von Oliver Steffens
Glenglassaugh wurde 1874 an der Küste der Speyside westlich von Banff von James Moir, seinen Neffen Alexander und William Morrison und dem Kupferschmied Thomas Wilson gegründet.
Nachdem Thomas Wilson 1883 und James Moir 1887 und 1892 auch William Morrison verstarben, verkaufte der letzte verbliebende Miteigentümer Alexander Morrison die Brennerei an Robertson & Baxtor, wie es heisst um die Erbschaftssteuer zahlen zu können. Robertson & Baxtor verkauften die Destillerie noch im selben Jahr an Highland Distilleries, die heute zur Edrington Group gehören.
 Quelle: www.whiskybase.com
Nicht zuletzt durch den Pattinson Crash Ende des 19. Jahrhunderts ging die Nachfrage nach dem Whisky aus der Glenglassaugh Brennerei zurück und so wurde sie 1907 ertmals geschlossen. Zwischen 1931 und 1936 wurde die Brennerei noch einmal kurzfristig reaktiviert um dann erneut für vierundzwanzig Jahre bis 1960 geschlossen zu werden. Von 1960 bis 1986 wurde erneut die Produktion angefahren. Unter der Ägide der Edrington Group wurde nur für wenige Monate in 1998 noch einmal bei Glenglassaugh produziert und dann war wieder für knapp zehn Jahre Schluss.
Im Februar 2008 gab die Edrington Group bekannt, dass man Glenglassaugh für fünf Millionen Pfund an die Scaent Group, einem holländischen Konsortium, deren Kern-geschäft in der Energiewirtschaft liegt, verkauft hat. Im Dezember 2008 wurde die Produktion bei Glenglassaugh wieder aufgenommen.
Seither steckt Glenglassaugh in der für jede neugegründete oder wiedereröffnete Destillerie schwierigen Phase zwischen Produktionsbeginn und der ersten Abfüllung, zwischen Investition, laufenden Kosten und den ersten Einnahmen. Damit das Produkt als schottischer Whisky verkauft werden darf, muss es mindestens drei Jahre gelagert sein. Demzufolge dürfen wir also frühestens ab Dezember 2011 einen neuen Glenglassaugh-Whisky erwarten. Um aber diese -besonders für die Investoren- Durststrecke zu überbrücken, hat man bei Glenglassaugh zwei sogenannten ‘Spirit-Drink’ herausgebracht.
 Ausnahmsweise die Rückseite einer Flasche - man beachte die 'Nicht-Nennung' der Destillerie
Diese dürfen aufgrund schottischer Gesetze nicht den Namen der Destillerie führen. Daher wird der eine unter dem Namen ‘The Spirit Drink that dare not speak its name’ verkauft. Ein Schelm, der dabei an Lord Voldemort denkt. Dieser Spirit Drink ist ungereift, somit naturgemäß farblos und wird auf dem Gelände der Destillerie in 500ml-Flaschen abgefüllt. Die Anzahl der Flaschen ist auf 8160 limitiert, jede Flasche ist nummeriert.
Das zweite Produkt ist der ‘Spirit Drink that blushes to speak its name’, der also errötet, wenn er seinen Namen sagt. Dieser Spirit Drink durfte im Gegensatz zum ersten für sechs Monate in amerikanischen Eichenfässern, die zuvor californischen Rotwein enthielten, reifen. So ergibt sich eine rötliche Färbung. Auch dieser Spirit Drink wird auf dem Gelände der Destillerie abgefüllt un die Anzahl der Flaschen ist auf 8160 limitiert.
| The Spirit Drink that blushes to speak its name, 50% vol. |
| Farbe |
Rosefarben |
| Nase |
Malzig, Kirsch-Bananensaft |
| Gaumen |
Scharf, etwas Apfel- und Birnennoten |
| Abgang |
Lang mit etwas Frucht |
Ein interessante Idee, frische oder kaum gelagerte Whiskys – äh, sorry, Spirit Drinks – abzufüllen. Doch wenigstens beim gelagerten Glenglassaugh – Spirit Drink funktioniert das Experiment in meinen Augen nicht. Das Destillat entwickelt keinen eigenen Charakter, in der Nase erinnerte es mich an Cachaca und im Geschmack ähnelte es einem Grappa. Die Zeit der Reife im Fass ist dafür wohl einfach zu kurz. Ich sollte irgendwann einmal den ungelagerten Spirit-Drink probieren, der anderenorts hoch gelobt wurde..
von Alchemyst
Nachdem wir im ersten Teil von Trinklaune im Gummibärenland mehr den Li-La-Laune Bär rausgelassen haben und eher elastisch mit dem Tatsachen umgegangen sind, wollen wir uns nun den Fakten zuwenden
und den Stier bei den Hörnern packen.
Trinklaune vs. Red Bull.
Mal schaun, was in ihm steckt….
 Ursus elasticus vulgaris
“Energydrinks” sind ein gutes Geschäft. Für jeden, der an ihrem Vertriebsweg beteiligt ist.
In der Gastronomie ist Red Bull mit ca. 90% Marktanteil der Spitzenreiter und auch an Kiosken und Tankstellen, liegt der Dosendrink weit vorne.
Red Bull verkauft an die 4 Milliarden Dosen pro Jahr, der jährliche Umsatz liegt bei über 3 Milliarden Euro.
Zwar macht der Anteil von ” Energy-Drinks ” am Gesamtmarkt der alkoholfreien Getränke nur 2 % aus, aber die Margen sind hoch. Der Hersteller produziert den süßen Inhalt für Cent-Beträge, sodass man davon ausgehen kann, dass die Produktionskosten der Dose höher sind als die des Brausewassers.
