New Grove – Le Voyageur

Wie bereits hier im Blog beschrieben bin ich ein Freund des New Grove Rums von Mauritius. Er bringt eine enorme Fruchtigkeit mit, die seinesgleich sucht. Daher hatte ich mir fest vorgenommen, diese mit einem ganz gezielt darauf zugeschnittenen Drink zur Geltung zu bringen. Mein erster Gedanke war sofort, mit einem fruchtigen Weißwein zu arbeiten – dies stellte sich allerdings als schwieriger ehraus, als ich ursprünglich annahm. Trotzdem ist eine meines Erachtens gängige Mischung herausgekommen – los geht’s:

Le Voyageur
5 cl New Grove
4,5 cl Sauvignon Blanc
1 cl Agavensirup
1 cl Limette
0,5 cl Apricot Brandy

Auf Eis schütteln, in eine Cocktailschale abseihen.

Ich muss sagen, ich bin ein Fan von Drinks mit Wein. Sie ermöglichen eine neue Dimension in Cocktails, die man zwar leicht mit anderen Zutaten erschlagen kann, doch mit etwas längerem Ausprobieren gewöhnt man sich flink an die filigrane Zutat und schon kann man ihre Vielseitigkeit nutzen. Le Voyageur ist ein fruchtiger Drink, dem es trotzdem nicht an Konzentration mangelt. Die herrliche Sauvignon-Frucht wird vom New Grove perfekt unterstützt.

Sehr zum Wohle!

Escorial Grün vs Chartreuse Verte oder Der andere Klosterlikör

Was macht man, wenn sich ein Produkt schlecht verkauft? – Man produziert ein zweites.
Nach dem Krieg liefen die Geschäfte mit dem damals noch 43 %igen, gelben Escorial naturgemäß schlecht.
Also ergänzte Riemerschmied das Portfolio und kreierte Escorial Grün: eine grünfarbene Kräuterspirituose mit satten 56% Alkohol, die nach einer Klosteranlage benannt war.
Dem Kenner der Szene fällt sofort auf: Solch eine Sprituose gibt es doch schon:
Sie kommt aus Frankreich und heißt Chartreuse.

Chartreuse Grün 55% - Escorial Grün 56% - 100% in der Sonne

Und in der Tat: beide habe eine ähnliche Färbung, beide sind für einen Likör außergewöhnlich hochprozentig, beide tragen den Namen einer Mönchsabtei und beide haben ein kräuteriges bitter-süßes Geschmacksprofil.

Nachdem die Riemerschmieds in den 20er Jahren versuchte, den gelben Ur-Escorial als legalen Absinthersatz zu vermarkten, setzten sie nun alles daran, das Erfolgsmodell von Chartreuse Verte nachzuahmen und Escorial Grün zumindest auf dem deutschen Markt zu etablieren.
Der Erfolg war mäßig. Fand und findet Chartreuse im Bereich der Bar sein grösstes Interesse, fristete Escorial dort eher ein Schattendasein – Bis heute.
Beim Stöbern in älteren Cocktailbüchern fand ich so gut wie keine Mischungen, in denen Escorial Platz fand.
Die wenigen Rezepte, die es gibt, sind entweder gewöhnungsbedürftig (es sei denn man steht auf Eier- oder Bananenlikör) oder einfallslos.

Ein Schlüssel für die angemesse Verwendung von Escorial grün ist seine angestrebte Nähe zu Chartreuse verte. Escorial liefert bei vielen klassischen und neo-klassischen Rezepten, die nach Chartreuse verlangen – Bijou, Last Word usw. – einen frischen, neuartigen Twist.

Wenn ich für meine Gäste Drinks mit grünem Chartreuse bereite, mache ich inzwischen immer eine zweite Variante mit Escorial und lasse beide parallel verkosten.

Escorial Sour - Chartreuse Sour - ohne Eiweiß

Bei einer größeren Runde, die Chartreuse Sour und Escorial Sour probierte, fiel eine Abstimmung über den interessanteren Drink pari aus.

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Escorial Sour / Chartreuse Sour

5cl Escorial grün oder Chartreuse verte
3cl Limettensaft
2cl Zuckersirup
optional 1 Spritzer Orangensaft
1 Eiweiß

Dry Shake, danach auf Eis schütteln und in eine Cocktailschale abseihen.

Auf die Zugabe von Orangensaft kann ich persönlich gut verzichten,
Eiweiß dagegen liftet den Drink in andere Sphären.

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Bei alle dem schmecken Chartreuse und Escorial keineswegs gleich, sondern maximal ähnlich. – Escorial Grün ist kein „deutscher Chartreuse“.
Beides sind ähnlich gestrickte Kräuterliköre, aber mit klar erkennbaren Unterschieden:
Chartreuse ist ein französischer Edelmann. Sehr fein, sehr ausgeglichen, ausbalanciert und geschliffen. Ein feines Likörkunstwerk. “Die grüne Eminenz unter den Likören” sagt Gabanyi.
Escorial wirkt dagegen wie ein deutscher kraftstrotzender Bursche vom Lande. Er ist kantiger, ruppiger, mit einem deutlichem Anis- , Fenchel-, Süßwurzelakzent und einer Waldmeisternote. Durch diesen Eigencharakter gibt er einem bekannten Chartreuse verte Drink einen neuen überraschenden Kick.

