Trinklaune im Wald – Teil 3 – To-To-Topinambur

To-To-Topinambur….Wer jetzt glaubt, die schwäbisch-alemannische Fasnet sei ausgebrochen, liegt falsch. Vielmehr handelt es  sich bei Topinambur-Brand (oder auch Rossler) um eine ernsthafte, traditionelle badische Spirituose, die leider ein wenig aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten ist (oder ehrlich gesagt nie dort wirklich gewesen ist). Der Grund ist (zumindest wahrscheinlich, ich bin aber auch für anti-badische Verschwörungstheorien offen): Der Geschmack. Es handelt sich um einen zutiefst erdig-grasigen, leicht süßlich-modrigen Geschmack, der zwar die Küche der Sternehäuser erobert hat, allerdings für Bartender schwierig zu handhaben ist. Hinzu kommt, dass die Produkte meist nur von Kleinbrennern hergestellt werden und ein echtes Brandbuilding daher nicht lohnenswert ist.

Aber der Badner macht aus dieser nachteiligen Situation immer das, was er am besten kann: er präsentiert sich als Underdog! Und so ist seit kurzem ein Topinamburbrand angetreten, die Republik zu erobern. Er heißt: Bare Knuckle und kommt mit einem Retro-Label und ansprechender Flasche sowie 42% daher.

Was macht man nun mit einem solchen Produkt?  Vermixen natürlich:

hops

Hops, der Bär (Jan Jehli, Le Trois Rois, Basel)

5 cl Topinambur (Bare Knuckle)
2 cl Sahne
2 cl Zuckersirup
1,5 cl Zitronensaft
1,5 cl Limettensaft
Eiweiß
4 cl Weißbier
Borgmann Spray (ich habe Urban Moonshine Original Bitters genommen)

Äußerst lange auf Eis shaken, dann ohne Eis erneut shaken, am Ende ohne Eis im Highball-Glas servieren. Mit dem Weizen auffüllen.

Jan Jehli erzählt aus der Entwicklungshistorie des Drinks: „Der Drink basiert auf dem Ramos Gin Fizz, da Topinambur eine spannende Alternative zum Aroma der Grundspirituose Gin bietet. Das Weißbier wurde verwendet, da am Gaumen mehr passieren sollte als nur die Kohlensäure. Aus dem Hopfen im Weißbier kommt auch das Hops im Namen. Und Bare klingt im badischen eben nach Bär.“ Eine weitere Beschreibung des Cocktails ist nicht notwendig. Nur soweit. Er schmeckt großartig.

Folgerichtig wird der Topinambur in einem zweiten Versuch im Gimlet getestet.

gimlet

Schwarzwald Gimlet

6 cl Topinambur (Bare Knuckle)
3 cl Lime Cordial (Monin)
1 cl Limettensaft
Auf Eis rühren, in Coupette abseihen, mit Limettenzeste garnieren.

Der Topinambur macht sich äußerst gut als Gin-Ersatz. In der Nase noch leicht süßlich, erweist sich der Topinambur als würdiger Gegenpart zur Limettenfrische. Im Abgang dann wieder die Wurzelkräutrigkeit des Topinambur.  Hier zeigt sich ganz deutlich: Der Mehrwert des Mischens.

Und so bleibt nur noch ein Appell, dem Topinambur eine Chance zu geben. Erhältlich bislang nur hier.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

2 Kommentare

  1. Philip

    Hallo. Ich habe gesehen, dass du die Verkostungen bei Getränke Wolf durchführst. Die angegebenen Termine sind alle ausgebucht. Wird es Nachfolge-Termine geben? Wird es da auch den Hamburger Gin von http://www.gin-sul.de/ geben? Falls es einen Newsletter gibt, der über die Termine informiert, bitte mich aufnehmen.

  2. Oliver

    Hallo Philip,
    ich vermute, dein Kommentar ist nicht an Daniel, den Autor dieses Artikels, gerichtet, sondern an mich.
    Mehr zu meinen Gin&Tonic-Tastings erfährst du unter http://www.ginthusiast.de
    Da kannst du dich auch zum Newsletter anmelden.

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