Nichts wirkt umsatzfördernder als die Verbote für Red Bull, die es noch in wenigen Ländern gibt, oder die Warnhinweise, die immer wieder mal in die Presse lanciert werden oder auch die diversen Legenden, die sich um den Marktführer ranken:
Einer der Zusatzstoffe des Designerdrinks ist das Taurin.
Taurin ist nichts anderes als ein Aminosäure-Abbauprodukt namens 2-Aminoethansulfonsäure. Den Namen Taurin bekam die Verbindung, da sie zum ersten Mal aus Ochsengalle (Bos Tauri, Taurus=Stier) isoliert wurde.
Da passt es allerdings besser, das Gerücht zu streuen, das Taurin stamme aus Stierhoden. – Alles Fake.
Das Taurin in Red Bull ist zudem synthetisch und stammt aus dem Labor.
In einer Studie von Michael Bretz (Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie, Bayerische Julius–Maximilians–Universität Würzburg ) kann man lesen:
„Schenkt man dem Volksmund Glauben, so handelt es sich bei Taurin um „Stierhodenextrakt“, „Bullenurin“ oder „Hodenflüssigkeit von Bullen“. Die davon ausgehenden Assoziationen „Kraft“, „Energie“, „Ausdauer“ und „Männlichkeit“ auf ein Produkt zu übertragen, dürfte ein nicht unmaßgeblicher Grund für die Supplementierung … sein.
Die Hersteller von „Energy“-Produkten fördern diesen sowohl image- als auch verkaufsfördernden Taurinmythos als kostenlose Werbemassnahme. Dazu gehören z. B. Name und Verpackungsdesign des marktbeherrschenden “Energy Drinks”, auf der zwei kraftstrotzende Stiere aufeinander zurasen. Die Ehrlichkeit, die der Abfüller des Getränkes „Sitting Bull“ der Lidl-Stiftung mit seiner Beurteilung von Taurin an den Tag legt, wäre auch von anderen
Lebensmittelproduzenten wünschenswert: „Taurin hat weniger eine physiologische Wirkung, sondern ist mehr assoziativ zu sehen“. Die Diskrepanz zwischen Werbeversprechungen und wissenschaftlichen Tatsachen bezüglich Herkunft und Wirkung von Taurin scheinen viele Verbraucher bis heute jedoch kaum zu kennen…“
Die Aufnahme von Taurin, das im Körper einige Funktionen erfüllt, in Lebensmitteln ist witzlos. Taurin kommt überall in der belebten Natur vor und wird auch im menschlichen Körper in ausreichender Menge produziert.
Red Bull ist zuckrig süß, ergänzt durch Citrus-Säure, sodass man erst ein mal durchaus von einer normalen Limonade sprechen kann. Neben dem Zusatz von Farbstoff, Aromen und überflüssigen wasserlöslichen Vitaminen wurden werbewirksam aktivierende Substanzen wie Glucoronolacton und Inosit beigefügt, doch die orale Aufnahme dieser für einen ” Energy-Drink ” eher abenteuerlich wirkenden Zusatzstoffe ist hier vorteilslos..
Was übrig bleibt ist das Coffein, das mit 80mg pro Dose in etwa dem einer Tasse Kaffee entspricht. – Noch einmal Michael Bretz:
„Fazit: die Wirkung von „Energy Drinks“ hat nichts mit Taurin zu tun, sondern lässt sich auf ihren hohen Gehalt an Coffein zurück führen. Damit der Verbraucher deren hohen Preis … akzeptiert, ist eine gewisse „wissenschaftliche“ Rechtfertigung notwendig, die den Mythos Taurin aufrecht hält. DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) und BgVV (Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin) weisen darauf hin, dass diese Produkte nichts anderes als ungerechtfertigt teurer und übersüsster „kalter Kaffee“ sind.“
Hmm. Immerhin – Das Coffein wirkt! Aber nicht lange. Die Süßung mit Traubenzucker, der in den meisten dieser Dosendrinks enthalten ist, bewirkt wiederum, dass die putschende Wirkung des Coffeins zum Teil wieder aufgehoben wird und längerfristig ins Gegenteil umschlägt. Das besagt eine Untersuchung von Eva Schnabel (ebenfalls Universität Würzburg).
Traubenzucker wirke nur als Energieblitz, sein anschliessender Abbau im Körper wiederum mache… müde.
Haushaltszucker, wie im süssen Kaffee, neutralisiert die belebende Wirkung von Kaffee dagegen nicht.
Ein Fazit: Red Bull hat gute Arbeit geleistet. Der Drink verkauft sich prächtig.
Wenn wir das Wort “Energy-Drink” in Gänsefüßchen schreiben, dann deshalb, weil vor allem die hohe Energie bemerkenswert ist, die in den Image-Aufbau und die Vermarktung der Limonade gesteckt wird.
Ein Blick auf die Fakten aber entzaubert dieses koffeinhaltige Erfrischungsgetränk.
Die Rezepturen dieser Getränke halten nicht, was sie versprechen, Red Bull ist weitgehend “entmannt”, der Bulle in Wirklichkeit ein Ochse und als “Energy-Drink” ein zwar aufgepeppter, aber doch eher flügellahmer, überteuerter Soft-Drink.
Genau das Richtige also für unsere soften, bunten, elastischen Gesellen aus dem Gummibärchenland.