Wenn man sich zwischen den beiden Kräuterspirituosen nicht entscheiden kann, bleibt ja noch die Möglichkeit beide Destillate nebeneinander zu gesellen, wie bei folgendem 60er Jahre Cocktail…

Ein ungewöhnliches Rezept

Deoch an Doruis: Glenrothes

Die Glenrothes Destillerie wurde von dem uns bereits bekannten James Stuart gegründet. Der umtriebige Pächter der Macallan Destillerie entschied in den Siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, da die Geschäfte bei Macallan so gut liefen, gemeinsam mit seinen Partnern Robert Dick, William Grant und John Cruikshank im Örtchen Rothes gleich zwei neue Brennerein zu bauen. Zum einen Glen Spey und zum anderen Glenrothes. Letztlich stellte sich aber heraus, dass der Zeitpunkt für diese Neugründungen nicht der geeignetste war: Großbritanien wurde im Sommer 1878 von einer schweren Finanzkrise getroffen, in deren Zuge im Dezember 1878 die Caledonian Bank, die in der Finanzierung von Glenrothes involviert war, schliessen musste. Dies hatte schwerwiegende Folgen für die Firma James Stuart & Partners: Stuart selbst konzentrierte er sich auf Macallan, Glen Spey wurde an W.&A. Gilbey verkauft und die erst halb fertiggestellte Glenrothes Destillerie übernahmen die verbliebenen Partner Dick und Grant unter dem Namen William Grant & Co.

Am 28. Dezember 1879, dem Tag des Unglücks auf der Firth-of-Tay-Brücke nahm Glenrothes den Betrieb auf. 1887 wurde durch Fusion von Glenrothes und Bunnahabhain die Highland Distillers Co. Ltd. gegründet. Fortan war die Geschichte der Brennerei verhältnismäßig ereignislos – abgesehen von der Zwangsschliessung 1917 bis 1918 aufgrund es ersten weltkrieges und der Schliessung 1933 aufgrund der durch die Prohibition gesunkenen Nachfrage – wäre da nicht der Brand von 1922. Damals geriet Warehouse in Brand und 200.000 Gallonen Whisky (etwa 908.000 Liter) wurden vernichtet. Brennender Whisky soll sich in den örtlichen Bach ergossen haben.

Der Whisky der Glenrothes-Brennerei hat einen großen Anteil an den Blends Famous Grouse und Cutty Sark und in geringerer Menge noch an einigen anderen. Der Erfolg dieser Blends machte eine stetige Erweiterung der Produktionskapazitäten bei Glenrothes notwendig. 1963 wurde die Zahl der Brennblasen von vier auf sechs, 1979 auf acht und 1989 letztendlich auf zehn Stills erhöht, die nun die beeindruckende Menge von viereinhalb Millionen LPA (‘litres of pure alcohol’) produzieren können. So war erstmals 1987 genug Whisky vorhanden um nicht nur dem Bedarf für die Blends zu decken, sondern dazu einen zwölf Jahre alten Single Malt abzufüllen. Seit 1994 wurden zudem noch eine Vielzahl von Vintages auf den Markt gebracht.  Im gleichen Jahr führte man auch die unverwechselbare Flaschenform ein, die passender Weise ‘La Bomba’ getauft wurde. In 2005 kam dann die 10cl-Miniflasche in der gleichen Form dazu, der man den Spitznamen ‘La Bombette’ verpasste.

Nun zum Glenrothes Select Reserve: Ein Whisky ohne Alterangabe, doch Gerüchte behaupten, er sei acht Jahre alt:

Glenrothes Select Reserve, 43% vol.
Farbe Goldgelb
Nase Ahornsirup, Vanille, etwas holzig, ein klein wenig fruchtig
Gaumen milde Schärfe, etwas Gewürze, etwas Frucht
Abgang etwas wärmend, anfangs ein wenig bitter, dann aber süsser werdend. Getreide, Gewürze, aber insgesamt keine Aromenbombe

Mir persönlich ist der Glenrothes zu wenig aromatisch, zu glatt, zu mainstream. Und dafür ist er dann zu teuer.

Esco… Esco… Escorial oder Die andere Fee

Denkt man an die Herkunft großer Liköre dieser Welt, fallen mir vor allem zwei Länder ein. Zum einen Frankreich mit seinem wunderbaren Benediktinen, dem Klosterlikör Chartreuse, dem duftigen Cointreau oder dem edlen Grand Manier. Das andere Land ist natürlich Italien. Ich nenne nur den Maraschino Likör oder die von mir sehr geschätzte Safran Spirituose Strega. – Gemeinsam haben beide Nationen eine große Vermouth Tradition.

