jedoch die finanzielle Unterstützung seiner Frau, die ihm die Gründung  seines eigenen Unternehmens an dem Ort ermöglichte, den er als am besten für die Destillation und Lagerung von Whisky geeignet hielt.

Miyagikyo Distillery

Wie jeder Whisky-Hersteller musste er die ersten Jahre für die Lagerzeit irgendwie überbrücken. So avancierte er zum Obstbrenner und begann, Applebrandy herzustellen. Daher rührt der alte Name des Unternehmens Dai Nippon Kaju, der übersetzt „Große Saftfabrik“ bedeutet und erst 1952 durch die gängige Abkürzung Nikka (Dai Nippon Kaju) ersetzt wurde. Und auch heute kann noch ein 30jähriger Apple Brandy erworben werden, der zu Ehren seiner Frau den Namen „Rita“ trägt. 1969 wurde die Miyagikyo Destille im Norden der Insel Honshu eröffnet. Damit gehören Nikka zwei der derzeit acht aktiven Destillen Japans.

Nun zum Wesentlichen: Zum Whisky.

Nikka Single Malt Yoichi, 45%

Japanischer Whisky lebt ungleich mehr als schottischer Whisky durch die Kunst der Vermählung – dem Blend. Während in Schottland die Direktabfüllung aus dem Fass als die größere Kunstform gilt, sei es in Japan umgekehrt.  Der Blend aus mehreren Jahrgängen besitzt nur wenig Torf, dafür feine Nuss- und Eichennoten sowie eine kräftige Getreidenote. Hinzu gesellen sich komplexe Noten kandierter Früchte.

Nikka Single Malt Miyagikyo, 45%

Früchte. Viele Früchte. Apfel Birne, aber auch Maracuja. Deutliche Torf und Sherry. Für mich der unspektakulärste Vertreter des Abends.

Nikka Coffey Malt, 45%

Der Coffey Malt wird in Coffey Brennblasen ausschließlich aus gemälzter Gerste destilliert. Das ist ein Whisky, um ihn gemeinsam mit einigen Freunden am Lagerfeuer zu trinken (vgl. auch Blue Label)! Toffee, Salzkaramell, Schokolade und Banane. Etwas monothematisch. Allerdings sagt man das ja auch über den Münsteraner Tatort, und trotzdem ist er everybody’s darling!

Nikka Coffey Grain, 45%

Der Coffee Grain wird hauptsächlich aus Mais destilliert. Ein japanischer Bourbon? Eine starke Acetonnote musste verfliegen, bevor wir uns dem Whisky nähern konnten. Danach konnten wir Banane und Kokos erkennen, aber auch etwas Kaffee. Aber auch viel Zitronenschale und Orange, was ihn schlanker als die anderen Produkte, insbesondere seinen „Bruder“, den Coffey Malt, macht.

Nikka from the Barrel, 51,4%

Auch wenn der Nikka from the Barrel bereits 1985 gelauncht wurde, steht er wie kein zweiter Whisky für die Marke Nikka. Die quaderförmige Flasche erinnert an die zeitlose Einfachheit, von der eingangs gesprochen wurde. Und auch der Alkoholgehalt sei nicht zufällig, sondern erfülle den Zweck, möglichst viel Geschmack zu transportieren – dies sei bei 51,4% am besten möglich. Es handelt sich ebenfalls aus einem Blend aus Single Malts aus beiden Destillen und Grain Whisky aus Refill-Eichenfässern. Weich, komplex und voll. Erinnerungen an Brioche. Schokolade und Honig. Etwas Orange. Holz und Zimt. Ein Whisky, der zum wilden Mixen einlädt. Oder schlicht als Mizuwari, wo der from the Barrel seine Komplexität in Ruhe ausbreiten darf.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de war zu Gast auf der Veranstaltung. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels. Die Bilder wurden teilweise zur Verfügung gestellt.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Cold Drip Gin Tonic

Einen Kommentar schreiben