von Gastblogger
Wenn eine Stadt als das Barmekka schlechthin gilt, dann ist das wohl New York. Kaum ein Ort ist so verbunden mit der Geschichte des kultivierten Mischgetränks wie der Big Apple. Der Manhattan, der Bronx Cocktail, das Old Waldorf Astoria Bar Book und vieles, vieles mehr. So wundert es auch nicht, dass viele der modernen Bartrends aus der Stadt, die niemals schläft, kommen. Viele behaupten, New York habe die beste Barszene der Welt. Das wollte ich gerne bestätigt haben.
Zunächst aber lauter Enttäuschungen. Das Milk & Honey, berühmt-berüchtigtes Speakeasy der Stadt schied als Members-Club als Oase der Barkunst aus. Nächste Enttäuschung: PDT. Eine Reservierung war nicht möglich, 45 Minuten Besetztzeichen und ein erfolgreicher Anruf später: Tische können erst ab 2 Uhr morgens wieder reserviert werden. Schade, sehr schade. Habt ihr euch schon einmal geärgert, dass die klassische Bar eine Renaissance erlebt? Ich an diesem Tag schon.
Jedoch mangelt es in New York nicht an Alternativen. Little Branch, Apotheke Bar, Clover Club und Pegu Club, um nur einige zu nennen. Die Bar aber, über die ich erzählen möchte, ist das Death & Co im East Village.
Während sich viele Bars auf klassische oder moderne Drinks konzentrieren, vereint das Death & Co beides. Klassische Zutaten wie Gin, Rye, Vermouth und Bitters werden mit neuen Zutaten und Infusions, hausgemachten Sirups und Fruchtsäften kombiniert. Ein Beispiel für den Stil, der sich durch das komplette Barmenu zieht, ist der Latin Quarter. Diese Sazerac-Variante mit Ron Zacapa 23 und Angostura, Peychauds und Xocolatl Mole Bitters von Joaquín Simó zeigt die Klasse der Bar. Ein altes Rezept, mit neuen Zutaten modifiziert und auf eine ganz neue Art interpretiert, ohne den Charakter des Drinks aufzugeben. Oder auch der Pete’s Word, eine Variation über einen Last Word, mit Single Malt Scotch statt Gin.

Nach so vielen salbungsvollen Worten über die Cocktails soll aber auch etwas zu der Bar gesagt werden. Ja, es ist eine Speakeasy-Bar mit verbarrikadierten Fenstern und schwachem Licht. Aber nein, es wird kein Hype um Reservierungen, Minimalverzehr oder Dresscode gemacht; im teuren und hippen New York eine sehr angenehme Sache. So wundert es nicht, dass die Bar auch ein wenig „Neighborhood“-Hangout geworden ist und man auch Menschen trifft, die mit einem guten Buch und einem guten Mischgetränk an der Bar sitzen. Stilsicher setzt sich das Death & Co aus einer großen, den Raum dominierenden schwarzen, klassischen Bar und naturhölzernen Panelen an der gegenüberliegenden Wand zusammen. Ein absoluter Stilbruch, ein Gegensatz, aber auch hier wieder gezielt eingesetzt.

Auf der Suche nach dem perfekten Drink machte man auch nicht vor den Zutaten halt. Das wird dadurch deutlich, dass die Bar ihren eigenen Rum besitzt, den „Scarlet Ibis Rum“ aus Trinidad & Tobago mit beachtlichen 49% Volumenalkohol. Durch die Zusammenarbeit mir der Trinidad Destillers Ltd., die auch den in Deutschland zu erhältlichen VAT 19 Rum destilliert, entstand der Rum. Pur ist der aus drei bis fünf Jahren Rum produzierten Scarlet Ibis (zu Deutsch: Scharlachroter Ibis) noch sehr forsch, allerdings mit einem für das Alter deutlich längeren Abgang. Mittlerweile bereichert auch ein Single Malt Scotch das Sortiment.
In Erinnerung bleiben nebem dem hervorragenden Service an der Bar das enzyklopädische Wissen der Barkeeper über Cocktails, die gerne auch nach Beratung serviert werden. So wurde mir aus dem Armgelenk der Deep Sea Cocktail „geschüttelt“. Rühren Sie 4,5 cl Old Tom Gin, 3 cl Dry Vermouth, 0,75 cl Absinthe und 1 dash Orange Bitter und stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer kleinen Oase inmitten der quirligsten Metropole der Welt, lauschen entspanntem Jazz und blättern mit glänzenden Augen durch ein Barmenu, in dem sie aber auch absolut jeden Cocktail bestellen wollen. Welcome in Death & Co!