Anfang des letzten Jahrhunderts nun packte die Münchener Fabrikantenfamilie Riemerschmied der Ehrgeiz, ebenfalls solch ein süsses Kleinod für den deutschsprachigen, aber auch für den internationalen Markt zu kreieren und heraus kam eine Spirituose, die mittlerweile, 100 Jahre nach ihrer Geburt, fast vergessen scheint:
Escorial – eine echte GSA Spirituose.

Es war die Zeit der frühen bunten Liköre. Zu jener Zeit führte die gute Bar roten, grünen und gelben Grand Manier, Curaçao rot, grün und weiss, rote und weisse Crème de Vanille, Chartreuse grün und gelb und grünen und weissen Absinthe.

Mit dem Absinth war das so eine Sache.
Die halbe alte Welt war verrückt nach Absinth. Aber die andere Hälfte war damit beschäftigt gegen die Wermutspirituose zu kämpfen. Und so trat im Geburtsjahr von Escorial das eidgenössische Absinth-Verbot in Kraft. Die USA folgte 1912, Frankreich zwei Jahre später.

Dies war das Umfeld für Escorial:
Eine Barwelt mit allerlei farbigen Likören und ein sinkender Stern des Absinths.
Riemerschmied kreierte nun eine Spirituose mit deutlicher Anis Note und machte damit Anleihen beim Absinth – auch durch die hellgrünlich-gelbliche Färbung.

Escorial war sowohl beim Geschmack wie bei der Färbung das Ergebnis eines wohlbedachten Produktdesigns.
Was noch fehlte war ein wohlklingender, griffiger Markenname:
Ein Name, der Großes und Edles verheißt.
Ein Name, der auch international Strahlkraft hat.

Zur damaligen Zeit regierte der französische Koch Auguste Escoffier die kulinarische Welt. Er war der erste echte Starkoch. Wilhelm II. soll ihn „Kaiser der Köche“ genannt haben. Escoffier ist der Erfinder der modernen Küchenorganisation, der Begründer der französischen Dominanz in der Hochküche und einer der Schöpfer der Grand Cuisine.
Seine Hauptwirkungsstätten waren das Londoner Savoy Hotel sowie das Pariser Ritz. Beides Hotels, die auch eine große Bartradition aufweisen können.
Escoffiers Werk „Guide Culinaire“ gilt bis in die heutige Zeit als Grundlage der Kochkunst und wird auch noch heute zu Rate gezogen.
Escoffier – eine Name der Hochgenuß versprach.

Riemerschmied wählte als Namen Escorial.
Das klang nach Ferne, nach spanischen Granden, nach königlichem Genuss unter iberischer Sonne. Ein Name, den jeder schon einmal gehört hatten, ohne dass man ihn einzuordnen wusste. Escorial, das klang international. Nur nach einem klang Escorial nicht: es klang nicht deutsch.

Olaf Gulbransson

Nachdem die deutsche Spirituose 1910 auf den Markt kam, wurde der Name im Jahre 1914 national geschützt und in den Zwanzigern auch international. Es dauerte gut 10 Jahre bis der kriegsgeschüttelte, deutschsprachige Markt durchdrungen wurde. Zeitgleich mit dem Niedergang des Absinth, dessen Herstellung, Lagerung und Verkauf in Deutschland 1923 per Gesetz verboten wurde, erlebte Escorial einen ersten Boom.
Die goldenen 20er Jahre – auch für Escorial.

Anton Riemerschmied setzte noch einen drauf und drehte nach dem Absinthverbot an der Werbeschraube: Der damals bekannte Maler, Buchillustrator und Karikaturist (vor allem für den berühmten Simplissimus) Olaf Gulbransson wurde engagiert und kreierte verschiedene Werbegraphiken, die noch heute durch ihre Ästhetik beeindrucken, wie man weiter oben sehen kann.
Besonders eine Zeichnung ist bekannt geworden und ziert seither das Flaschenetikett. Der damals eher hellgelbliche Escorial zeigt deutlich seine angestrebte Nähe zum Absinth und präsentiert sich als …. die andere Fee.

Die andere Fee

Diese “vergessene” GSA Spirituose ist hochgradig interessant, in geschmacklicher Hinsicht, wie auch in historischer Perspektive, weshalb wir mir ihr durch das vergangene Jahrhundert gehen wollen, um dann aber auch die heutige Anwendung zu beleuchten. – Ein deutscher Likör im Wandel der Zeiten.

So werden wir demnächst in Teil 2 fragen, wieso die andere Fee grün wurde:
Escorial Grün – Der andere “Klosterlikör.”

Deoch an Doruis: Glenlossie

Die Glenlossie Destillerie wurde 1876 von John Duff, der seine Kenntnisse zuvor als Manager der Glendronach Brennerei erwarb, und zwei weiteren Mitbegründern erbaut. Als 1896 einer der beiden Mitbesitzer, Alexander Grigor Allan, starb übergab er die Destillerie ganz an den verbleibenden Henry MacKay, um sich auf die zwei Jahre zuvor gegründete Longmorn Brennerei zu konzentrieren. MacKay nannte die Brennerei in Glenlossie-Glenlivet um.

