Bakerman is baking Beer – Der Tipsy Baker in Hamburg

Eine Bar steht und fällt mit dem Barkonzept. Darauf kann man – mehr oder weniger erfolgreich – viel Energie verwenden. Manchmal fällt einem die Inspiration aber auch geradezu in den Schoß. Eine Kunst ist es, dies zu erkennen.

Historische Franzbrötchen & denkmalgeschützte Inspirationen

„Das mussten wir unbedingt mit einbinden“ erzählt Geschäftsleiter Karim und zeigt nach oben auf eine Wandmalerei, die in fast schon sakraler Weise den gesamten oberen Raumteil einnimmt. Das Abgebildete ist hingegen eher bodenständig. In etwa zwei Metern Höhe kann man Bauern bei der Getreideernte zusehen. „Denkmalgeschützt, genauso wie die Säule hier mitten im Raum“. Das überdimensionale Bildnis der Feldarbeit kommt nicht von ungefähr. Im Jahr 1900 wurde hier, in der Esplanade 29, die Traditionsbäckerei Oertel gegründet. Nach deren Insolvenz im Jahr 2000 übernahm der Großbäcker Kamps den Verkaufsraum. Ein Ort, der für den Hamburger von hoher historischer Bedeutung ist. Denn angeblich wurde von der Bäckerei Oertel das einzig wahre kulinarische Wahrzeichen Hamburgs – das Franzbrötchen – erfunden.

Während wir dies nicht aufklären können, ist jedoch recht sicher, dass an Ort und Stelle Bier gebraut wurde. Bäcker hatten den Ruf, besonders gutes Bier zu brauen. Denn schließlich besaßen sie alle dafür notwendigen Zutaten: Einen steten Nachschub an hochwertigem Getreide und eine hohe Konzentration von Hefen in der Luft, die für die Spontangärung sorgten. Selbst für die Außenwerbung war gesorgt. Lag ein Heuballen im Fenster gab es Bier zu kaufen – wenn nicht hieß es: später wiederkommen. Außerdem galt Hamburg mit seinen vielen Brauereien lange Zeit als „Brauhaus der Hanse“.

Ein Langer & ein Kurzer

Bier und Getreide und Brot – der Tipsy Baker war geboren. Und mit ihm sein Signature Serve: Das Herrengedeck. Ein Bier und ein Schnaps. Der Lange und der Kurze. Der „Inbegriff einer metaphysischen Harmonie, die nicht mehr unterscheidet zwischen dem einen und dem anderen.“  Dennoch zwei Komponenten. Die sich variieren lassen. Und genau so holen Barchef Lars und Karim das Herrengedeck ins Jahr 2018: als Idee, die keine Grenzen kennt: Ratsherrn Rotbier und Bazic Wodka aus dem Barrique? Selbsterklärend! La Chouffe Belgian Strong Ale und Hanseatisches Korn Nork? Why not? Ugly Duck Miami Vice Pale Ale und Blutorangengeist? Zur Hölle, ja! Dazu frisches Brot, gute Butter und Essiggurken. Kann Barfood überhaupt ehrlicher und wohltuender sein?

Wenn Gin zu sehr in ist: Aquavit.

Die Highballisierung des Cocktails macht auch vor dem Tipsy Baker nicht halt. Doch neben den Klassikern und den Instant Classics wie dem Gin Basil Highball liegt das Augenmerk auf einer Spirituose, die in Deutschland kaum zum Mixen verwendet wird:  Dem Aquavit. Der sei derzeit bei den Barleuten in New York ziemlich angesagt, erzählt Karim. Und die zusätzlichen Noten insbesondere von Kümmel passen auch gut zum Handwerk eines Bäckers. Zu speziell? Nein. Die Gäste sind erstaunlich offen für Aquavit. Die meistverkauften Drinks kombinieren Aquavit mit Minze und Chartreuse („Nordic Mojito“) oder mit Rote Beete („Beetroot Smash“). Aber auch als Beertail mit naturtrübem Ratsherrn Zwickel in Kombination mit Kirschlikör funktioniert Aquavit.

Der Tipsy Baker ist eine Bar, die Hamburg gefehlt hat. Ehrlich und bodenständig. Wie das Herrengedeck. Oder Brot und Butter. Keine Rotationsverdampfer oder Sous-Vide-Experimente. Die mit Korn und Bier auch irgendwie sehr hanseatisch ist. Gleichzeitig lebt der Tipsy Baker mit Aquavit und der regionalen Trendspirituose schlechthin – dem Korn – nah am Puls der Zeit. Und führt an der Esplanade im Herzen Hamburgs unterschiedlichste Gäste zusammen. Und jetzt alle: Bakerman – is baking beer. Take it easy!

Es gilt unser Disclaimer: Wir schreiben nur über das, was wir mögen! Trinklaune.de war zu Gast im Tipsy Baker. Bilder wurden zur Verfügung gestellt. Daran geknüpft war weder die Verpflichtung zur Berichterstattung noch eine Einflussnahme auf den Inhalt des Artikels.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Dosnon Cuvée Ephémeère

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