Death & Company
433 E 6th St
New York, NY 10009, USA
(212) 388-0882
www.deathandcompany.com

von Robin Stein

Marco Larsen, 25 Jahre jung, ist Sommelier aus Dänemark. Mit seinen jungen Jahren kann er schon einen beachtlichen Lebenslauf vorweisen. Nach seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann, in zwei der besten Restaurants Dänemarks, dem Malling Kro sowie dem Prinz Ferdinand Aarhus, machte Marco eine ausgiebige Weinreise durch Deutschland und Frankreich. Nach der Reise arbeitete er von September 2006 bis Januar 2008, erst als Weinkellner und später als Head Sommelier, im dänischen Relais & Chateaux Hotel Falsled Kro. Daraufhin war er als 1. Sommelier im legendären 3-Sterne Restaurant „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn tätig. Nach einer weiteren Weinreise durch Frankreich arbeitete Marco als Sommelier du Salle im „Picasso Room By Marco Pierre White“ in London und als Restaurant Manager des Restaurant Bind in Dänemark. Seit Dezember 2009 ist Marco als Development Manager des dänischen Weinhandels www.Atomwine.dk tätig. Als Development Manager kümmert Marco sich darum den Kontakt in die Top-Gastronomie zu pflegen, neue Weingüter zu entdecken und neue Geschäftsideen zu entwickeln. In einer Weinprüfung für junge Talente sicherte er sich den 1. Preis für europäische Weinkenntnisse und den 1. Preis für Übersee Weinkenntnisse. Marco war bereits zweimal als bester Sommelier Dänemarks nominiert.
Trinklaune.de sprach mit Marco über das Trinkverhalten verschiedener Länder, Alkoholsteuer, Smørrebrød und selbstverständlich über Cocktails und Spirituosen.
Dänemark gilt nicht gerade als Land des Weins. Warum hast du dich trotzdem entschieden Sommelier zu werden?
Mit nur 17 Jahren habe ich meinen ersten großen Wein getrunken, das war ein Mouton-Rothschild 1964 und diese 20 Minuten waren einfach magisch! Nicht, dass es der größte Wein der Welt war, aber er war meine ganz persönliche Einführung in das Thema Wein.
Das war ein Gefühl, wie das erste mal verliebt zu sein…
Welchen Weg zum Ziel würdest du jungen Leuten, die Sommelier werden möchten, empfehlen?
Alles geben! Vollgas Jungs und Mädels!!!! Wichtig ist es auch einmal in einem 3 Sterne Restaurant zu arbeiten, denn dort wird man vom Jungen zum Mann…. Großen Respekt möchte ich hier Herr Gass und Herr Fischer zollen, die machen dies seit vielen Jahren jeden Tag. Außerdem würde ich euch empfehlen im Ausland zu arbeiten, da es von großen Vorteil ist, wenn man mehrere Sprachen beherrscht. Wichtig ist auch den Beruf 24 Std. an 7 Tagen der Woche zu leben und immer an sich selber zu glauben, egal was andere über dich denken.
Du hast schon in Dänemark, Deutschland und Großbritannien gearbeitet. Gibt es Unterschiede im Trinkverhalten der drei Länder im Bezug auf Wein?
Sogar sehr große Unterschiede!
In Dänemark
In Dänemark, gab es eine Weinrevolution gerade zu meiner Zeit auf Falsled kro. Dort habe ich Winzer wie Henri Jayer, Domaine Leroy, Domaine d’Auvernay (Leroy) und viel Krug empfohlen. Mittlerweile haben wir auch im Norden gelernt deutschen Riesling zu trinken, obwohl dies vor 10 Jahren noch undenkbar war. In der Top-Gastronomie geht viel Burgunder, Champagner und Weine aus dem Piemont . Deutsche Top-Winzer wie Keller, Battenfeld-Spanier, Müller-Cartoir und Egon Müller werden ebenfalls getrunken.
In Deutschland
Mein Aufenthalt in Süddeutschland hat mir die Augen für die junge Generation von Winzern wie Matthias Meierer und Florian Seehofer geöffnet. Diese verfolgen ihren ganz eigenen Stil, was ich sehr cool finde.
Auch das die Deutschen ein bisschen zurückhaltender sind (was kann denn so ein junger Mann und dann auch noch dänischer Sommelier uns über Wein lehren?). Aber nachher kommt die Freude, denn es ist schön zu spüren wenn sie merken das man passioniert ist und man alles geben möchte um den Gästen einen perfekten Abend zu bereiten.
