Eine Reise zu The Dalmore – Teil 3. In der Höhle des Whiskykönigs

Gut, zugegeben. Nicht viele werden die Möglichkeit haben, The Dalmore mit einer Lagerungszeit von 35, 40 oder 50 Jahren zu trinken. Aber das Portfolio umfasst ja viele andere Produkte. Und deshalb wollen wir an dieser Stelle noch einige Verkostungsnotizen von verschiedensten The Dalmore Whiskys mit euch teilen, die man (teilweise) auch kaufen kann.

New Make

Nicht kaufen kann man den New Make, der mit 76% ins Fass kommt. Bereits dieser hat eine volle, fette Nase. Am Gaumen Zitronengras, Getreide, Kekse und etwas Pflaume. Dazu der Geruch eines frischen Grappa. Sollten Sie mal in der Destillerie vorbeikommen, fragen Sie nach einem Schluck.

The Dalmore 12 Years Old

Jetzt aber! The Dalmores Einstiegsprodukt startet bei entspannten 12 Jahren. Dieser lagert die ersten 9 Jahre in Ex-Bourbon Fässern und die darauf folgenden 3 Jahre in ehemaligen Gonzales Byass Oloroso Sherry Fässern. Und mit den Sherry Fässern sei das so eine Sache. The Dalmore nutzt nur Fässer, in denen tatsächlich zuvor Sherry lagerte und zwar entweder 30 Jahre alten Apostoles (Palomino Fino, Pedro Ximenez), Amoroso oder 30 Jahre lang Matusalem (Oloroso). Man verzichte auf das berühmt-berüchtigte Befeuchten des Fasses, bei dem die Fässer einige Monate mit Sherry gefüllt werden, um den Geschmack anzunehmen. Vielmehr zahle man die ca. 1500 Pfund für eines der oben genannten Fässer, die dann etwa 50 Jahre verwendet werden können. Der 12-Jährige ist der „Spicy One“. Eine fast schon klassisches, würziges Eichenaroma mit etwas dunkler Schokolade im Abgang.

The Dalmore 15 Years Old

Der The Dalmore 15 Years Old ist eher der „Sweet One“. Die ersten 12 Jahre in Ex-Bourbon Fässern, die restlichen drei Jahre in den Fässern des süßen Amoroso, Apostoles und Oloroso Sherry. Diese Kombination verleiht dem 15-Jährigen Aromen von Karamell, Toffee und Milchschokolade. Nelken und Zimt in der Nase. Die Orangen verstecken sich dezent und verwandeln sich eher zu Grapefruit. Vanille und Eichenholz im Abgang. Sicherlich der Whisky, mit dem man Einsteiger am stärksten begeistern und abholen kann.

The Dalmore 18 Years Old

Der 18 Jahre alte Vertreter wird mit 43% abgefüllt und beinhaltet am prägnantesten die typischen Dalmore-Aromen: Orange und Schokolade. Variationen von Zitrusfrüchten und verschiedene Schokoladenaromen umschmeicheln den Gaumen. Aber auch frisch gerösteter Kaffee erfüllt den Raum. Möglich machen das 14 Jahre im Eichenfass, 4 Jahre im Matusalem Sherryfass, das im letzten Jahr aufrecht gestellt wird, um eine bessere Luftzirkulation zu ermöglichen.

The Dalmore Cigar Malt

Der Cigar Malt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Früher rührte der für den US Markt produzierte NAS Whisky aus Ex-Bourbon-Fässern und Sherryfässern her. Als dieser auch in Europa eingeführt werden sollte (ca. 2008-2009), erließen immer mehr Länder Rauchverbote in ihren Bars und Gastronomien. Man entschied sich daraufhin, das gleiche Produkt als „Gran Reserva“ zu verkaufen. Dieses erwies sich aber als wenig erfolgreich, weshalb man es ebenfalls vom Markt nahm. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung anderer Märkte, z.B. Südamerika, bei denen das Rauchen einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert erfuhr. Der neue Cigar-Malt reift zu 70% in Ex-Bourbon-Fässern, zu 30% in Matusalem Oloroso Sherry Fässern und erfährt ein 18-monatiges Finish in Cabernet-Sauvignon Fässern, da die Tannine des Rotweins hervorragend zum Rauch einer Zigarre passen sollen.

The Dalmore 25 Years Old

Während der King Alexander III. die Principal Collection nach oben abschließt, ist der auf 8.000 Flaschen (Release 2015; nächstes Release 2017) limitierte 25 Jahre alte Dalmore der „Jüngste unter den Alten“ und mit ca. 600 Pfund auch der erschwinglichste. Und ähnlich wie im King Alexander III. wird auch hier auf vielfältige Weise mit Fassarten gespielt: Zunächst erfolgt die Lagerung in Ex-Bourbon Fässern. Anschließend wurde er hälftig auf First Fill Bourbon Fässer und Palomino Fino Sherry Fässer gelagert. Am Ende werden die Whiskys gemeinsam in Tawny Port Fässern gefinished. Die Komplexität auf dem Papier wird auch zur Komplexität im Glas. In der Nase Marzipan und Vanille, am Gaumen viel Sherry-Einfluss, etwas Feige und Pflaume vom Port. Schokolade im Abgang. Toll!

The Dalmore 2016 Distillery Exclusive (Bourbon-Cask Only)

Jedes Jahr legt The Dalmore ein „Distillery Exclusive“ auf, dass es in kleiner Zahl nur vor Ort zu kaufen gibt. 2017 waren dies z.B. 270 Flaschen eines Whiskys, der ein fünfjähriges Merlot-Finish erhielt. 2016 kam es zu einem besonderen Release. Erstmals wurde ein The Dalmore veröffentlicht, der nur in Ex-Bourbonfässern (Second Fill) lagerte. Der 19 Jahre alte Whisky wurde in Fassstärke mit 54,8% in 450 Flaschen abgefüllt. Es wurde eine Lektion in Sachen Lagerung: Der Whisky stimmte im Aromenprofil überraschend deutlich mit dem New Make überein. Nur eine starke Honig-Vanille-Note gesellte sich hinzu. Auch diese Flaschen sind leider bereits abverkauft. Es bleibt zu hoffen, dass The Dalmore den Mut, ohne Sherry-Einfluss abzufüllen, wiederholt.

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de war Gast bei The Dalmore. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

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