Deoch an Doruis: Lagavulin

Bevor ich zum Lagavulin komme, ein Hinweis in eigener Sache: Die Verkostungsnotizen zum Bruichladdich, die ich aufgrund meiner Grippeerkrankung schuldig bleiben musste, habe ich nun ergänzt.

Die Lagavulin Brennerei bei Port Ellen auf Islay hat -im Vergleich zu manch anderen Destillerien, von denen hier schon zu lesen war- eine wenig bewegte Geschichte. dafür sind die Anfänge der Brennerei etwas nebulös.

Als das offizielle Gründungsjahr wird 1816 genannt, so ist es auch auf den Lagavulin-Flaschen zu lesen. Dort, wo John Johnston seine Brennerei erbaute, waren schon illegale Whiskybrennerein seit mindestens 1742 bekannt und zeitweise waren sogar bis zu zehn Destillereien gleichzeitig tätig. Es ist nicht klar, ob Johnston einen Partner hatte, oder nicht. Ebenso ist die Rolle der Nachbarbrennerei Ardmore (nicht zu verwechseln mit der 1898 erbauten Speyside-Destillerie) unklar. War sie Konkurrenz oder ergänzte sie Lagavulin ?

Ab 1837 wird es klarer. Der Sohn John Johnstons legte beide Brennerein zusammen und Ardmore auf Islay hörte auf zu existieren. John Crawford Graham, Bruder des bekannten Glasgower Weinhändlers Alexander Graham, kaufte die Destillerie mit Hilfe seines Partners James Logan Mackie im Jahr 1852. Ein weiterer Graham-Bruder, Walter, betrieb zu dieser Zeit die benachbarte Laphroaig-Brennerei. Mackie übernahm die Brennerei 1867. In den folgenden Jahren erlernte hier sein Neffe Peter Mackie das Handwerk des Whiskybrennens. Ab 1883 ging Peter eigene Wege und gründete die Firma Mackie & Co. und entwickelte den Blend ‚Mackie’s White Horse Cellar‘, heute kurz White Horse. Dieser war mit den Jahren so erfolgreich, dass die Firma Mackie & Co. zu Beginn 20. Jahrhunderts zu den großen Fünf des Whisky-Business zählte. Als 1891 sein Onkel John Logan starb, erbte Peter die Lagavulin-Brennerei. 1927 ging die Firma in der D.C.L auf und gehört daher heute zu Diageo.

Lagavulin Single Malt Whisky 16yo, 43% vol.
Farbe Bernsteinfarben
Nase Deutliche Torfnoten und etwas Rauch, Jod, Heidehonig und Nuancen von Trockenfrüchten
Gaumen Sanfte alkoholische Schärfe, cremig, Rauch und Torf, Salz, etwas Frucht und Honigsüsse.
Abgang Sehr langanhaltend, rauchig. Gewürze und Bittermandel.

Der Lagavulin ist ein kräftiger, komplexer, aromenreicher Whisky. Wenn man Islay-Whiskys mag, ist der Lagavulin ganz eindeutig eine Empfehlung !

Oliver Steffens

Jahrgang 1970, wandte sich nach intensiver Beschäftigung mit Weinen und Whiskys der Cocktailbar zu. Selbst einmal in der Gastronomie tätig gewesen, hat ihn dieses Thema nie wirklich losgelassen und so interessiert er sich auch für Barkonzepte und deren Umsetzung.

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