Dazu demnächst mehr unter dem Titel “Trinklaune im Gummibärchen Land oder von Gummibären, Red Bull, Currywürsten und Hausmannskost” – ……… Brumm
von Oliver Steffens
Wie Glenfarclas wurde auch Glenfiddich von einem Grant gegründet. Die Angehörigen dieses Clans scheinen einen besonderen Hang zur Tradition zu haben, denn wie Glenfarclas ist auch Glenfiddich bis heute im Besitz der Gründerfamilie. Und daher finden sich in der Zeitlinie seit der Gründung von Glenfiddich im Jahr 1886 durch William Grant nur zwei Ereignisse: Am Weihnachtstag 1887 wurde der erste Whisky produziert und 1969 das Besuchszentrum eröffnet – das erste einer Whiskybrennerei überhaupt. In diesen mehr als einhundertzwanzig Jahren eroberte sich Glenfiddich einen Platz unter den großen, bedeutenden Whiskymarken. Besonderen Anteil hat daran sicherlich die markante und unverwechselbare Dreieckform der Flasche. Diese wurde 1957 von Hans Schleger, einem deutsch-britischen Grafiker und Grafikdesigner, entworfen.
Sein Auftrag war, eine Flasche zu schaffen, die elegant aber auch einprägsam ist, die die Qualität des Inhalts unterstreicht und sich gleichzeitig gut stapeln und verpacken lässt. Das Dreieckdesign erfüllte nicht nur all diese Ansprüche, die Flasche war einfacher zu greifen und erleichterte im Vergleich zu den traditionellen Flaschen auch das Ausgiessen. Und es unterschied den Glenfiddich-Whisky optisch mit einem hohen Wiedererkennungswert von dem der Wettbewerber.
Wie so häufig in der Whiskywelt wurden den drei Seiten natürlich gleich besondere Bedeutungen zugesagt. Für einige stehen sie für die drei Schlüsselzutaten des Whiskys: Gerste, Wasser und Feuer. Für andere standen die drei Seiten der Glenfiddich-Flasche für die Grundsätze der Familie William Grant: Tradition, Vermächtnis und Qualität.
Traditionsbewußt ist man bei Glenfiddich auch in der Produktion. So ist Glenfiddich eine der letzten Brennereien, die noch über eine eigene Böttcherei und Schmiede verfügt. Alle Brennblasen werden noch direkt befeuert – bis 2003 mit Kohle, heute mit Gas. Es werden sogar noch alle Whiskys auf dem Destilleriegelände abgefüllt, was durchaus selten geworden ist. Nur der 12yo wird seit 2007 von einer Fremdfirma in der Nähe von Glasgow abgefüllt, aber nach wie vor auf dem Gelände der Brennerei mit dem Wasser der Robbie-Dubh-Quelle auf Trinkstärke gebracht. Und diesen Zwölfjährigen hatte ich heute im Glas:
| Glenfiddich Single Malt Whisky 12yo, 40% vol. |
| Farbe |
blasses Goldgelb |
| Nase |
Leicht, frisch, Apfel, Honignoten |
| Gaumen |
Malz, Honig und Butterkaramell, Apfel, etwas Holz |
| Abgang |
Leicht wärmend, deutliche Apfelnoten, die lange bleiben. |
Der Glenfiddich 12yo ist einer der meistverkauften Whiskys der Welt – wenn nicht sogar der meistverkaufte, wie mancherorts zu lesen ist. Einige würden nun sagen: “Supermarkt-Whisky”. Diesen Ausdruck schätze ich nicht so sehr, da schnell eine mangelnde Qualität unterstellt wird und dies ist hier sicher nicht der Fall. Doch kann von einem Massenprodukt, wie es der Glenfiddich 12yo ist, wohl auch keine besondere Komplexität und Tiefe erwartet werden. Aber so ab und an ist ein Schlückchen von diesem Stoff sic her nicht verkehrt.
von Alchemyst
Angesichts der laufenden Diskussion in diversen Blogs über Mischgetränke mit “Energydrinks” “kommt das Trinklaune-Team nicht umhin, sich ebenfalls dazu zu äußern. Da in über 90% aller Fälle das vorherrschende Aroma des meist roten Brausewassers das sogenannte Gummibärchen-Aroma ist, werden wir uns Gedanken machen zur Trinklaune im Gummibärenland. Nachdem das Trinklaune-Team schon an diversen Orten (Entenhausen, Traisen, New Orleans und dem Meer) sowie in verschiedenen Ländern (Argentinien, Peru, Chile, Irland, Schottland, Jameika, Avenger-Land) Untersuchungen anstellte, begeben wir uns jetzt auf eine Reise ins Reich der flüssigen Gummibärchen.
 Allzeit bereit...
Vom Bärendienst
Über die Herkunft der Gummibären ist wenig bekannt. Aufgrund ihrer Konsistenz haben sich von den Bären keine Fossilien erhalten. Gummibärchen besitzen kein Skelett. Zur Gattung Ursus elasticus vulgaris müssen deshalb noch weitere Forschungen betrieben werden.