In London
Sind die Leute sehr offen für alles, da es eine Weltmetropole ist. Dort wurde alles von Australian Verdelho bis zu Domaine de la Romanée-Conti Richebourg 1978 getrunken. London ist einfach ein Traum, wenn die Welt in Ordnung ist, aber leider arbeitete ich dort während der Zeit der Finanzkrise (Bloody Hell), aber ich durfte dennoch fantastische Weine und Menschen kennen lernen.
Alkohol wird in Dänemark sehr hoch besteuert. Stehst du dieser Maßnahme der Regierung eher positiv oder negativ gegenüber?
Mein Traum wäre es, dass die Steuern die gleichen wären wie im restlichen Europa.
Die bekannteste dänische Spezialität im kulinarischen Bereich ist wahrscheinlich das Smørrebrød. Könntest du hierzu eine Weinempfehlung geben?
Da passt Bier und Schnaps.
Aber die dänische Gastronomie biete viel mehr als Noma (steht für nordisches Essen).
Im Kopenhagen gibt es zur Zeit ein Restaurant mit zwei Michelin-Sternen und neun mit jeweils einem Stern bzw. die als Hoffnungsträger für einen zusätzlichen Stern im Guide Michelin gelistet sind. Daran sieht man, dass die doch noch etwas mehr können!
Auf deinen Weinreisen bist du viel unterwegs. Was war auf den Reisen dein bisher spannendstes Erlebnis?
Das ist immer schwierig.
Ich hatte drei sehr gute Reisen:
1. Bei Klaus-Peter Keller in Flörsheim und dem Weingut Diel auf Burg Layen.
Wir besichtigten sämtliche Einzellagen und haben richtig das Terroir gespürt, dazu durften wir dann viele verschiedende Jahrgänge probieren. Später am Abend hatten wir ein Tasting in Armin Diels Schatzkammer mit Montrachet 2002 von Pieur und Le Pin 1998. Wir haben uns dabei so sehr auf die Weine fokussiert, dass es sehr spät wurde und wir am nächsten Morgen unseren Flieger verpasst haben. BAD LUCK
2. Als Special Guest eingeladen bei Krug und Veuve Cliquot
Da braucht man denke ich nicht viel zu erzählen…
3. Dies war im Duoro Tal in Portugal wo wir Cristiano van Zeller, Dirk van der Niepoort, Quinta do Vallado und Wine & Soul besucht habe.
Das sind innovative Leute im Duoro-Tal!! Die haben ein Image von Old School bis zur Spitzenklasse geschafft.
Leute geht da im September hin und helft bei der Ernte! Hier lernt man echt viel über das Terroir.
Warum ist der Job bei Atomwine.dk dein Traumberuf?
Ich kann kreativ sein, bin viel in den Weinbergen unterwegs, ich habe Kontakt mit meinen Freunden aus der dänischen Gastronomie, und mein Boss ist ein guter Freund von mir. Außerdem kann ich die neuen Stars der Weinszene entdecken.
Was macht für dich einen großen Wein aus?
Eleganz, Struktur und das man ihn genießt wenn er auf dem Höhepunkt seiner Reife ist.
Gutes Beispiel: Clos de Tart 1978 im Februar 2008 was für ein Wein…..
Was hältst du davon, dass Wein (z.B. Champagner, Sherry, Port) aber auch ganz “normaler” Wein vermischt wird?
Das mache ich nicht, vielleicht bin ich in der Hinsicht zu old fashioned?!
Eignen sich Cocktails als Begleiter zum Essen?
Aber natürlich, wenn man es so beherrscht wie die Jungs im Le Lion.
Dein bisher kuriosestes Weinerlebnis mit einem Gast?
Das war nicht ich, sondern eine Kollegin von mir, die ein Glas Wasser zu schnell ins Glas des Gastes eingeschenkt hat. Danach hat der Gast ein Brief an den Hoteldirektor geschickt, dass es ihn so sehr gestresst hätte, dass sein Erlebnis im Restaurant zerstört war. FREAK!!!
Deine Lieblingsspirituose?
Simple: Hendrick’s Gin
Exklusiv: Rochelt Marille
Dein Lieblingscocktail? Warum gerade dieser?
Manchmal muss das Leben unkompliziert sein: Hendrick‘s Gin mit Gurke einem Hauch Pfeffer und Fentimans Tonic.
Was trinkst du nach Feierabend?
2007er Weissburgunder vom Weingut Battenfeld-Spanier aus Hohensülzen oder 2007er Vallado Tinto.
