Eine Reise zu The Dalmore – Teil 2. Dram Wasser gebaut.

Sie verlassen nun das kartographierte Gebiet. Mein Mobiltelefon hatte die Verbindungsversuche schon länger aufgegeben, als der Landrover von der ohnehin schon wenig vertrauenserweckenden Schotterpiste abbog und sich der Allradantrieb immer wütender aufheulend durch den Schlamm arbeitete. Von oben betrachtet waren wir wohl nur als kleiner Punkt auf den 20.000 Acre (ca. 80 km²) großen Liegenschaften von Novar Estate, dem Land des Munro-Ferguson Clans, erkennbar. Am buchstäblichen Ende dieser Straße wartete auf uns ein kleines Häuschen – das Boat House des Lairds des Clans. Und davor Loch Morie. Was wollten wir hier? Aus Loch Morie speist sich der Fluss Alness, dessen Wasser die Grundlage für die The Dalmore Whiskys bildet. Und wir waren schließlich hier, um The Dalmore auf den Grund zu gehen. Ein Glas The Dalmore bei Loch Morie zu trinken ist, als schließe sich ein Kreis. Eine Rückkehr zum Ursprung. Schicksal…..etwas zuviel Pathos? Vielleicht. Aber trinken sie mal vormittags mitten im Nirgendwo mehrere Glas Whisky, nachdem sie auf der Rückbank eines Jeeps durchgerüttelt wurden. Slainte Mhath.

Szenenwechsel. Was wie ein kleines Dorf aussieht, sind die Gebäudekomplexe der The Dalmore Destillerie. Endlich am Ziel. Alexander Matheson gründete sie 1839 hier, direkt am Cromarty Firth. Leider mussten wir Kameras und Mobiltelefone für die Tour abgeben – Explosionsgefahr (Bilder gibt es z. B.  hier). Vielleicht etwas übervorsorglich. Aber wollen Sie wirklich als derjenige in Erinnerung bleiben, wegen dem die The Dalmore Destillerie in die Luft geflogen ist? Übrigens wäre das das zweite Mal: Im Jahre 1917 besetzte die Royal Navy das Gelände, um Seeminen zu produzieren. 1920 räumte sie es wieder – nachdem aus unerfindlichen Gründen die Seeminen auf dem Trockenen explodiert waren und Teile der Anlage in Schutt und Asche gelegt hatten.

Beeindruckend sind die alten Malting Floors, die allerdings nur noch Museumswert haben. 1956 wurden sie durch eine Saladin Box ersetzt. Und seit 1982 bezieht The Dalmore die gemälzte Gerste von externen Lieferanten. Herzstück sind aber sicherlich die vier Wash Stills (2x 16.500l, 2x 8.250l) und die vier Spirit Stills (2x 11.000l, 2x 7.300l). Eine Wasserkühlung an den Spirit Stills („Water Jacket“) simuliert eine höhere Still und sorgt für ein leichteres Aroma, da der Rückfluss der schwereren Aromen durch die Kühlung begünstigt wird.  Die gleiche Funktion hat der teilweise vorhandene „Flat Top“ der Wash Stills. Da die Stills in Form und Größe unterschiedlich sind, lässt sich die Produktion nur schwer automatisieren. Das Ergebnis ist dennoch ein kraftvoller New Make, der mit 76% ins Fass kommt („Richard likes a beast to play with.“)

The Dalmore ist heute nicht mehr nur eine europäische Spezialität. Sie gehört genauso gut nach Russland, in die USA und nach Fernost, wo besonders die chinesischen Kunden nach immer exklusiveren, immer älteren Destillaten suchen. Die Paterson Collection und die Constellation Collection sind eine Antwort darauf. Dennoch, die größte Veränderung im Whiskygeschäft im Laufe seiner Schaffenszeit habe mit dem ersten Whiskyfestival am 21. November 1977 in Frankfurt begonnen, so Richard Paterson. Einige Jahre später sei New York hinzugekommen. In den 90ern und 2000ern begannen die Festivals und die Kunden hätten unterschiedliche Erfahrungen mit Whisky gesucht. So seien die Masterclasses entstanden. Auf die „boomende“ Craft Distiller Szene in den USA und Schottland angesprochen, erklärt Richard Paterson folgendes: Es gebe in den USA etwa 1300 Destillerien, in Schottland wesentlich weniger. Neueinsteiger müssten sich entscheiden, ob sie nur herumspielen oder ernsthaft produzieren wollten. Auch das Holz müsse zum Whisky passen.

Wie die Whiskys aber schmecken und über Details zur Fasslagerung informieren wir euch im dritten Teil.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de war Gast bei The Dalmore. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Einen Kommentar schreiben