Nach dem Beschluss der britischen Regierung 1917 aufgrund von Versorgungsengpässen während des ersten Weltkrieges, Gerste nur noch ausschliesslich zur Produktion von Nahrungsmitteln zu verwenden, musste auch Glenlossie-Glenlivet die Produktion einstellen. Viele Brennereien hatten es nach dem Krieg ziemlich schwer, wieder auf die Beine zu kommen und so wurde die Brennerei wie einige andere auch 1919 durch die Scottish Malt Distillers Ltd. (SMD) übernommen. Somit steht die Brennerei heute im Besitz von Diageo.

1962 wurde die Anzahl der Brennblasen von vier auf sechs erhöht und 1971 sogar noch eine zweite Brennerei neben Glenlossie auf dem selben Gelände gebaut: Mannochmore. Die beiden Brennereien werden abwechselnd betrieben, im Sommer Mannochmore und im Winter Glenlossie. Die Lagerhäuser werden von beiden gemeinsam genutzt

Zwischen 1968 und 1971 wurde auf dem Gelände eine rieseige Anlage zur Verarbeitung der bei der Whisky-Produktion anfallenden Abfälle zu Viehfutter erbaut. Diese Anlage kann 2600 Tonnen Trester und bis zu acht Millionen Liter Pot Ale, der Flüssigkeit, die nach der ersten Destillation in den Brennblasen zurückbleibt, verarbeiten – pro Woche ! Um diese Mengen zusammenzubringen, bedarf es schon nahezu alle Diageo-Brennereien. Der Lohn sind bis zu 1000 Tonnen Rinderfutter.

Diageo hat den Glenlossie in die Managers Choice – Serie aufgenommen, dich zum Glück gibt es auch einen Glenlossie aus der Flora & Faune-Serie, denn sonst gäbe es keine bezahlbare Originalabfüllung dieser Destillerie.

Glenlossie Single Malt Whisky 10yo, 43% vol.
Farbe goldgelb
Nase Orangenschalen, helles Holz
Gaumen sanfte Schärfe, fruchtig, Getreide, Honig und etwas Vanille
Abgang Vanille, Malz und Honig, ein wenig Torf, aber leider etwas zu kurz.

Der Glenlossie ist ein leckerer Whisky, aber nicht jeder wird dafür knapp 50,00 Euro investieren wollen.

Perfect Lady Cocktail

White Lady und Pink Lady, bekannte Drinks, die jedoch noch eine Schwester haben, über deren Rezept ich erst kürzlich stolperte: Die Perfect Lady. Ein Drink mit einem ähnlichen Konzept, Gin, Zitrone und Eiweiß werden mit einem Likör austariert, geschüttelt und straight up serviert. In diesem Fall handelt es sich um den wunderbaren Weinbergpfirsichlikör von Gabriel Boudier, Pêche de Vignes aus Dijon. Jeder andere feine und balancierte Pfirsichlikör leistet sicher eine vergleichbar gute Arbeit! Zum Rezept also:

Perfect Lady Cocktail

5 cl Gin
2,25 cl Pfirsichlikör
(dash Zucker)
2,5 cl Zitrone
1 Eiweiß

dry shake – shake – Cocktailschale

Wer mag gleicht den nicht allzuhohen Zuckergehalt im Likör noch mit einem dash Zuckersirup als runderen Gegenpart zur Zitrone ab (ich tat dieses), dann darf kräftig geschüttelt werden.

Resultat ist ein ganz wunderbarer, feinfruchtiger Cocktail, bei dem der Gin (Sipsmith eignet sich hervorragned, aber auch mit Beefeater 47 fährt man sicher sehr gut) die erste Geige spielt, jedoch untermalt von einer herrlich natürlichen Pfirsichfrucht, transportiert durch den feinen Schaum entfaltet sich der Drink. Meine Empfehlung für den Sommer – macht richtig Spaß!

Deoch an Doruis: The Glenlivet

Es ist verbrieft, dass der Gründer der Glenlivet Destillerie, George Smith, schon bereits weit vor der ‘offiziellen’ Gründung der Brennerei illegal Whisky destillierte. So ist der Nachwelt überliefert, dass er ‘about a hogshead a week in the year following Waterloo’ produzierte, also einen Hogshead, ein altes Flüssigkeitsmaß, dass ca. 245 Litern entspricht, die Woche im Jahr nach Waterloo, 1815.

Als nun aber mit dem Act of Excise von 1823 die illegale Whiskyherstellung nicht mehr lohnenswert erschien, bewarb sich Smith 1824 als erster in seiner Umgebung um eine Lizenz und gründete noch im gleichen Jahr seinen Brennerei. Doch nicht alle Whiskybrenner in der Gegend waren so schnell von der Lizenzierung und damit Legalisierung ihrer Brennstätten überzeugt wie Smith. Viele sahen in ihm einen Verräter. Und so kam es, dass er noch einige Jahre mit stets  geladenen Schusswaffen umherlief, da seine ehemaligen Kollegen ihn bedrohten und er um sein  Leben fürchten musste. Diese Waffen sind heute im Besucherzentrum von Glenlivet zu sehen.