Interessant für unser Thema ist die enorme Opferbereitschaft der Gummibären, die zum Beispiel bei deren freiwilligem Wehrdienst deutlich wird. Der Truppenarzt Norbert Neumann schreibt in seinem Artikel „Das Gummibärchen aus wehrmedizinischer Perspektive“ unter anderem:
„Der wehrdienstleistende Gummibären betreuende Musterungs- bzw. Truppenarzt wird in der Praxis immer wieder mit Besonderheiten dieser Patientengruppe konfrontiert, die besondere Erfahrung und Wissen erfordern. Abgesehen von allgemeinmilitärischen Aspekten wie Probleme der Tarnung (Gummibären sind häufig leuchtfarben!), die hier jedoch beiseite gelassen werden sollen, tauchen immer wieder spezifische medizinische Probleme auf, die hier näher betrachtet werden sollen. … Was die Verwendungsfähigkeit im Sanitäts- oder Musikdienst betrifft, so muß berücksichtigt werden, daß ein genereller Ausschluß hier nicht notwendig ist. Zwar kann ein Gummibärchen aufgrund seiner fehlenden Wirbelsäule zwar im Patiententransport nicht eingesetzt werden, eignet sich aber hervorragend zur Patientenbetreuung, insbesondere diabetischer Patienten, die zu Hypoglykämien neigen. Insbesondere unter diesem Aspekt ist auch eine Verwendung im Schockraum eines Truppenverbandplatzes akzeptabel. – Aufgrund ihrer Konsistenz sind Gummibären jedoch besonders prädestiniert für die Verwendung in der ABC-Abwehr. Insbesondere auch unter psychologischen Gesichtspunkten dürfte dieser Arbeitsbereich das non-plus-ultra bei der Einplanung und Verwendung wehrdienstleistender Gummibären darstellen. Die unmittelbare Nähe von ABC-Schutzmasken, die ebenfalls aus Gummi sind, stärkt das Kameradschaftsgefühl und sorgt für eine ausgeglichene Psyche, sowie eine im Vergleich zum durchschnittlichen Wehrdienstleistenden deutlich höhere Motivation.“
Interessant ist diesem Zusammenhang der 17. Artikel der „Verfassung der Gummibärchen“ in dem es heißt:
Art. 17. Der Kriegsverhinderungsdienst.
Jedes Gummibärchen ist verpflichtet, sich in den Armeen der Gummibärchen aufopferungsvoll an der Verhinderung von Kriegen zu beteiligen. Insbesondere im Falle, daß Kindern das Kommando gegeben wird, dienen sie als Stellvertreter einer kriegsführenden Partei dem Weltfrieden. Der Frieden wird durch das Aufessen der Gummibärchenarmeen herbeigeführt.
 Der Tod ist den Bärchen nicht unbekannt...
Kein Gummibärenblut
Nachdem man in den 70er Jahren in politisch linken Kreisen noch glaubte, dass Gummibären von Firmen wie Haribo widerrechtlich gefangen genommen und in Tüten gezwungen wurden, ist heute bekannt, dass der Aufenthalt in Tüten freiwillig erfolgt und dort familiäre Verhaltensweise eingeübt werden. Von den Aktivitäten der sogenannten Gummibärenbefreiungsfront (GBBF) hat man deshalb schon lange nichts mehr gehört.
Auch galt es eine Zeit lang als gesichert, dass das Gummibären-Aroma in “Energydrinks” wie Red-Bull durch brutal geschlachtete, gestückelte und geschredderte Gummibären zustande kommt und die rote Farbe des Getränks auf das geflossene Gummibärenblut zurückzuführen ist. Heute weiß man, dass insbesondere die roten Gummibärchen aufgrund ihrer speziellen psychischen Verfasstheit (s.o.) freiwillig den Opfergang des Auflösens gehen.

Die Tanke, die Disco und der Supermarkt
Ist der gewöhnliche Erscheinungsort der Gummibärchen der Kindergeburtstag oder eine Ronald McDonald-Party, so ist der natürliche Aufenthaltsort der flüssigen Gummibärchen nunmehr der Discount-Supermarkt, die Großraumdiskothek und die Tankstelle.
Von Gummibeeren und Gummibären
An dieser Stelle ist eine wichtige Unterscheidung bezüglich den “Energydrinks” wie Red Bull, Sexergy, Flying Horse etc. auf der einen Seite und dem Gummibärensaft auf der anderen Seite zu treffen: Der Gummibärensaft gehört in die Kategorie Säfte. Dieser Saft wird aus Gummibeeren hergestellt und ist nicht zu verwechseln mit Red Bull, welches aus aufgelösten Gummibären besteht.
Soweit fürs Erste ein paar grundlegende Gedanken zur Entstehung und Zusammensetzung von sogenannten Energydrinks.
In Teil 2 und 3 von „Trinklaune im Gummibärchenland“ werden wir uns demnächst
dem Bär in der Bar,
dem Verhältnis von Gummibärchen-Aroma und Genuss
und dem Gebrauch von roten Bullen durch Bar-Nausen widmen. –
Brumm.
von Oliver Steffens
Dieser Beitrag wird vermutlich der kürzeste der ‘Deoch-an-Doruis’-Reihe…
Das liegt aber sicher nicht daran, dass nun auch in Hamburg mit reichlich Verspätung frühlingshafte Temperaturen zum Verweilen im Freien locken. Vielmehr hat es mit der Beständigkeit der Besitzverhältnisse der Destillerie zu tun, um die es heute geht. Denn seit 245 Jahren, seit 1865 ist Glenfarclas nun in Familienbesitz.

