Krug 2004

Krug 2004 und 2002 – ungleiche Brüder

Dass im Maison Krug vieles in Bewegung ist, zeichnet sich schon seit einiger Zeit ab. Maggie Henriquez gab uns letztes Jahr einen Einblick in die angestoßenen Veränderungen. Kürzlich ergab sich im Rahmen einer Jahrgangspräsentation die Möglichkeit, zu erfahren, wo das Haus aktuell steht.

Transparenz, was sich eigentlich in der Flasche befindet, ist ein zentrales Ziel gewesen, dem man mit der Krug ID begegnet ist. Zusammenstellung der Cuvée, Quartal des Degorgements, weitere Informationen – schnell zugänglich.
Was von Maggie Henriquez darüber hinaus immer wieder betont wird, ist die Umsetzung des Leitsatzes des Gründers Joseph Krug. Er war davon überzeugt, dass ein gutes Champagnerhaus nur zwei Cuvées braucht, die beide dem gleichen Qualitätsanspruch unterliegen. Der erste Champagner zeigt den Stil, die Identität des Hauses. Der zweite Champagner ist die „Cuvée of circumstances“, wie Maggie sie nennt. Er repräsentiert die Umstände eines einzelnen Jahres.
Dies ist nicht neu und wird bei Krug schon lange so gemacht, aber mittlerweile lösen sich die Jahrgänge nicht mehr Wein für Wein auf dem Markt ab. Denn wenn ein Millésime seinen individuellen Jahresverlauf repräsentiert, können problemlos mehrere parallel verfügbar sein – und sie kommen dann auf den Markt, wenn der Chef des Caves, Eric Lebel, sie für reif befindet. So war 2003 weit vor 2002 verfügbar. Dies passt zum Qualitätsbestreben des Hauses. Maggie Henriquez umreißt es folgendermaßen (aus dem Englischen sinngemäß übersetzt):

„Jeder Champagner von Krug ist gleich gut. Preisdifferenzen sind einzig eine Frage der Verfügbarkeit. Man muss sich nur aussuchen, welcher Wein einem persönlich am besten schmeckt.“

Um diesem Grundsatz zu folgen, muss man eine gewisse Zahlungskraft mitbringen, variieren die Preise doch von 150 bis 2000 € zwischen Grande Cuvée und Clos d’Ambonnay. Dennoch gefällt mir die Herangehensweise.

Ganz konsequent wurde bei der Jahrgangspräsentation des neuen 2004ers neben der Grande Cuvée mit selbem Basisjahr (160ème Edition) darum auch der 2002er serviert, mit dem wir uns vor einiger Zeit beschäftigt haben. Aber dazu später mehr – erstmal:

Krug 2004

Krug 2004

Krug 2004
37 % Pinot Noir, 39 % Chardonnay, 24 % Pinot Meunier, deg. im ersten Quartal 2016
Nase:

Tiefe, fruchtige Fülle mit viel Substanz. Im Moment stark von der Fruchtaromatik und der Frische getrieben, dazu eine solide Portion Vanille, die grundiert. Blütenaromatik, die an Champagner mit noch höherem Chardonnay-Anteil erinnert. Insgesamt sehr elegant, aber durchaus noch ein wenig schüchtern.
Gaumen:
Zuerst überraschend: Fast zurückhaltend wirkt dieser junge Wein, nachdem er frisch eingeschenkt wurde.
Relativ schlank, viel Zitrus. Die floralen Aromen sind wieder da, Jasmin und Lindenblüte. Ein Champagner mit großer Trinkfreude, kombiniert mit einer ziemlichen Stringenz. Aktuell eher auf der schlanken Seite, die Zitrusaromen werden nicht eingehegt, sondern eher präsentiert, sie sind das Herzstück dieses Weins. Daher ist er auch massiv auf der frisch-säuerlichen Seite – und aktuell definitiv noch ziemlich kompakt und in der Knospe.

Eismeerforelle

Eismeerforelle, Ingwer, Apfel, Staudensellerie, Rettich

Wer Krug immer nur mit Mandel-, Nuss- und Röstaromatik verbindet, wird hier eines Besseren belehrt. Der Gedanke, dass der Millésime immer sein Jahr präsentiert, ist konsequent umgesetzt worden. Dazu passt auch das Foodpairing. Die Eismeerforelle mit Ingwer, Apfel, Staudensellerie und Rettich aus dem Jacobs Restaurant ist kühl, ein wenig distanziert und elegant – genau wie sein flüssiges Gegenüber.

Lieber 2002 oder 2004?

Lieber 2002 oder 2004?

Wie frappierend die Unterschiede zwischen den Jahrgängen sind, wird deutlich, als der 2002er zum nächsten Gang (Kabeljau Grenobler Art mit Beurre Blanc, Blattspinat und Zitronenkartoffelstampf) serviert wird. War vor gut einem Jahr schon viel Potenzial da, bestätigt sich dieser Eindruck nun voll und ganz. Krug 2002 (aktuelle Verkostungsnotizen sind im verlinkten Artikel ergänzt) ist auf einem völlig anderen Kurs unterwegs, viel kraftvoller und präsenter, weniger auf der eleganten Seite – weswegen er die Kapern und den Schnittlauch im Hauptgang problemlos stemmen kann, womit der 2004er seine Probleme gehabt hätte.

Zwei sehr unterschiedliche Brüder sind diese beiden Jahrgangsweine also – man muss sich nur auswählen, was man lieber mag!

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de war Gast bei einer Veranstaltung des Hauses Krug. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und der Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

Egly-Ouriet 2002
Amuse Bouche und Weinkarte

Einen Kommentar schreiben