Rum, Voodoo und der St. Pierre Rum Riser

Im Hotelgebäude gab es so etwas, das aussah wie ein Vorratslager für Alkohol.. Ein grinsender Puertoricaner verkaufte mir eine Flasche Rum für einen Dollar und eine Tüte voll Eis für zwei. Ich zahlte und ging zurück auf mein Zimmer.

 

Rum. Ein Getränk für Aussteiger, für Saufbolde, für Welthintersichlasser. Mehr Statement denn Getränk. Laut und effektiv. Dreckiger Rachenputzer aus der wilden Welt hinter dem Atlantik. In gewisser Weise wird man dem Rum nicht gerecht, wenn man ihn mit Massen von Zucker abrundet, ihm die Kanten nimmt. Da hat Torben Recht. Mit Zucker und Super-Premium haben wir den Rum domestiziert. Aber Rum kann man nicht ohne seine Herkunft verstehen. Mit dem Genuss verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Phantasie vollends, die in tropischen Gefilden ohnehin schwer auszumachen sind. Kein Zweiter beschrieb das so prägnant wie Hunter S. Thompson, den ich hier aus The Rum Diary zitiert habe. Rum ist Magie. Ähnlich wie Voodoo. So sollen bei Voodooritualen Geisterwesen von den Teilnehmenden Besitz ergreifen. Tote sollen auferstehen. Bei diesen Ritualen wird auch Rum konsumiert. Ermöglicht Rum den Übertritt in eine andere Realität? Mit der Vorstellung, dass Rum Tote wieder zu den Lebenden erwecken kann, spielt der Cocktail, um den es mir eigentlich geht. Ein Twist auf den Corpse Reviver #2:
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 St. Pierre Rum Riser (Anton Roeder, Karlsruhe)
4 cl Rhum Agricole Blanc (mind. 50%)
4 cl Carpano Antica Formula
3 cl Limettensaft
4 cl Ingwerlikör
Chartreuse Elixir Vegetal (brennend, als Float)
Auf Eiswürfeln shaken, auf Eis im Tumbler servieren. Mit Orangentwist abspritzen, Twist zwischen die Eiswürfel stecken, so dass er hoch steht (man braucht viel Eis). Einen halben BL Elixir Vegetal über den Drink halten, anzünden und langsam auf den Orangentwist herablaufen lassen, so dass die Flamme auf dem Twist weiterlebt.

 

Der St Pierre Rum Riser fiel im Sommer 2013 bei der großartigen Admiral Sugar Shack Competition auf, die ich mitjurierte. Es gab unglaublich viele gute Cocktails und wunderbar kreative Performances, dieser Cocktail kam mir aber zurück ins Gedächtnis, als ich The Rum Diary las. Rum und Voodoo ist die perfekte Kombination fernab von Tiki und guter Laune-Easy-Drinking. Ein Cocktail, der die Herkunft des Rums nicht versteckt, sondern erlebbar macht. Mit den Worten von Hunter S. Thompson:
Da es keinen Kühlschrank gab, hatten wir kein Eis und mussten warmen Rum aus dreckigen Gläsern trinken.

Daniel Klingenbrunn

Beruflich wandelt er auf David A. Emburys Spuren. Dessen Sour-Verhältnis von 8:2:1 irritiert ihn jedoch immer noch. Seine Aufmerksamkeit gilt American Whiskey, Tequila, Mezcal und allerlei Nischenspirituosen, aber auch Rezepten jenseits der Standards.

Etikett Absinthe Fusion

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel, der so schön das Gefühl umschreibt, das man haben möchte, wenn man Rum trinkt, nachdem man Rum Dairy gelesen hat.
    Zeit früh Feierabend zu machen, um den Drink zu probieren… Oder vielleicht doch gleich hier?

  2. MJM

    Mist der Drink wäre perfekt für den Tiki Month gewesen…
    Wie kritisch ist brennedes Elixir Vegetal? Ich habe erst neulich ein Glas mit brennenden Wray & Nephew zerstört weil ich die Flamme gar nicht gesehen habe.

  3. Tiki geht immer 🙂
    Ich würde einen Tiki-Mug nehmen, der verträgt das wenn du mit dem Glas unsicher bist. Die Flamme ist ebenfalls kaum sichtbar…

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