Die heutige Destillerie stammt in ihren Urfesten aus dem Jahr 1858. George Smith pachtete ein neues Grundstück und erbaute hier eine neue Brennerei. 1871 verstarb George Smith und sein Sohn John Gordon, übernahm die Nachfolge. Das Unternehmen trug nun den Namen George & J.G. Smith.

Die Qualität des Glenlivet-Whiskys erwarb der Brennerei einen solchen Ruf, dass andere Brennereien davon profitieren wollten. Entweder schrieben die gleich ‘Glenlivet’ auf ihre Fässer oder sie hingen den Namen als Suffix an den ihren. Die  Brennereien, die dies taten, waren so zahlreich, einige mehr als 20 Meilen vom ‘Original’ entfernt, dass man schon spöttisch von ‘Glenlivet, dem längsten Tal Schottlands’ sprach. John Gordon Smith musste schliesslich handeln und zog zur Wahrung seiner Namensrechte vor Gericht. Der Prozess dauerte mehrere Jahre an und endete mit einem aus der heutigen Sicht eher befremdlichen Urteil: Die anderen Destillerien durften weiterhin den Namen Glenlivet als Suffix führen, doch nur Glenlivet durfte sich fortan The Glenlivet nennen. Immerhin machten von der Möglichkeit, den Namen Glenlivet an den eigenen anzuhängen, im Jahr 1950 noch 27 Brennerein Gebrauch.

The Glenlivet war der erste Single Malt Whisky, der in den USA vertrieben wurde und ist bis heute der meistverkaufte Single Malt in Nordamerika. 1953 fusionierte man mit J.&J. Grant Ltd. zur Glen Livet & Glen Grant Distilleries Ltd. 1970 kam das Blendinghouse Hill, Thompson & Company und die Brennerei Longmorn-Glenlivet noch zum Firmenkonsortium hinzu. 1978 wurde die Firmengruppe an Seagram verkauft. 2001 kaufte Pernod Ricard die Whisky-Sparte von Seagram. Vor zweieinhalb Wochen, am 4. Juni 2010 weihte der britische Kronprinz Charles Mountbatten-Windsor, Prince of Wales, die Erweiterung der knapp neun Kilometer südlich von Ballindalloch gelegenen Glenlivet-Destillerie ein. Pernod-Ricard hat für etwa zehn Millionen Pfund die Produktionskapazität um nicht weniger als 75% gesteigert. Damit ist das klare Ziel verbunden, sich in Zukunft nicht mehr mit dem zweiten Platz in der Welt abzugeben – eine klare Kampfansage an Glenfiddich.

Glenlivet Single Malt Whisky 12yo, 40% vol.
Farbe blass goldfarben
Nase frisch und trocken, Honig, etwas Orangennoten
Gaumen mild, malzig, Karamell und etwas Vanille
Abgang knapp mittellang und ausdruckslos

So, dass war sie also nun, die Standardabfüllung des zweit-erfolgreichsten Whiskys der Welt.
Und mein Eindruck, den ich bereits in früheren Begegnungen gewonnen hatte, hat sich erneut bestätigt: Ein ordentliches Produkt, ganz sicher, aber eigentlich ziemlich nichtssagend, fast schon langweilig. Sorry, Glenlivet, aber wenn es nach mir geht, wird der Ausbau der der Produktionskapazität allein nicht reichen, um Glenfiddich vom Thron zu stossen.

Trinklaune im Gummibärchen Land oder von Red Bull, Currywürsten und Hausmannskost

Als Reaktion auf „Trinklaune im Gummibären-Land“ Teil 1 und Teil 2 wurde mir unterstellt, dass ich wohl so etwas wie Red Bull grundsätzlich ablehnen würde.
Das ist nicht richtig.
Ich mag die schlanke Form der Dose und den silbrig glänzenden Space-Auftritt.

Auch bin ich schon seit meiner Kindergartenzeit ein großer Fan der Gummibärchen gewesen. Die Vermutung, dass ich es war, der sämtliche blauen Gummibären vernichtet haben soll, ist allerdings falsch. Das rätselhafte Verschwinden des blauen Stammes von Ursus Elasticus ist auch mir schleierhaft und bleibt mysteriös. – Sachdienliche Hinweise zum Verbleib der blauen Gattung nehme ich aber gerne entgegen.

Ich mag also Gummibärchen und muss sogar gestehen, dass ich in meinem Berufsleben, diese niedlichen, putzigen, kleinen Gesellen tütenweise verkaufe und bei meiner jungen Kundschaft, durchaus Anklang damit finde.

Wer nun also als Barkeeper mit Gummibärendrinks seinen Unterhalt verdienen will oder muss, mag das tun. – Das Leben ist hart genug.

Wer Gefallen daran findet, Red Bull (Mixe) oder andere flüssige Gummibärzubereitungen zu trinken, mag das tun. – Das Leben ist sauer genug.

Ein Gummibärchen mit Krawatte bleibt ein Gummibärchen....

Wer allerdings meint, Gummibären-Mixe in den Rang von Geniesserdrinks liften zu können, wer sich in der verbalen Schönfärberei rot-brauner Gummibären-Brause übt, erntet hier Widerspruch. – Das Leben ist bereits verwirrend genug.