Vielen Dank für deine Zeit!
von Oliver Steffens
Balvenie ist eine der Destillerien, die in der Whisky-Hauptstadt der Speyside Dufftown beheimatet sind. Gegründet wurde sie 1892 durch William J. Grant, der bereits 1886 in direkter Nachbarschaft auch die Glenfiddich-Destillerie erbaute. Diese Nachbarschaft der beiden Grant-Destillerien sorgte für einige Synergieeffekte. Die Brennereien teilen sich nicht nur die Quelle für die Entnahme des für die Produktion notwendigen Wassers sondern auch den Kesselschmied, den Küfer und sogar den Brennmeister.
Die Grants waren offenbar ganz besonders qualitätsbewusst, bauten sie doch eigene Gerste an und betrieben eine eigene Mälzerei. Heute sollen nur noch ein Bruchteil der Gerste selbst angebaut und etwa 10%-15% des verwendeten Malzes aus der eigenen Mälzerei stammen. Doch vielleicht war es dieses Qualitätsverständnis, dass die Brennerei und die Familie Grant vergleichsweise ungeschoren durch die schwierigen Zeiten der Whiskyindustrie, wie die Kriegszeiten, zu denen die Destillerien kein Rohmaterial für die Produktion erhielten oder die Zeit der Prohibition in den USA, brachte. Und es ist auch bemerkenswert, dass Balvenie noch heute im Familienbesitz ist – ein Umstand der nicht gerade selbstverständlich ist.
Balvenie war eine der ersten Brennereien die den Whisky in unterschiedlichen Fässern reifen liess. So reift der Doublewood für die meiste Zeit in den typischen Bourbon-Eichenfässern -unbestätigt heisst es etwa 10 Jahre- um dann in Olorosso-Sherry-Fässern nachzureifen.
| Balvenie ‘Double Wood’ Single Malt Whisky 12yo, 40% vol. |
| Farbe |
intensiv bernsteinfarben (mit Zuckerkulör gefärbt) |
| Nase |
Deutliche Sherryaromen, fruchtige Noten von Orangen und Aprikosen, Honognoten |
| Gaumen |
Cremige Textur, feine honigartige Süße, ein klein wenig nussig, Sherrytöne und Orangen. Später ein zarter, zimtartiger Gewürzton. |
| Abgang |
wärmend, ein wenig prickelnd, kräftige Orange, könnte aber länger sein… |
Am Füllstand meiner Flasche ist deutlich zu erkennen, dass der Balvenie nicht erst gestern den Weg in meinen Barschrank gefunden hat. Es ist halt schwer, diesen cremigen, honigbetonten, fruchtigen Whisky nicht zu mögen. Aufgrund der deutlichen Orangennoten und den Gewürzaromen heisst es hier und da auch, der Balvenie Doublewood wäre ein Weihnachtswhisky. Meines Erachtens ist es aber ganz und gar nicht notwendig bis zur Weihnachtszeit zu warten…
von Torben Bornhöft
Es geht weiter mit einem der Winzerstars der Champagne. Egly-Ouriet gehört für mich zu den besten Champagnererzeugern, gerade im Winter sind die körperreichen und fülligen Champagner großartig. Das Portfolio erstreckt sich vom immer schon eindrucksvollen Basis-Brut über eine lange auf der Hefe gelagerte, gering dosierte Cuvée (V.P.), einen Blanc de Meuniers, einen Rosé, die Jahrgangsweine und den Blanc de Noirs von alten Reben. Um letztgenannten soll es gehen, Francis Egly gibt auf jeder seiner Flaschen detaillierte Informationen wie das Datum des Dégorgements und die Reifezeit auf der Hefe – großartig!
Der Blanc de Noirs aus der Lage “Les Crayères” in der Grand Cru-Gemeinde Ambonnay, die für ihre Pinot Noirs berühmt ist (hier liegt auch Krugs Clos d’Ambonnay, dessen Weine für sportliche 2500,00 – 3000,00 € pro Flasche verkauft werden…) lag 49 Monate auf der Hefe und wurde im August 2006 dégorgiert, hatte also gute drei Jahre Zeit, in der Flasche weiter zu reifen.
Los geht’s, die Flasche wurde aufgerissen, eingeschenkt und eine ins Orangene gehende Farbe zeigte sich!
Nase:
Extrem füllig, intensiv, voll und fruchtig, eine abgefahrenen, dezente Meerrettich-Note tut sich auf, verfliegt aber nach 5 Minuten.
Gaumen:
Fett, voll, Frucht, Apfel, pflaumig-dunkel-traubig, kräftig-frisch schäumend, jedoch nicht überbordend. Sehr intensiv und voll, extrem vielschichtig. Ein Monster!