Gegründet wurde die Brennerei von Charles Hay, der sie 1836 lizensieren liess, aber an dieser Stelle bereits seit 1797 Whisky produzierte. Als Hay 1865 starb kaufte sein Nachbar John Grant die Brennerei und verpachtete sie zunächst an John Smith, der zuvor bereits die Glenlivet Destillerie leitete und nur vier Jahre später Glenfarclas schon wieder verlassen würde, um die Cragganmore Destillerie zu bauen. Von nun an sollte immer ein Grant die Brennerei leiten. George S. Grant, der Urenkel des Gründers, leitete die Brennerei von 1949 bis ein Jahr vor seinem Tod 2002 für 52 Jahre.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf das hochinteressante Tondokument hinweisen, in dem George S. Grant 1983 erläutert, was der Pattison-Crash war und welche Auswirkungen er auf die Whiskyindustie hatte.
| Glenfarclas Single Malt Whisky 10yo, 40% vol. |
| Farbe |
heller Bernstein |
| Nase |
intensiv, kandierte Orangen, würzig, etwas Sherry, etwas Holz |
| Gaumen |
trocken, safte Schärfe, Holz, Karamell, ein klein wenig Zitrusnoten |
| Abgang |
Langanhaltend, Trockenfrüchte und etwas Rauch |
Ein grundsolider Malt. Sicher besser als der Durchschnitt. Doch irgendwie ist es ihm nicht gelungen, mich in seinen Bann zu ziehen. Da gibt es andere Malts zum gleichen Preis, wie z.b. der Old Pulteney, die mich mehr beeindruckt haben.
von Robin Stein
Als ich Anfang April für den Artikel „Osterwein und Osterei“ Cocktailrezepte recherchierte, welche sowohl Wein als auch Ei als Zutat enthielten, fiel mir auf, wie stark beschränkt die Auswahl hier eigentlich ist. Generell stehen Drinks mit Wein nicht gerade im Rampenlicht der internationalen Cocktailbühne. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass gerade der Bordeaux-Wein (Claret) früher Bestandteil vieler Mixgetränke war. So widmet nicht nur David A. Embury in seinem Meisterwerk „The Fine Art of Mixing Drinks“ dem Claret einen Auftritt als Cobbler, Cup, Flip und Sangaree sondern auch im „Savoy Cocktail Book“ ist er Bestandteil vieler Punches. Die Auswahl beschränkt sich hier jedoch nicht nur auf Claret sondern es werden auch Burgunder, Rhine-Wine, Sauternes, Tokajer und gespritete Weine wie Madeira, Port und Sherry vermischt.
Gerade die Verwendung der im Prinzip doch ähnlichen Produkte Claret und Burgunder bzw. Sauternes und Tokajer zeigt mir, dass Wert auf die Auswahl des richtigen Weins gelegt wurde, ansonsten hätte ja die Angabe Rot- bzw. Süßwein genügt. Dies hebt den Wein wiederum von anderen Zutaten ab und stellt ihn als Mixzutat auf eine ähnliche Ebene wie die Spirituosen, die bei den meisten Angaben auch klar abgegrenzt sind. Rum ist eben nicht gleich Rum und Süßwein nicht gleich Süßwein.
Bei dem Anfangs schon erwähnten Artikel stellte ich neben dem delikaten New York Sour auch einen Drink Namens „Silver Ball Fizz“ vor. Dies ist ein Drink auf Weißwein (Rhine Wine) Basis, welcher mich aufgrund seines fehlenden Rückgrats nicht überzeugen konnte. Auch wenn der Zitronensaft schon durch gelben Grapefruitsaft ersetzt wurde, kann der Wein der Säure einfach nicht standhalten und das Getränk erinnert eher an eine Limonade als an einen ordentlichen Fizz.
Da ich ein großer Fizz-Fan bin und mich hier im Blog ja hauptsächlich mit Wein beschäftige, fand ich die Idee eines funktionierenden Fizz auf Weinbasis jedoch sehr reizend und begann ein wenig herumzuexperimentieren. Die erste Idee dabei war, den Wein und Läuterzucker durch einen Süßwein mit entsprechendem Restzuckergehalt zu ersetzten und mich bei der Zubereitung des Drinks möglichst an das von Embury beschriebene 1 – sweet, 2 – sour, 3-or a little more- strong, 4-weak (charged water and ice) Verhältnis zu halten. Da mir von vornerein klar schien, dass der Wein alleine die Säure nicht puffern kann, wollte ich außerdem noch eine Spirituose in den Drink geben. Hier entschied ich mich schnell für einen Pisco Quebranta, da dieser sehr gehaltvoll ist, aber dennoch genug fruchtig-frische Traubennoten mitbringt um die Wein-Grundidee des Drinks zu unterstützen. Um einiges schwieriger gestaltet sich die Suche nach einem Süßwein. Dieser musste ja ungefähr die gleiche Menge Zucker enthalten wie 1 cl Läuterzucker (bei einem 2:1 Zuckersirup immerhin ca. 6,6g) ohne dabei selbst zu viel Volumen im Drink einzunehmen und gleichzeitig noch einen Eigencharakter mitbringen. Ein oxidativ ausgebauter Tokajer bringt diesen Eigencharakter mit, er müsste bei 5cl jedoch einen Restzuckergehalt von mind. 13% haben, um mit dem Läuterzucker mitzuhalten. Diese Zuckermengen werden allerdings erst bei mind. 5 puttigen Tokajern erreicht, was ein weiteres Problem auftat. Die Dinger sind teuer! Ein bezahlbarer Drink schien unerreichbar, bis ich durch Zufall auf den Tokajer „Chateau Viničky“ (Tokaji Aszú 6 puttonyos 1989) für unschlagbare 18,50 € (250ml) bei Tokajneum.com stoß. Dieser Wein hat einen Restzuckergehalt von 17,2% was etwas zu hoch schien, durch den zusätzlichen Alkoholgehalt des Weines allerdings ausgeglichen wird.
 Chateau Viničky
Da ich bei dem Preis verständlicherweise ein paar Vorbehalte hatte, ob der Wein auch wirklich etwas taugt, verkostete ich ihn erst einmal pur und muss sagen, mehr Tokajer für so wenig Geld wird man wohl selten finden! Auch im Drink harmonierte er sehr gut, lediglich erste Versuche nur mit Zitrone bzw. Limette überzeugten mich nicht, weshalb ich mich schlussendlich für folgendes Rezept entschieden habe.