Das haben die Gummibären nicht verdient. Sie wollen nicht gross gemacht, nicht aufgeplustert, nicht aufgeblasen, nicht schön geredet werden. – Sich etwas schöntrinken geschieht meist nur fahrlässig, aber das Schönreden ist Vorsatz.
Unsere possierlichen Freunde wollen nichts weiter sein, als kleine, bunte, elastische Bärchen, die in Tüten oder Dosen eine Bleibe gefunden haben, um große Freude auf jedem Spielplatz oder jedem Techno-Dancefloor zu verursachen. – Mehr nicht.

Der Versuch “Energydrinks” nachträglich in den Adelsstand zu heben oder sie in einen Zaubertrank zu verwandeln, erinnert mich an die Imbissbude, die mit einer 5 Sterne Currywurst warb. Die Currywurst war tatsächlich gut, aber eine Currywurst bleibt eine Currywurst.

Ähnlich argumentiert auch, der von mir sehr geschätzte, Wolfram Siebeck, der sich im Feinschmecker Magazin zu den Irrungen und Wirrungen beim Gebrauch des Wortes „Hausmannskost“ so äußerte:

„Ein primitives und mangelhaftes Essen… Dafür hatten sie den Begriff Hausmannskost.
Ihn gab es aber schon früher, als alle Welt selber kochte, auch wenn keine Kiwis und keine Morcheln aufzutreiben waren. Damals bedeutete das Wort Hausmannskost eine Ernährungsweise ohne jegliche Verfeinerung und war nicht geeignet, Genussfreude auszulösen. Sie basiert auf den allernötigsten Kenntnissen, mit denen die allereinfachsten Produkte zubereitet werden. Es war die Arme-Leute-Küche, die vor Urzeiten die erste Begegnung des Menschen mit seiner Nahrung war.
Soziale Aufsteiger und Angehörige des Adels kannten Alternativen; doch wer auf dem Lande lebte – und das war der überwiegende Teil der Bevölkerung – aß schlecht bis sehr schlecht. Eben Hausmannskost.

Wenn heute in Berlin Cafés eröffnet werden, welche mit „original Hausmannskost“ werben, dann ist das wohl ein Denkfehler der Betreiber, die eine einfache bürgerliche Küche meinen. Die ist zwar auch nie anspruchsvoll, kann aber gut oder schlecht sein. Hausmannskost hingegen lässt sich weder kulinarisch noch ästhetisch bewerten. Sie ist immer primitiv. Wer bewusst damit wirbt, spekuliert entweder mit dem Masochismus der Gesellschaft oder mit ihrer Dekadenz.

Doch bewusstes Essen lebt von der Differenz, von der individuellen Scheidekunst. Essen ist immer eine Grenzsituation, in der wir uns für das entscheiden müssen, was wir uns einverleiben. Dabei ist der Kontext wichtig, das Wissen von den Lebensmitteln, von der rechten Art ihrer Verzehrs. Claussen schreibt zurecht, wir „bestehen auf gutem Essen und Trinken nicht nur, weil es dem Gaumen guttut, sondern weil es zivilisiert.“ “

„Schlecht kochen kann jeder, aber nur die deutsche Hausfrau schafft es, darauf noch stolz zu sein.”

Ich meine: Persil bleibt Persil, Hausmannskost bleibt Hausmannskost, eine Currywurst bleibt eine Currywurst und ein Energydrink wird nicht zum Zaubertrank, sondern bleibt eine geschmacklich dominante Gummibärchen-Limonade. –

Soweit beenden wir fürs erste unsere drei Abstecher ins Gummibärenland.
Doch wir kehren zurück und werden die Frage klären, warum die Mischung einer weißen Spirituose mit einem Softdrink so unterschiedlich bewertet wird und was das mit Barkultur zu tun hat: Gin Tonic vs. Wodka Bull – Der Mehrwert des Mischens Teil 4
- Brumm


Deoch an Doruis: Glenglassaugh

Glenglassaugh wurde 1874 an der Küste der Speyside westlich von Banff von James Moir,  seinen Neffen Alexander und William Morrison und dem Kupferschmied Thomas Wilson gegründet. 

Nachdem Thomas Wilson 1883 und James Moir 1887 und 1892 auch William Morrison verstarben, verkaufte der letzte verbliebende Miteigentümer Alexander Morrison die Brennerei an Robertson & Baxtor, wie es heisst um die Erbschaftssteuer zahlen zu können. Robertson & Baxtor verkauften die Destillerie noch im selben Jahr an Highland Distilleries, die heute zur Edrington Group gehören. 

Quelle: www.whiskybase.com

Quelle: www.whiskybase.com

 

Nicht zuletzt durch den Pattinson Crash Ende des 19. Jahrhunderts ging die Nachfrage nach dem Whisky aus der Glenglassaugh Brennerei zurück und so wurde sie 1907 ertmals geschlossen. Zwischen 1931 und 1936 wurde die Brennerei noch einmal kurzfristig reaktiviert um dann erneut für vierundzwanzig Jahre bis 1960 geschlossen zu werden. Von 1960 bis 1986 wurde erneut die Produktion angefahren. Unter der Ägide der Edrington Group wurde nur für wenige Monate in 1998 noch einmal bei Glenglassaugh produziert und dann war wieder für knapp zehn Jahre Schluss. 

