Kentucky 2017: Bourbon-Boom. Bourbon Shortage. Bourbon Bubble?

Willkommen im Jahre 2017 in Kentucky. Bourbon County. Land der unbegrenzten Absatzmöglichkeiten: 2016 erhöhten sich die Erlöse für den Verkauf von US Whiskey um 8% bei einem Anstieg des verkauften Volumens von 7%. Seit 2010 erhöhte sich der Absatz alleine bei Bourbon um 22%. Und wo Nachfrage ist, da wächst auch das Angebot. Wäre da nicht ein Problem: Nämlich dass Bourbon einige Jahre reifen muss. Nach dem Gesetz zwar nur zwei Jahre. Für Standardqualitäten dürfen es jedoch gerne mehr sein, wie bei Makers Mark etwa 5-6 Jahre oder bei Elijah Craig (bisher) 12 Jahre. Ein klassisches Beispiel ist dies für einen Schweinezyklus, bei dem das Angebot zeitlich immer etwas hinter der Nachfrage hinterherhinkt. Und was machen die Hersteller in der Zwischenzeit? Sie erhöhen die Preise.  Oder sie versuchen wie Makers Mark, den Alkoholgehalt zu reduzieren, was der Kunde nicht goutiert. Oder sie folgen dem schottischen Vorbild und verzichten auf Altersangaben. Neuestes Beispiel ist der in der Barszene wohlgeschätzte Elijah Craig 12, der in Zukunft wohl ein Elijah Craig 8+X werden wird. Buffalo Trace versuchte sich gar in Sozialismus und vermeldete mögliche Lieferengpässe.

Der Wahnsinn hat jedoch Tradition. 2014 erreichten die Verkaufszahlen erstmals wieder die derjenigen von 1970. Die ganze Geschichte des Whiskeys sei eine einzige Achterbahnfahrt von Angebot und Nachfrage, schreibt der Esquirer. In den 80ern und 90ern habe man 11jährigen Bourbon in Standardware wie „Rebell Yell“ verklappt, weil niemand mehr Bourbon und alle Vodka trinken wollten.

Zu viele Menschen wollen guten Bourbon oder Rye trinken.

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Zu viele Menschen wollen heute guten Bourbon trinken. Oder Rye. Das Alter sinkt, die Preise steigen. Was können Sie tun? Wenn Sie Barbesitzer sind, nicht viel: Solange Manhattans und Old Fashioneds gefragt sind, hilft nur ein guter Deal mit einem Händler ihres Vertrauens. Oder probieren Sie Canadian Whisky im Manhattan. Sie

Ansonsten gilt: Finger weg! Legen Sie sich heute keine American Whiskey Sammlung zu. Keine neuen No Age Statement Produkte kaufen. Solche Produkte dienen dazu, die Kernmarken attraktiv zu halten. Doch ein Ende jedenfalls der akuten Knappheit ist in Sicht. Nach der Kentucky Distillers Association wurden 2014 1,2 Millionen Fässer befüllt. 2015 waren es 1,86 Millionen Fässer. Darin sind noch nicht die Vielzahl kleiner Destillerien außerhalb Kentuckys eingerechnet, die erst vor kurzem den Markt betraten und deren Produkte langsam ihr volles Potential erreichen. Oder Unternehmen wie Michter’s, die gerade erst ihre eigene Destille eröffnet haben.

Es gibt keine „Bourbon Bubble“!

Das Angebot steigt also. Und die Nachfrage? Viel ist die Rede von der „Bourbon Bubble“. Etwa hier oder hier oder hier. Seit 2014 wird vermutet, dass sie bald platzen würde, die Preise fallen und die kleinen Hersteller aus dem Markt verschwinden. Bislang haben sich solche Szenarien als falsch herausgestellt. Noch immer ist die Nachfrage höher als das Angebot. Und im Gegensatz zum Destillensterben in den 1970ern ist der Markt internationaler geworden (China, Afrika). Bourbon bleibt als Spirituosengattung gefragt und erfährt ein ähnliches Schicksal wie Single Malt Scotch.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Egly-Ouriet 2002

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