Abgang:
Immer noch reichhaltig und voll.
Ein großer Wein – so etwas gibt es selten! Das Pinot-Monster von Egly ist ein absolutes Champager-Erlebnis, das jeder Fan des moussierenden Getränkes erlebt haben sollte. Bleiben andere reine Pinot Noirs auf der fruchtigen Ebene hängen legt dieses Ausnahmeexemplar die Messlatte ganz ganz weit nach oben. Kaufen, Leute, kaufen! Zu bekommen übrigens für sehr faire 75,00 € beim Winzerchampagnerspezialisten Wein nach Maß.

von Torben Bornhöft
Wie schon vor einiger Zeit war wieder eine Flasche Grand Siècle von Laurent Perrier fällig – diesmal jedoch eine der wenigen Flasche mit Jahrgang, die also mit der Cuvée aus drei Jahrgängen brechen und das beste aus einem einzelnen Spitzenjahr herauszuholen versuchen. Meines Wissens wurden nur drei Jahrgänge aufgelegt, 1985, 1988 und 1990.
Wir machten uns also an eine Flasche aus dem herrlichen Jahr 1988 (48 % Pinot Noir, 52 % Chardonnay), säurereich und in der Regel sehr langlebig. Dies ist jedoch nicht immer der Fall, die im Rahmen der selben Verkostung geöffnete Flasche Perrier-Jouet Belle Epoque 1988 hatte ihren Zenit schon lange überschritten und war nur noch im grauen, zu lang gereiften Mittelmaß einzuordnen.
Doch unsere Grand Siècle-Hoffnung wurde nicht enttäuscht, der Wein war noch herrlich lebendig und darum hier die Notizen:
Nase:
Ein wenig streng zu Beginn, doch nach ca. 5-10 Minuten wich die Strenge einer bezaubernd-klaren, toastig-hefigen Nase.
Gaumen:
Ein Wahnsinnsmousse, das über die Zunge gleitet, so fein und weich, phänomenal!
Der Körper des Champagners ist eher schlank, jedoch im positiven Sinne. “Schlank” als Verkostungsnotiz ist für mich immer ziemlich nah an “dünn und fad”, nicht aber in diesem Fall. Ein extrem eleganter, feiner Champagner, raffinierte, aber keineswegs aufdringliche Aromenvielfalt. Sehr viel Finesse, die mit etwas Luft noch zunimmt.
Abgang:
Elegant und nachhaltig.
Mich hat dieser Wein begeistert! Wunderschön elegant und fein, jedoch nichts für Freunde von Brachialchampagner. Und kaum ein Champagner moussiert so herrlich. Wirklich gelungen – kaufen, wenn man einen sieht….

von Oliver Steffens
Heute steht eine Destillerie aus der Speyside im Fokus, deren verhältnismäßig unbewegte Geschichte in wenigen Worten erzählt ist: Aultmore.

Gegründet wurde sie vor nunmehr 115 Jahren im Januar 1895. Der Gründer, Alexander Edward, besaß zu dieser Zeit bereits die Benrinnes-Destillerie, die er von seinem Vater geerbt hatte. Nachdem er 1898 auch die Oban-Destillerie erwarb, legte er diese und Aultmore in Oban & Aultmore-Glenlivet Distilleries Ltd. zusammen. Auch Alexander Edward erlag also dem Reiz, den Ruhm, den Glenlivet zu jener Zeit hatte, im Namen seiner Speyside-Destillerie Aultmore einzufügen. 1923 wurden alle drei Destillerien aus dem Besitz Alexander Edwards an John Dewars verkauft. Nach der Übernahme John Dewars durch die Distillers Company Ltd (DCL) und einer Episode der Scottish Malt Distillers Ltd. (SMD) gehörte Aultmore bis 1998 zu den United Distillers & Vinters (UDV). Nun wurde John Dewars und damit auch Aultmore an Bacardi verkauft.
