Calvados – All the C´s that flavour my life – Teil 4

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Eigentlich wollte ich heute über C wie Chocolate schreiben, mich über Schokoladenaromen in Weinen und Spirituosen auslassen und den Beitrag mit einem leckeren Rezept von Christian Niefanger von den Cocktailwelten krönen. Aber nun hatte ich diese Woche eine Anfrage von Jonas aus dem C&D Cocktailforum nach einem Calvados Tipp. Ich habe also meine Calvadosflaschen aus den hinteren Regalreihen nach vorne geholt und die verschiedenen Brände verkostet. Dabei habe ich gelernt, dass man junge Calva-Qualitäten eher zügig verbrauchen sollte. Sie hatten nach meinem Eindruck durch die Lagerung etwas gelitten.
Die zweite Lehre: Verkoste eine neue Flasche bald, denn dir könnte etwas entgehen: Eine meiner Flaschen war noch ungeöffnet und erwies sich als Volltreffer. Deshalb also trägt dieser Text den Titel C wie

Calvados – neben Champagner und Cognac der dritte im Bunde des großen französischen „C’s“. Calvagen
Ich liebe aromatische Äpfel, seitdem ich im nahen „Alten Land“ die Vielfalt der Apfelsorten kennenlernen durfte, die viel größer ist als es die genormten Designeräpfel aus den Supermärkten vermuten lassen.
Und ich liebe den französischen Cidrebrand, der sich von anderen Apfelschnäpsen z. B. dadurch abhebt, dass normannischer Birnenwein mit verarbeitet werden darf. Sein Finish bekommt er durch die Reifung in Eichenfässern. So erwirbt er seine cognacartige Farbe und Weichheit.

Äpfel, Birnen - Cidre

Äpfel, Birnen – Cidre

Doch anders als bei Cognac, Whisky oder Rum ticken bei Calvados die Uhren anders.
Die Reifung im Fass schätze ich bei diesen holzgelagerten Spirituosen. Hier wächst und reift die Spirituose, bei Calvados verliert sie – finde ich.

Eine lange Lagerung auf Holz gibt dem Brand Reifetöne und macht ihn weicher, aber nimmt dem frischen, präsenten Apfelaroma die Spitze. Der Wein verliert zunehmend seine Fruchtnote, sodass bei Qualitäten dessen jüngster Apfelwein 8, 10 oder mehr Jahre gereift ist, der Apfelduft und -geschmack nach meinem Dafürhalten, arg in den Hintergrund tritt. Der Calvados verliert den Charakter seines Ausgangsproduktes.

Meine Empfehlung nun ist ein Produkt der Brennerei Lecompte, die sich im Herzen des Pays d’Auge, in Notre-Dame de Courson befindet. Der 5jährige Calvados Lecompte ist einer der schönsten normannischen Brände, die ich bisher getrunken habe. lecompte-calvados-pays-dauge-5-jahre
Mich überzeugt eine ausgewogene Cuvée aus fruchtigen und altersmilden Bränden, die ich als „The best of both worlds“ bezeichnen möchte. Trotz seines nicht ganz geringen Alters ist er ein kecker Bursche geblieben, hat noch das Feuer der Jugend und ein recht frisches, ausgeprägtes Apfelbukett, dass auch im Nachhall des Gaumens noch wahrnehmbar ist. Gleichzeitig bietet er die glättende und ergänzende Milde des Holzes, das die frischen Fruchtnoten etwas egalisiert aber nicht platt macht. – Ein genialer Calvados Reposado sozusagen. Was will man mehr… Santé!

Alchemyst

Alchemyst, geboren in den fünfziger Jahren, studierte Philosophie, Theologie und Pharmazie. Heute leitet er eine öffentliche Apotheke in Norddeutschland. Alchemyst ist nicht selten in Champagnerlaune.

1 Kommentar

  1. …und nochmal möchte ich meinen herzlichsten Dank an dich aussprechen.

    Wieder mal ein wunderbarer Artikel von dir, der sich super liest und Lust auf mehr macht.
    Diese Lust hat mich jetzt natürlich völlig in ihrem Bann und die 6 kleinen Fläschchen (speziell die von dir Gelobte) grinsen mich förmlich an.
    Da ich sie jedoch gebührend und in Ruhe verkosten möchte, werde ich mich leider noch 2-3 Tage gedulden müssen, da bei mir gerade alles ein wenig hektisch und euphorisch ist.

    Meine Geschmackseindrücke und Meinunge werde ich dir natürlich unverzüglich mitteilen.

    Abschließend wünsche ich noch einen wunderschönen Sonntag.

    Viele Grüße
    Jonas

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