Veritas Rum und Old Cuban’s Ghost

Weißer Rum, geblendet aus gereiften und ungereiften Destillaten verschiedener Destillen aus verschiedenen Ländern – mittlerweile schon fast ein alter Hut. Banks Five Island oder Plantations Three Stars sind schon moderne Klassiker in diesem Segment und etliche weitere Produkte kann man auf dem Markt finden.

Veritas Rum reiht sich in dieses Konzept ein. Die Zeiten von weißen Rums, „light bodied“, mild und aus einer Destille, scheinen fast komplett vorbei. Bei Veritas werden zwei Schwergewichte in den Ring geworfen: Foursquare von Barbados und Hampden von Jamaika sind wahrlich keine unbekannten Destillerien, aus denen ungereifte und gereifte Rums in den Blend einfließen. Ganz typisch für Hampden und auch Jamaika generell stammen die kräftigen, aromatischen Destillate aus Pot Stills, die Foursquare-Brände entspringen einer Coffey Still. Gefiltert, gefärbt, gezuckert oder anderweitig geschönt wird der Veritas Rum nicht.

Veritas White Blended Rum

Solche Rums sind zum Mixen gemacht, keine Frage. Dennoch schmecken und riechen wir vorab einmal hinein:

Veritas White Blended Rum
Nase:
Ananas, Kochbanane, Räucherspeck und Vanille. Dazu ein paar frische, grüne Töne. Der Hampden-Anteil mit seinen klassischen Esternoten dominiert klar die Nase, aber man merkt, dass noch etwas anderes dabei ist. Die typischen Noten sind da, aber nicht so brachial wie bei reinen Hampden-Rums.
Gaumen:
Ordentlich Kraft, das ist klar. Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild. Hampden ist da, aber nicht in voller Dominanz, sondern eingehegt durch etwas Feinheit. Banane und (etwas weniger) Ananas sind wieder da, auch feine Klebstofftöne, wie man es von vielen Rums mit mittlerem Körper kennt. Gewürzkiste, Zedernholz, aber beides eher im Hintergrund. Dieser Rum ist frisch. Alles an ihm schreit: „Vermixe mich!“ Dem kommen wir doch gern nach.

Natürlich muss so ein Rum in einen Daiquiri. Kraft, Frische, Volumen – all das verlangt nach der klassischsten aller Kombinationen mit Limette und Zucker. Und klar, die klassische Kuba-Schorle Mojito geht auch hervorragend. So weit, so normal. Aber auch über die typische Klaviatur aus Mojito, Daiquiri und Co. hinausgehend kann man mit Veritas formidabel mixen.

Old Cuban’s Ghost

Old Cuban’s Ghost
6 cl Veritas
2 cl Zuckersirup
1 dash Angostura
3 Zweige Minze 
3 cl Limette
5 cl Milch

Die ersten fünf Zutaten shaken, double strain, Mischung in die Milch geben und kurz umrühren. Nach einer Stunde Standzeit im Kühlschrank abfiltrieren. In eine Schale geben. Mit Champagner auffüllen und mit Minze garnieren.

Der Old Cuban ist längst ein Klassiker, hier kommt er als Milk Punch kristallklar und etwas reduzierter ins Glas. Der Ursprung ist klar zu erkennen und der Veritas kann mit seinem Volumen das fehlende Alter des Rums im Vergleich zum Old Cuban locker ausgleichen. In der Nase springt ein herrlicher Duft nach Hampden aus dem Glas, ein bisschen Frische von Minze und Limetten. Am Gaumen ist der Drink tatsächlich genau das, wonach er aussieht. Old Cuban in schlank – aber nicht als Skelett. Die Milk-Punch-Textur bleibt erhalten, weshalb es etwas mehr Rum und Minze braucht, um die Kraft auch nach der Filtration zu erhalten. Und, was schön ist: Der Drink lässt mehr Platz für den verwendeten Champagner. Etwas eleganter, schlanker, subtiler. Die Fülle seines Vorbilds hat er aber nicht. Darum muss man mit der Menge des verwendeten Champagners auch etwas aufpassen. Zu viel Champagner zerlegt den Drink zügig, er wirkt dann ausgezehrt. Zu wenig sorgt aber für einen Mangel an Frische, da die Säure der Limette durch die Filtration deutlich zurückgefahren ist.

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Torben Bornhöft

Torben Bornhöft beschäftigt sich seit 2004 leidenschaftlich mit Themen rund um Bar, Cocktails und Genuss. Nachhaltig geprägt durch fünf Jahre im Hamburger Le Lion und die Likörproduktion mit Forgotten Flavours liegt Torbens Fokus hier mittlerweile auf den Themen Champagner, Infusionen und Twists auf Klassiker.

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