Ursprünglich hatte man wohl nicht vor, eine Originalabfüllung auf den Markt zu bringen, sondern den Aultmore in erster Linie für den Dewars-Blend zu verwenden. Doch 1991 brachte UDV im Rahmen seiner Flora & Fauna-Serie erstmals einen 12-jährigen Aultmore und seit 2004 füllt nun auch Bacardi wieder eine “echte” Originalabfüllung ab – und diese hatte ich im Glas:
| Aultmore Single Malt Whisky 12yo, 40% vol. |
| Farbe |
Strohgelb |
| Nase |
frisch, Honignoten, malzig |
| Gaumen |
Anfangs etwas Süße, schöne Fruchtigkeit -Äpfel und Birnen- wird dann trockener |
| Abgang |
trocken und fruchtig. Sehr angenehm, könnte aber länger sein. |
Durch die schöne Fruchtigkeit ist dieser Single Malt durchaus als gelungen zu bezeichnen, doch es ist auch kein Tropfen, der Begeisterungsstürme in mir hervorruft.
von Torben Bornhöft
Nach einer längeren Pause gibt es wieder Champagner auf Trinklaune.de. Wir starten heute mit Jacquarts Brut de Nominée, einer Cuvée mit Basis 1996 und Reserveweinen. 50 % Chardonnay, 50 % Pinot Noir und ein Haus, dessen Standard-Brut man in der Metro auch für unter 20,00 € finden kann. Der Brut de Nominée liegt deutlich darüber bei ca. 70,00 € – Prüfen wir, ob er halten kann, was der Preis zu versprechen versucht!
Nase:
Frucht, blanciert, Hefe, Toast
Gaumen:
Von Anfang an sehr fruchtig und zugänglich, unkompliziert, eine gewisse Süße steht der Säure gegenüber. Stimmig und zum Ende hin rosinig, keine Ecke, keine Kante.
Abgang:
Auf der trocken-herben Seite
Ja…. Ganz sicher lecker, ein unkomplizierter Champagner, der Trinkfreude macht. Für mich bleibt er jedoch etwas profillos. Schmackhaft, zweifelsohne – aber das gewisse Etwas fehlt.
Würde ich nachkaufen, wenn es ihn günstig gäbe..

von Oliver Steffens
Die nächste Speyside-Destillerie in alphabetischer Reihenfolge ist heute Auchroisk, das etwa “Othroysk” ausgesprochen wird. Wer sich nicht sicher ist, wie man den Namen der einen oder anderen schottischen Whiskybrennerei ausspricht, dem empfehle ich einen Blick auf diese hervorragende Audiothek.
Über Auchroisk selbst ist nicht allzu viel zu sagen, da sie erst 1972 auf der grünen Wiese gegründet und 1974 in Betrieb genommen wurde. Die große Blending-Company Justerini & Brooks brauchte eine weitere Produktionsstätte für ihren Blend J&B Rare. Justerini & Brooks gehörten schon seit 1962 zu den Independent Destillers and Vintners (IDV), die noch während Auchroisk in Bau war, vom Brauereikonzern Watney Mann gekauft wurden. Diese wurden von Grand Metropolitan geschluckt, die mit Guiness zu den United Destillers and Vintners (UDV) fusionierten. Hieraus wurde dann 1997 Diageo.
Schon sehr bald mekte man, dass das Produkt zu mehr taugte, als nur in einem Blend zu verschwinden. So wurde erstmals 1978 ein Single Malt für den japanischen Markt abgefüllt. Nun stellte sich aber heraus, dass der Name Auchroisk, der aus dem Gälischen stammt und ‘Furt am roten Wasser’ bedeutet, für den Markt schwierig war. Zum einen gab es Probleme mit der Aussprache, zum anderen erwies es sich für die Kunden als schwierig, sich diesen Namen zu merken. So entschied man sich, den Whisky unter dem Namen ‘Singleton of Auchroisk’ anzubieten, der heute aber nur noch als Rarität und damit ziemlich teuer zu erstehen ist. Diageo hat aber 2001 einen zehnjährigen Auchroisk in die Flora-&Fauna-Serie aufgenommen und so kann ich heute doch noch eine erschwingliche Originalabfüllung vorstellen.
| Auchroisk Single Malt Whisky 10yo, 43% vol., Flora & Fauna Abfüllung |
| Farbe |
Strohgelb |
| Nase |
frisch und trocken, süsslich, Nussig |
| Gaumen |
etwas alkoholische Schärfe, wärmend, wenig aromatisch |
| Abgang |
kurz, ein klein wenig Süsse, ein ganz klein wenig rauchig. |
Hat mich überhaupt nicht überzeugt. Der Whisky-Buchautor Dave Broom sagt so richtig: Good blending material, but as a single? Das trifft den Nagel auf den Kopf…
von Alchemyst
Ordnung ist das halbe Leben, behauptet der Volksmund.
Okay, das halbe Leben. Was aber ist die andere Hälfte? Etwa das Chaos?
In der Kulturgeschichte wird gerne ein anderes Begriffspaar benutzt.