Im Februar 2008 gab die Edrington Group bekannt, dass man Glenglassaugh für fünf Millionen Pfund an die Scaent Group, einem holländischen Konsortium, deren Kern-geschäft in der Energiewirtschaft liegt,  verkauft hat. Im Dezember 2008 wurde die Produktion bei Glenglassaugh wieder aufgenommen. 

Seither steckt Glenglassaugh in der für jede neugegründete oder wiedereröffnete Destillerie schwierigen Phase zwischen Produktionsbeginn und der ersten Abfüllung, zwischen Investition, laufenden Kosten und den ersten Einnahmen. Damit das Produkt als schottischer Whisky verkauft werden darf, muss es mindestens drei Jahre gelagert sein. Demzufolge dürfen wir also frühestens ab Dezember 2011 einen neuen  Glenglassaugh-Whisky erwarten. Um aber diese -besonders für die Investoren- Durststrecke zu überbrücken, hat man bei Glenglassaugh zwei sogenannten ‘Spirit-Drink’ herausgebracht. 

Ausnahmsweise die Rückseite einer Flasche - man beachte die 'Nicht-Nennung' der Destillerie

 

Diese dürfen aufgrund schottischer Gesetze nicht den Namen der Destillerie führen. Daher wird der eine unter dem Namen ‘The Spirit Drink that dare not speak its name’ verkauft. Ein Schelm, der dabei an Lord Voldemort denkt. Dieser Spirit Drink ist ungereift, somit naturgemäß farblos und wird auf dem Gelände der Destillerie in 500ml-Flaschen abgefüllt. Die Anzahl der Flaschen ist auf 8160 limitiert, jede Flasche ist nummeriert. 

Das zweite Produkt ist der ‘Spirit Drink that blushes to speak its name’, der also errötet, wenn er seinen Namen sagt. Dieser Spirit Drink durfte im Gegensatz zum ersten für sechs Monate in amerikanischen Eichenfässern, die zuvor californischen Rotwein enthielten, reifen. So ergibt sich eine rötliche Färbung. Auch dieser Spirit Drink wird auf dem Gelände der Destillerie abgefüllt un die Anzahl der Flaschen ist auf 8160 limitiert.

The Spirit Drink that blushes to speak its name, 50% vol.
Farbe Rosefarben
Nase Malzig, Kirsch-Bananensaft
Gaumen Scharf, etwas Apfel- und Birnennoten
Abgang Lang mit etwas Frucht

Ein interessante Idee, frische oder kaum gelagerte Whiskys – äh, sorry, Spirit Drinks – abzufüllen. Doch wenigstens beim gelagerten Glenglassaugh – Spirit Drink funktioniert das Experiment in meinen Augen nicht. Das Destillat entwickelt keinen eigenen Charakter, in der Nase erinnerte es mich an Cachaca und im Geschmack ähnelte es einem Grappa. Die Zeit der Reife im Fass ist dafür wohl einfach zu kurz. Ich sollte irgendwann einmal den ungelagerten Spirit-Drink probieren, der anderenorts hoch gelobt wurde..


Trinklaune im Gummibärchen Land oder Trinklaune vs. Red Bull

Nachdem wir im ersten Teil von Trinklaune im Gummibärenland mehr den Li-La-Laune Bär rausgelassen haben und eher elastisch mit dem Tatsachen umgegangen sind, wollen wir uns nun den Fakten zuwenden
und den Stier bei den Hörnern packen.
Trinklaune vs. Red Bull.
Mal schaun, was in ihm steckt….

Ursus elasticus vulgaris

“Energydrinks” sind ein gutes Geschäft. Für jeden, der an ihrem Vertriebsweg beteiligt ist.
In der Gastronomie ist Red Bull mit ca. 90% Marktanteil der Spitzenreiter und auch an Kiosken und Tankstellen, liegt der Dosendrink weit vorne.
Red Bull verkauft an die 4 Milliarden Dosen pro Jahr, der jährliche Umsatz liegt bei über 3 Milliarden Euro.
Zwar macht der Anteil von ” Energy-Drinks ” am Gesamtmarkt der alkoholfreien Getränke nur 2 % aus, aber die Margen sind hoch. Der Hersteller produziert den süßen Inhalt für Cent-Beträge, sodass man davon ausgehen kann, dass die Produktionskosten der Dose höher sind als die des Brausewassers.

Nichts wirkt umsatzfördernder als die Verbote für Red Bull, die es noch in wenigen Ländern gibt, oder die Warnhinweise, die immer wieder mal in die Presse lanciert werden oder auch die diversen Legenden, die sich um den Marktführer ranken:

Einer der Zusatzstoffe des Designerdrinks ist das Taurin.
Taurin ist nichts anderes als ein Aminosäure-Abbauprodukt namens 2-Aminoethansulfonsäure. Den Namen Taurin bekam die Verbindung, da sie zum ersten Mal aus Ochsengalle (Bos Tauri, Taurus=Stier) isoliert wurde.
Da passt es allerdings besser, das Gerücht zu streuen, das Taurin stamme aus Stierhoden. – Alles Fake.
Das Taurin in Red Bull ist zudem synthetisch und stammt aus dem Labor.