Piskayer Fizz
============
- 5 cl Tokajer 6 Puttonyos
- 3 cl Pisco Quebranta
- 1 cl Zitronensaft
- 1 cl Limettensaft
- 1 Eiweiß
- Soda
Lange und kräftig alle Zutaten, außer dem Soda, auf crushed Ice shaken und anschließend auf frisches Eis in ein Longdrinkglas abseihen und mit Soda auffüllen. Die Schaumkrone mit einer Limettenzeste abspritzen und servieren.
============
 Piskajer Fizz
Wer den Drink probiert, dem möchte ich vor dem Genuss noch ein Zitat von Harry Johnson mit auf den Weg geben:
„Bear in mind that all drinks called Fizz’s must be drank as soon as handed out, or the natural taste of the same it lost to the customer.“
von Torben Bornhöft
Ich möchte heute ein Buch vorstellen, das mir am Herzen liegt. Ein Buch über Champagner. Ohne eine einzige Verkostungsnotiz – großartig! Ich bin ja Freund der Enzyklopädie, ein Nachschlagewerk (oder viele davon!) zu besitzen ist immer praktisch und kann ein guter Leitfaden sein. Aber in Don und Petie Kladstrups Buch “Champagner. Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke” geht es um den Hintergrund jeder Verkostungsnotiz, nämlich um die Region, das gelobte Land des Schaumweins und was diese alles erlebt hat. Es ist also wirklich ein Geschichtsbuch, inkl. Quellen. Und zwar das Interessanteste, das ich je gelesen habe…
Es kommt mit einer wertigen Aufmachung daher und begrüßt den Leser erst einmal mit einer Karte der Region, Gebiete unter Reben und die Grand Crus gleich mit eingezeichnet. Dann wird ein präzises Bild der Geschichte dieser Region gezeichnet, die Kriege und völlige Verwüstung erleben musste und doch immer wieder auf die Beine kam.
Gespickt mit Fotos und Geschichten ist das Buch kurzweilig und hochinformativ und ich möchte es jedem, der diesen schönsten aller Schaumweine so schätzt wie ich, dringend empfehlen – großartig!

von Oliver Steffens
Glendullan wurde 1897 als siebte Brennerei in Dufftown vom Whiskyblender William Williams gegründet. Es wird gemunkelt, Williams hätte diese Brennerei nur gegründet, weil zuvor Übernahmeversuche der Destillerien Glenlivet und Balvenie gescheitert waren. Wenn er nun schon keine dieser beiden Brennereien kaufen konnte, soll er um sicherzustellen, dass seine neue Brennerei annähernd diese Qualität erreicht, Dufftown als Standort für seine Neugründung gewählt haben.
William Williams fusionierte 1919 mit Greenlees Brothers. Greenlees gehörte zu dieser Zeit zu Alexander & MacDonald. So bildete man bald darauf eine Firma, die alle drei vereinigen sollte: Macdonald Greenlees & Williams. Die Firma trat 1925 der Distiller Company Ltd. (DCL) bei und Glendullan wurde 1930 an die Scottish Malt Distillers Ltd. (SMD) übertragen.
Wie viele andere Brennereien musste auch Glendullan während des zweiten Weltkriegs aufgrund von Gerstenmangel die Produktion einstellen und blieb von 1940 bis 1947 geschlossen. Zwischen 1971 und 1972 wurde in der Nähe der alten Brennerei eine neue, größere Brennerei erbaut. Beide Destillerien wurden eine ganze Weile parallel betrieben. Jede verfügte über eigene Maische- und Gärbottiche, die neue Brennerei verfügte aber über sechs Stills, während die alte nur derer zwei hatte. Die Malts aus beiden Destillerien wurden gemischt, bis 1985 die alte Glendullan Destillerie stillgelegt wurde. Streng genommen ist der Whisky aus dieser Zeit kein Single Malt, sondern ein Vatted Malt. 1987 wurde die Destillerie von UDV übernommen und gehört somit heute zu Diageo.
Es wird noch ein weiterer Glendullan Single Malt Whisky als Originalabfüllung unter dem Namen Singleton of Glendullan in der gleichen Aufmachung wie der Singleton of Dufftown vertrieben. Dieser scheint vornehmlich für den Markt in den USA bestimmt zu sein. Ich hatte daher heute den Glendullan aus der Flora und Fauna Serie im Glas:
| Glendullan “Flora & Fauna” Single Malt Whisky 12yo, 43% vol. |
| Farbe |
sehr hell, eher wie Weisswein |
| Nase |
Leicht, frisch und trocken. Malzig, fruchtig. |
| Gaumen |
Sehr trocken, malzig, nussig, etwas fruchtig und etwas holzig |
| Abgang |
Langanhaltend, wärmend, nussig. |
Ein rundum solider Whisky der etwas kräftigeren Sorte. Ein angebotenes Glas würde ich wahrlich nicht verweigern, aber wirklich beeindruckt hat mich dieser Whisky nicht.
von Alchemyst
 Stagger Lee Bar, Berlin - Eine ganz eigene Welt im Western-Stil des 19. Jahrhunderts
Nachdem wir hier auf Trinklaune eine kleine Reihe zum Thema „Das Fest“ hatten, wurde ich gefragt, warum ich so intensiv auf solch einem absoluten Randthema, solch’ einer speziellen Ausnahmeerscheinung wie dem Fest herumreite. Nun, es gibt da biographische Gründe:
Zum einen habe ich mich während meiner Studienzeit mit so etwas wie der „Festtheorie“ beschäftigt, zum anderen habe ich mir in dieser Zeit ein Zubrot als Partyplaner verdient. Dieses Wort gab es damals im Deutschen noch nicht, aber es hat mir viel Spaß gemacht, für andere Parties und Feste zu organisieren und vorzubereiten.