Nach Friedrich Nietzsche bildet unsere Kultur, auch unsere Trinkkultur eine Verbindung von zwei Prinzipien, die durch die alten griechischen Götter Apollon und Dionysos symbolisiert werden.
Harmonisch ausgeglichen und berauschend maßlos
Apollo steht für das Schöne, das Reine, das Helle, die Ordnung und sowie Haltung und Selbstbeherrschung. „Nicht zu viel, halte das rechte Maß“, sagt Apollon. Er ist Symbol für die Vernunft, das Denken, den Verstand, die Kontrolle.
Apollon ist ein nüchterner Geist.
 Dionysos - feucht, fröhlich...
Sein untrennbarer Gegenpart ist der lustvolle Dionysos. Der Gott des Weins, des Rausches,
Er ist chaotisch, unberechenbar, zügellos und außer Kontrolle… Er steht symbolisch für
das Selbstvergessene, Ausbrechende, Orgiastische und Dunkle.
Dionysos Weg endet oft in der Tragödie und im Untergang.
Wo Apoll denkt, fühlt Dionysos, steht der eine für das Bewusstsein, so der andere für den Instinkt. Wirkt Apollon koordinierend, ist Dionysos subordinierend.
Diese scheinbaren Gegensätze kennen wir alle. Sie prägen das Leben, die Kultur und auch das Fest.
Der Buchstabe Eszett wiederum ist die sichtbare, Buchstabe gewordene Verschmelzung
dieser beiden sich ergänzenden Prinzipien, dem apollinischen und dem dionysischen Prinzip.
„Das bipolare Begriffspaar apollinisch-dionysisch beschreibt zwei gegensätzliche Charakterzüge des Menschen und bedient sich dazu der den griechischen Göttern Apollo und Dionysos zugeschriebenen Eigenschaften. Hierbei steht apollinisch für Form und Ordnung und dionysisch für Rauschhaftigkeit und einen alle Formen sprengenden Schöpfungsdrang.“ Wikipedia
Das eine kann es nicht ohne das andere geben.
Der Anfangsbuchstabe A wie Apollon erinnert daran, dass Ausgelassenheit und Ausschweifung in Anwesenheit des Anstandes geschehen sollte.
Apollon und Dionysos sind göttliche Brüder und beide Patrone des Festes – Mit leichten Vorteilen für Dionysos….
Der Anhauch des Wahnsinns
„Ein Fest ist ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzess, ein feierlicher Durchbruch des Verbotes. Nicht weil die Menschen infolge einer Vorschrift froh gestimmt sind, begehen sie Ausschreitungen, sondern der Exzess liegt im Wesen des Festes, die festliche Stimmung wird durch die Freigebung des sonst Verbotenen erzeugt“
Sigmund Freud in „Totem und Tabu“
Nietzsche ergänzt: „Im Fest ist einbegriffen: Stolz , Übermut, Ausgelassenheit, der Hohn über alle Art Ernst und Biedermännerei“. – Auf den Punkt bringt es schließlich Josef Ilensee, wenn er schreibt: „Zum Fest gehört der Anhauch des Wahnsinns“ – Das gefällt mir…
 Dionysos / Bacchus
Berauscht oder benebelt
Wohin es allerdings führt, wenn man nur Dionysos folgt ohne Apollon zu beachten, zeigt wieder mal der Philosoph Friedrich Nietzsche auf, wenn er zwischen berauscht und benebelt unterscheidet und damit durchaus gastrosophische Bereiche streift.
Beide Zustände gehören klar in das Reich des Dionysos, aber im Rausch, gleich welcher Art, nimmt man sich und andere noch wahr. Erst der benebelte Zustand beinhaltet das Aufgeben jeglicher Verantwortung.
Hingabe an den Augenblick
Wie auch immer: Das Fest im Zeichen von Apollo und Dionysos bedeutet einfach Hingabe an den Augenblick.
Elias Canetti schreibt in „Masse und Macht“:
„Nichts und niemand droht, nichts treibt in die Flucht, Leben und Genuss während des Festes sind gesichert. Viele Verbote und Trennungen sind aufgehoben, ganz ungewohnte Annäherungen werden begünstigt. Die Atmosphäre für den einzelnen ist eine der Lockerung und nicht der Entladung. … Es gibt kein Ziel, das für alle für alle dasselbe ist und das alle zu erlangen hätten.