In einer Studie von Michael Bretz (Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie, Bayerische Julius–Maximilians–Universität Würzburg ) kann man lesen:

„Schenkt man dem Volksmund Glauben, so handelt es sich bei Taurin um „Stierhodenextrakt“, „Bullenurin“ oder „Hodenflüssigkeit von Bullen“. Die davon ausgehenden Assoziationen „Kraft“, „Energie“, „Ausdauer“ und „Männlichkeit“ auf ein Produkt zu übertragen, dürfte ein nicht unmaßgeblicher Grund für die Supplementierung … sein.
Die Hersteller von „Energy“-Produkten fördern diesen sowohl image- als auch verkaufsfördernden Taurinmythos als kostenlose Werbemassnahme. Dazu gehören z. B. Name und Verpackungsdesign des marktbeherrschenden “Energy Drinks”, auf der zwei kraftstrotzende Stiere aufeinander zurasen. Die Ehrlichkeit, die der Abfüller des Getränkes „Sitting Bull“ der Lidl-Stiftung mit seiner Beurteilung von Taurin an den Tag legt, wäre auch von anderen
Lebensmittelproduzenten wünschenswert: „Taurin hat weniger eine physiologische Wirkung, sondern ist mehr assoziativ zu sehen“. Die Diskrepanz zwischen Werbeversprechungen und wissenschaftlichen Tatsachen bezüglich Herkunft und Wirkung von Taurin scheinen viele Verbraucher bis heute jedoch kaum zu kennen…“

Die Aufnahme von Taurin, das im Körper einige Funktionen erfüllt, in Lebensmitteln ist witzlos. Taurin kommt überall in der belebten Natur vor und wird auch im menschlichen Körper in ausreichender Menge produziert.

Red Bull ist zuckrig süß, ergänzt durch Citrus-Säure, sodass man erst ein mal durchaus von einer normalen Limonade sprechen kann. Neben dem Zusatz von Farbstoff, Aromen und überflüssigen wasserlöslichen Vitaminen wurden werbewirksam aktivierende Substanzen wie Glucoronolacton und Inosit beigefügt, doch die orale Aufnahme dieser für einen ” Energy-Drink ” eher abenteuerlich wirkenden Zusatzstoffe ist hier vorteilslos..

Was übrig bleibt ist das Coffein, das mit 80mg pro Dose in etwa dem einer Tasse Kaffee entspricht. – Noch einmal Michael Bretz:

„Fazit: die Wirkung von „Energy Drinks“ hat nichts mit Taurin zu tun, sondern lässt sich auf ihren hohen Gehalt an Coffein zurück führen. Damit der Verbraucher deren hohen Preis … akzeptiert, ist eine gewisse „wissenschaftliche“ Rechtfertigung notwendig, die den Mythos Taurin aufrecht hält. DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) und BgVV (Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin) weisen darauf hin, dass diese Produkte nichts anderes als ungerechtfertigt teurer und übersüsster „kalter Kaffee“ sind.“

Hmm. Immerhin – Das Coffein wirkt! Aber nicht lange. Die Süßung mit Traubenzucker, der in den meisten dieser Dosendrinks enthalten ist, bewirkt wiederum, dass die putschende Wirkung des Coffeins zum Teil wieder aufgehoben wird und längerfristig ins Gegenteil umschlägt. Das besagt eine Untersuchung von Eva Schnabel (ebenfalls Universität Würzburg).
Traubenzucker wirke nur als Energieblitz, sein anschliessender Abbau im Körper wiederum mache… müde.
Haushaltszucker, wie im süssen Kaffee, neutralisiert die belebende Wirkung von Kaffee dagegen nicht.

Ein Fazit: Red Bull hat gute Arbeit geleistet. Der Drink verkauft sich prächtig.
Wenn wir das Wort “Energy-Drink” in Gänsefüßchen schreiben, dann deshalb, weil vor allem die hohe Energie bemerkenswert ist, die in den Image-Aufbau und die Vermarktung der Limonade gesteckt wird.
Ein Blick auf die Fakten aber entzaubert dieses koffeinhaltige Erfrischungsgetränk.
Die Rezepturen dieser Getränke halten nicht, was sie versprechen, Red Bull ist weitgehend “entmannt”, der Bulle in Wirklichkeit ein Ochse und als “Energy-Drink” ein zwar aufgepeppter, aber doch eher flügellahmer, überteuerter Soft-Drink.
Genau das Richtige also für unsere soften, bunten, elastischen Gesellen aus dem Gummibärchenland.
Dazu demnächst mehr unter dem Titel “Trinklaune im Gummibärchen Land oder von Gummibären, Red Bull, Currywürsten und Hausmannskost” – ……… Brumm