Ich feiere seit einem Vierteljahrhundert jährlich zwei Parties und kann so auf gewisse Erfahrungen, gelungene und nicht gelungene Feste zurückschauen.
Der eigentliche Grund aber „Das Fest“ in den Mittelpunkt zu stellen, ist meine Überzeugung, dass das Fest als Urform des Ausdrucks menschlicher Entspannung und Lebensfreude auch eine Urform jeglicher Gastronomie darstellt.
_______________________________________________________________
Eine Gastronomie, die vom Fest gelernt hat, das Fest verstanden hat und zu gestalten weiß, ist eine gute Gastronomie.
Das Fest zu rezepieren, bedeutet, sich mit der Rolle des Gastgebers zu beschäftigen, sich in die Rolle des Gastes zu begeben und jenseits der merkantilen Notwendigkeiten, ein gastfreundliches Milieu zu schaffen.
So liegt es nahe, sich jetzt im weiteren mit dem Fest und der Bar zu beschäftigen.
Wir möchten darüber nachdenken, was die Bar vom Fest lernen kann…
Nun gibt es mindestens zwei Einwände gegen dies Unterfangen. Zum einen gibt es nicht DIE Bar, wohl aber die Bar, wie ich sie schätze. Von ihr schreibe ich.
Zum anderen bin ich als Gast nicht in der Position um Professionellen Ratschläge zu geben, aber ich möchte zumindest ein paar Gedanken nachhängen, die mir im Laufe der Jahre bei diversen Barbesuchen kamen.
„Feste und Feiern setzen Pausen im Leben des Menschen, bei denen die fünf Sinne zu ihrem Recht kommen. Auge, Ohr, Geruch, Geschmack, Gefühl werden … durch Musik, … berauschende Getränke, durch Tanz und Ekstase in einen ästhetischen Taumel versetzt. Während der Arbeitstag einen großen Teil der menschlichen Anlagen brachliegen lässt, darf beim Fest der ganze Mensch gegenwärtig sein.
Die sinnliche Präsenz, die ihm gewährt ist, macht das Fest zur Utopie. Das Fest ist heute überall…“
Hannelore Schlaffer, “Das alltägliche Fest” in “Cottas kulinarischer Almanach No.14″
_______________________________________________________________
Tages Arbeit! Abends Gäste! /Saure Wochen! Frohe Feste!
Das Fest als große gemeinsame Auszeit, als kollektiver Ausnahmezustand und als Ausnahme vom Alltag gibt es kaum noch.
Unser Leben ist geprägt vom Taumel durch lauter kleine Seeligkeiten, hier ein Michael Jackson Konzert vom heimischen Bluray-Player, dort ein guter Drink, ein perfekter Cappuccino nebenbei in der Herrenboutique, Plantagenschokolade aus Papua Neuginea zwischendurch, Musik allerorten…, sodass man durchaus von einer Zerstückelung der traditionellen Festkultur sprechen kann oder positiver ausgedrückt von seiner Demokratisierung. Kam in früherer Zeit das (religiöse) Fest periodisch auf einen zu und vereinte Musik, Tanz, Wein Schmaus und Gesang zur gleichen Zeit am gleichen Ort, so sind Festivitäten, kleine Stunden der Freude heute in mannigfaltigen Facetten vielfach verfügbar. Der (sakrale) Ausnahmezustand ist heute profaner Dauerzustand.
Teil der übriggebliebenen dauerverfügbaren „kleinen Seeligkeiten“ ist die Abend- bzw. Nachtgastronomie: das Restaurant, die Diskothek und die Bar.
In der gut geführten Bar kann der Gast erspüren, was das Fest im Kern ausmacht. Man ersetze in den folgenden Texten einfach einmal das Wort Fest durch das Wort Bar und man kann erahnen, was ich meine:
„Das Fest lebt aus dem Kontrast zur Alltagswelt. … Das Fest hebt sich von der Alltagswelt ab und über diese empor als die außer-alltägliche, die höhere Daseinsform. Schon in seinem äußeren Erscheinungsbild hält es zu ihr Distanz, durch den „festlich“ geschmückten Raum … Das Wort „festlich“ steht für kulturelles Niveau, oberhalb der Sphäre des praktisch Nützlichen und der bloßen Funktionalität, in der Sphäre des zweckfrei Schönen. … Der Mensch übersteigt das Reich der Notwendigkeiten und tritt ein in das Reich der Freiheit. Eben deshalb besteht die innere Notwendigkeit zu feiern, damit er seine Freiheit von den äußeren Notwendigkeiten erlebt und zu sich selbst findet. Im Fest triumphiert die Person über das Elend der Umstände. Wer die Last des Alltags trägt, braucht das Fest, um den Alltag auszuhalten… „
Josef Ilensee in „Die Philosophie des Festes“
Ähnlich äussert sich Eva Gesine Baur in „Feste der Phantasie“. Auch sie sieht das Fest “wie eine Insel im rauschenden Fluß der Tage”, das den Gästen Spielraum gibt zur Selbstvergessenheit:
„Die spielerische Unbeschwertheit hilft uns, die Taue kappen, die uns am Alltag festbinden. Sie hilft uns, uns treiben zu lassen im Augenblick, wohin auch immer er uns trägt. Und nicht mehr an das Festland der Verpflichtungen und Verbindlichkeiten zu denken, nicht an Schulnoten und Prüfungen, nicht an die Raten für den Bausparvertrag oder an den Terminkalender, nicht an den fälligen Großputz, Den Dow Jones oder den Zoff mit dem Chef. Das Fest befreit von allem, was einengt. Zumindest für ein paar Stunden.“
Ein Barbesuch, so wie ich ihn erlebe, ist so ein Heraustreten aus dem Alltag, aus einer Welt der Beschwernisse in ein Reich, in dem alles fließt.