Das Fest ist das Ziel, und man hat es erreicht.“
von Oliver Steffens
Die Ardmore-Destillerie ist ein Grenzfall und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie liegt so nahe der idiellen Grenze zwischen Speyside und Highland, dass die Quellen sich nicht einig zu sein scheinen, ob es sich nun um einen Highlander oder um einen Speysider handelt. So liest man bei Charles Maclean, dass der Ardmore ein Highland-Malt sei, bei Jim Murray ist es ein Speysider und der 2007 verstorbene Whiskyexperte und Buchautor Michael Jackson wollte sich nicht festlegen. Er schrieb von der Destillerie “on the eastern edge of Speyside” – für mich noch kein klares Votum. Auch im Internet kein einheitliches Bild: Die deutsche Wikipedia plädiert für Speyside, die englische für Highland. Der englische Whisky-Onlineshop The Whisky Exchange für die Speyside und der deutsche Whisky24 gar für Highland und Speyside zugleich …
Diese Aufzählung läßt sich noch um diverse Meinungen erweitern, ich aber habe mich entschieden, die Ardmor-Destillerie der Region Speyside zuzuordnen. Diese sehr schöne Karte der schottischen Whiskywelt unterstreicht hoffentlich meine Entscheidung: Die 1898 erbaute Ardmore-Brennerei liegt dem Kerngebiet der Speyside so nah, dass man meines Erachtens guten Gewissens von einem Speysider sprechen kann.

Die Destillerie wurde von dem schon damals sehr erfolgreichen Whiskyblender Teachers & Sons gegründet. Der 1884 eingeführte Teachers Highland Cream erfreute sich zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts eines solchen Zuspruchs, dass eine neue Produktionsstätte notwendig wurde, um diese Nachfrage zu befriedigen. Die Ardmore-Destillerie war das erste Projekt der Familie Teachers in der Whiskydestillation. Benannt wurde diese neue Destillerie nach dem Stammsitz der Familie Teachers an der Westküste.
Die Brennerei hat eine vergleichsweise ruhige Geschichte und blieb lange im Besitz der ursprünglichen Gründer. Erst 1976 wurde Teacher’s und damit auch Ardmore von Allied Brewers übernommen und seit 2005 gehört die Ardmore-Destillerie zu Fortune Brands Inc. und fand somit einen Platz unter dem Dach von Beam Global, doch die Gründerfirma Teachers & Sons ist noch bis Heute der Lizenznehmer.
Trotz Modernisierungen und Erweiterungen in den Jahren 1955 und 1974 behielt die Brennerei bis 2002 die Methode bei, die Brennblasen direkt mit Kohle zu befeuern und war damit eine der letzten Destillerien, die dies noch so betrieben. Glenfiddich stellte die direkte Befeuerung in etwa zur gleichen Zeit von Kohle auf Öl um und nur Glendronach verwendet heute noch Kohle.
Da die Ardmore-Destillerie noch bis heute hauptsächlich dem Zweck dient, Whisky für den Teacher’s-Blend zu produzieren, gibt es nur eine einzige offizielle Single Malt Abfüllung aus der Brennerei: den Traditional Cask (ohne Altersangabe). Als erste Eigentümer-Abfüllung überhaupt wurde zum hundertsten Geburtstag der Brennerei der 21 Jahre alte Centenary abgefüllt, der ursprünglich mit den Unterschrift des Managers für Mitarbeiter von Allied bestimmt war, aber nun zu Preisen um 350,00 Euro auch zu erwerben ist. Für den 2007 erschienenen Ardmore Traditonal Cask wird getorftes Malz mit für die Speyside recht ungewöhnlichen 12-14ppm Phenol verwendet. Dieser Whisky reift dann zunächst in Ex-Bourbon-Fässern – die gemeinsame Zugehörigkeit zu Beam Global legt nahe, dass es sich um ehemalige Jim-Beam-Fässer handelt – und dann in neuen sogenannten, wesentlich kleineren Quarter-Casks.
| Ardmore Traditional Cask Single Malt Whisky, ohne Altersangabe, 46% vol. |
| Farbe |
Goldgelb |
| Nase |
Trocken, torfig, würzig, Honignoten |
| Gaumen |
Cremig, unaufdringliche Torfaromen, malzig-süsslich |
| Abgang |
Lang, rauchig, Torf. |
Ein toller Whisky! Er hat die Süsse und die Eleganz eines Speysiders und überrascht doch mit seiner gänzlich unaufdringlichen Torfigkeit. Will man sich mit dem Torf vertraut oder langsam an die Torfmonster heranarbeiten, dann empfehle ich den Ardmore als Einstieg. Und für jeden Liebhaber getorftert Malts ist er eine herrliche Ergänzung und Abwechslung. Wie auch immer: Dieser Whisky macht einfach nur Spass !
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