_______________________________________________________________
 Gregor Scholl - Rumtrader, Berlin
Ich liebe ja diese kleinen Rückzugbars. Bei manchen dieser „Höhlenbars“, ich zähle mal Gregor Scholls Rumtrader dazu, stehe ich zu Beginn vor einer verschlossenen Tür. – Und das ist gut so.
Der Wechsel aus dem Alltag in das Reich der Gastlichkeit ist kein Gleiten, sondern das Übertreten einer Schwelle. Die Tür ist die Pforte. Wenn man durch sie hindurchgeht, dann spricht sie: Laß draußen, was nicht hineingehört, Gedanken, Wünsche, Sorgen, Eitelkeit. Mach dich frei von allem, was eng und ängstlich ist. Wirf ab, was niederdrückt. Ab jetzt: genieße.
Nach dem begehrlichen Klingeln öffnet mir mein Gastgeber die Tür und bittet mich herein. Die Nacht beginnt mit einem Empfang und ich spüre:
Jetzt bin ich Gast, hier darf ich’s sein…
Doch dazu demnächst mehr unter der Überschrift:
Das Fest und die Bar oder von Gastgebern und Gästen.
von Oliver Steffens
Schon öfter fand ich bei meinen Recherchen zur Geschichte der einen oder anderen Whiskydestillerie unterschiedliche Meinungen, Auffassungen und Versionen vor. Doch selten schien mir die Geschichte einer Brennerei so undurchsichtig wie die von Glendronach. Das fängt schon beim Gründer an: 1826 soll Glendronach von James Allardice unter Mitwirkung einer Gruppe von Geldgebern aus Geschäftsleuten und einheimischen Farmern gegründet worden sein. An der Identität des Gründers tauchten in der jüngeren Vergangenheit aber vermehrt Zweifel auf. So liesst man im Internet häufiger den Namen Allardes und auch die Familie Allerdice selber vertritt diese Auffassung. Die Whiskyliteratur und auch die Brennerei selber sprechen aber (noch) von James Allardice. Wirklich aussagekräftige Belege gibt es weder für die eine noch für die andere Version, doch mich hat überzeugt, dass Alfred Barnard im Bericht über den Besuch der Brennerei 1886 James Allardyce als Gründer nannte. Sechzig Jahre nach der Gründung dürfte der richtige Name des Gründers doch noch nicht so in Vergessenheit geraten sein, wie das vielleicht heute der Fall sein könnte. Ich habe mich daher für die althergebrachte Version entschieden. Der aufmerksame Mitleser möge also bitte nicht stutzen, wenn er in anderen Publikationen den anderen Namen gelesen hat.

Sicher ist, dass die Geschäfte der Glendronach Brennerei schon sehr bald nach der Gründung recht gut gingen, da James Allardice vom fünften Duke of Gordon, der seinerseits von Glendronach und dem Produkt begeistert war, in der Londoner Gesellschaft eingeführt wurde. So eröffnete sich der Brennerei rasch eine zahlungskräftige Kundschaft.
In der nach meinen Erfahrungen höchst verlässlichen ‘Whiskypedia’ von Charles Maclean wird ein Brand der Destillerie 1837 erwähnt, bei dem diese weitestgehend zerstört worden und Allardice fünf Jahre später bankrott gegangen sein soll. Die Brennerei selber gibt auf ihrer Internetseite aber an, die Brennerei wäre schon 1830 von Allardice an Walter Scott verkauft worden. Von Brand oder Bankrott keine Rede. Weitere Quellen, die ich sonst gern zu rate ziehe, hüllen sich für diese Periode in Schweigen. Vermutlich waren sich die Autoren ähnlich uneins, welcher Version sie Glauben schenken sollten, wie ich.
Wirklich eindeutig wird es erst wieder ab 1920, als Charles Grant, einer der Söhne William Grants, dem Besitzer der Glenfiddich Destillerie, die Brennerei übernahm. 1960 wurde sie an William Teacher & Sons verkauft. Teacher’s wurde 1976 durch Allied Domecq übernommen. Diese schlossen Glendronach zwischen 1996 und Mai 2002. Mit der Übernahme von Allied Domecq gehörte Glenburgie seit 2005 zu Pernod Ricard, die die Brennerei im Juli 2008 an die BenRiach Distillery Company Ltd. verkauften.
Der Whisky von Glendronach wird in einer Kombination aus Pedro Ximenez- und Oloroso-Fässern gelagert. Und das riecht und schmeckt man auch !
| Glendronach Single Malt Whisky 12yo, 40% vol. |
| Farbe |
Bernsteinfarben |
| Nase |
Sherry, malzig-süss, Karamell, leichte Holztöne |
| Gaumen |
Weich, cremig, malzig, Honig und Vanille, Sherry |
| Abgang |
Langanhaltend, Malz, etwas Torf. |
Der Glendronach vermag zu überzeugen. Unter den Whiskys im Segment unter 30 Euro eine kleine Perle.
|
|